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Weg mit den Cookie-Hinweisen!

Ein Geheimagent mit schwarzem Hut und Sonnebrille sitzt vor einem Computer und tippt etwas ein. Durch ein Fenster sieht man den Kreml in Moskau

Der Farmer John Wiggins steht wegen Schwarzbrennens von Schnaps vor Gericht. Er sei doch gar nicht beim Schwarzbrennen erwischt worden, verteidigt er sich. Ja, aber er habe die Vorrichtung dazu in der Scheune stehen, wirft ihm der Staatsanwalt vor. Nun, dann müsse man ihn auch wegen Vergewaltigung verurteilen, denn die dafür benötigte Vorrichtung habe er auch stets betriebsbereit bei sich, wirft Wiggins ein.

Ein alter Witz, mehr nicht. Aber er spricht eine Thematik an, die wir heute auch auf einen ganz anderen Bereich übertragen können, nämlich auf den Datenschutz. Das mag Dich erstaunen, aber diese alte Schwarzbrennergeschichte sagt genau das aus, was viele Webmaster umtreibt.
Wiggins weist ja in dieser kleinen Geschichte auf den absurden Umstand hin, dass man ihn verurteilen will, obwohl nur die Möglichkeit bestanden hat, etwas Verbotenes zu tun.

Und genau so ergeht es im Rahmen der europäischen Datenschutzregelungen und der DSGVO auch allen Webseiten-Betreibern. Nur weil sie theoretisch die Möglichkeit hätten, die vom User übermittelten Daten zu speichern, auszuwerten und zu übermitteln, müssen sie sich mit einem Haufen von Anforderungen herumschlagen.

Bei mir ist das so, dass ich mich überhaupt nicht für die Identität der Seitenbesucher interessiere. Die einzige Information, die ich haben möchte, ist die Mailadresse von Leuten, die sich per Kontaktformular an mich wenden, sonst kann ich ja nicht antworten.
Dabei ist es mir sogar egal, ob die Person mich unter ihrem wirklichen Namen anschreibt, oder ob sie einen Spitznamen, wie z.B. Rumpelstilzchen verwendet.
Nun übermittelt der Browser meiner Seitenbesucher aber auch weitere Informationen, wie beispielsweise die IP-Adresse, den verwendeten Browser und einige weitere technische Infos. Ich will diese Daten gar nicht, ich benötige sie für nichts.
Das Schlimmste, was mit den Daten passiert, ist ein Auszählen. Es wird einfach nur zusammengezählt, wie viele Leute mein Blog A und wie viele mein Blog B besucht haben. Punkt.

Natürlich kann man mit den Userdaten noch viel mehr machen. Es können Profile angelegt werden, manche Dienste zählen eins und eins zusammen und bekommen so sehr viel über die Nutzer und deren Verhalten heraus. Manche Dienste sind sogar in der Lage, Prognosen über das künftige Verhalten der Nutzer abzugeben. Nur so ist es möglich, dass Dir auf einmal überall Anzeigen für Grillkohle angezeigt werden, wenn Du irgendwo nach einem Grill gesucht oder einen solchen gekauft hast.

Aber so etwas machen 90 % der kleinen, durchschnittlichen Webseitenbetreiber überhaupt nicht. Die vielen Millionen Seiten von Privatleuten, Initiativen, Schulen, Kitas und kleinen Firmen sind an einer weitergehenden Auswertung der Userdaten überhaupt nicht interessiert.

Man könnte nun sagen, dass diese Webseitenbetreiber das Erheben von irgendwelchen Daten doch abschalten sollen. Aber es ist nahezu unmöglich, eine Webseite zu betreiben, ohne dass man beispielsweise Cookies einsetzt. Diese kleinen Datenschnipsel werden von einer Webseite auf dem Rechner des Seitenbesuchers gespeichert, etwa um ihn wiederzuerkennen, damit er nicht jedesmal Namen und Mailadresse eingeben muss, wenn er kommentieren will und so. Setzt der Webseitenbetreiber Google-Adsense ein, um mit ein paar Werbeanzeigen etwas Kleingeld zu verdienen, wird es unmöglich, auf diese Cookies zu verzichten. Die meisten Cookies werden von irgendwelchen Plugins gesetzt, die der Seitenbetreiber einsetzt, um seinen Besuchern den Besuch der Seite zu verschönen, zu erleichtern und sicher zu machen.

