Start Uncategorized Warum der Bär dem Fuchs den Kopf abbiss
  • Warum der Bär dem Fuchs den Kopf abbiss

    Der Fuchs beschloss eines Tages ein rauschendes Silvester-Fest zu feiern. Über Wochen hinweg schmückten Meister Reinecke und seine Frau ihren geräumigen Bau und luden allerlei andere Tiere des Waldes ein. Der Hase und seine Gattin, der Biber mit seiner ganzen Familie, das kleine Wolfsrudel mit dem der Fuchs immer Karten spielte, alle sie gehörten zum Kreis der Eingeladenen, bis die Frau des Fuchses sagte: „Mann, Du kannst nicht alle Tiere des Waldes einladen, unser Bau wird aus allen Nähten platzen!“

    Etwas enttäuscht begann der Fuchs eine Liste zu machen, auf der er alle Tiere aufnotierte, die er schon eingeladen hatte und kam beim ersten flüchtigen Durchzählen auf über 40 Gäste.
    „Du bist ein Volltrottel!“ schimpfte die Füchsin und hielt ihrem Mann vor: „Du mußt besser auswählen, am Ende sind viele enttäuscht, weil wir sie nicht einladen können.“
    „Quatsch!“ antwortete Meister Reinecke: „Es ist eine ganz normale Silvesterparty bei der wir noch meinen Geburtstag nachfeiern und jeder unserer Freunde und Bekannten kennt unseren Bau