Das ist aber so normal und so ein Allgemeinfall, dass es eigentlich keiner Erwähnung bedarf. Jeder, der im Netz unterwegs ist, muss so viel Medienkompetenz besitzen, dass er weiß, dass er überall Spuren hinterlässt. Jeder muss selbst Sorgfalt tragen, dass er nur das an Daten herausgibt, was er auch herausgeben will. Das geht mit entsprechenden Einstellungen seines Browsers nämlich sehr gut. Ja es ist sogar so, dass mittlerweile ein Großteil der Webseitenbesucher anonymisiert surfen, ihre IP-Adresse verschleiern, VPNs nutzen und somit gar nicht mehr nachverfolgbar und auswertbar sind.

Aber nur, weil es diese Cookies gibt und nur, weil Webseitenbetreiber theoretisch in der Lage wären, die Daten in irgendeiner Weise zu verarbeiten, werden ihnen eine ungeheure Mühe und ungeheure Kosten aufgebürdet.
Egal, welche Seite Du besuchst, es poppt anfangs immer ein Fenster mit Cookie- und Datenschutzhinweisen auf. Das musst Du jedes Mal wegklicken, Du hast Dir die Hinweise noch nie durchgelesen (ich wette!) und diese Hinweisboxen sind absolut überflüssig, lästig und nicht mehr als ein ständiges Ärgernis.
Dabei wird nicht nur eine Box generiert, die Dir lästig erscheint. Nein, der Webmaster muss eine Datenschutz-Cookie-Software installieren, die mitunter sehr kompliziert zu bedienen ist, immer wieder mal Eingriffe und somit Arbeit erfordert und letztlich auch eine Menge Geld kostet.
Solche Software wird immer gratis angeboten, in der kostenlosen Variante taugt sie aber meistens nichts und dann bist Du als Seitenbetreiber gezwungen in ein oft sehr kostspieliges Abomodell einzusteigen. Soll es etwas professioneller sein, zahlt man locker 30 bis 90 Euro im Monat.

Dazu musst Du eine Datenschutzerklärung erstellen, die haarklein alles Mögliche auflistet, die teilweise den exakten Wortlaut von aus dem Amerikanischen übersetzten Dokumenten wiedergibt und die Du immer mal wieder überprüfen und ändern musst.
Das alles kostet Zeit und Geld, und Du tust in dieser Datenschutzerklärung exakt das Gleiche, wie Millionen anderer Webseitenbetreiber auch, mit exakt den gleichen Texten und Du weist den Besucher auf die exakt gleichen Dienste (Google, YouTube usw.) hin.

Diese ganze Datenschutzthematik dreht sich um eine allseits bekannte Alltäglichkeit. User hinterlassen Spuren, diese Spuren können ausgewertet werden und ja, dieser Webmaster tut das. Immer der gleiche Sachverhalt.
Trotzdem muss der Webmaster ständig und überall darauf hinweisen, viel Arbeit investieren und einen Haufen Geld bezahlen.

Ich finde, dass es ausreichen müsste, unter dem Impressum einen Satz zur Datenschutzerklärung zu haben. „Dies ist eine Webseite, die Daten erhebt, teilweise auswertet, aber keine umfangreiche Analyse durchführt. Lesen Sie alles dazu auf…“
Weg mit den Cookie-Bannern und -Popups, weg mit den überflüssigen Datenschutzerklärungen und weg mit allem, was hier überflüssig und lästig ist!

Privatleute werden gezwungen, rechtssichere Texte zu verfassen, die dann von spezialisierten Anwälten abgemahnt werden können. Kleine Seitenbetreiber müssen Angst haben, hohe Strafen für Datenschutzverstöße zu bezahlen, von denen sie keine Ahnung haben.

Die Verantwortlichen in Europa und im Bund haben recht. Alles, was sie in den Datenschutzgesetzen festgelegt haben, soll so umgesetzt werden, aber doch bitte nicht vom Kleinseitenbetreiber, sondern von kommerziellen Webseiten, wie Amazon, großen Shops und Diensten wie den sozialen Netzwerken, Lieferando, Zalando und den großen Verlagen.
Für alle anderen muss ein Link zu einer meinetwegen bundesweit geltenden Datenschutzerklärung reichen, auf der die gängigsten Dienste, wie Google-Werbung, YouTube, soziale Medien usw. erklärt werden.

Bildquellen

  • manipulator2: KI generiert Peter Wilhelm

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Hier berichten wir über Technik, Programmierung, Browser und alles, was mit dem weiten Bereich des Internets zu tun hat.

Lesezeit ca.: 7 Minuten | Tippfehler melden | © Revision: | Peter Wilhelm 3. April 2024

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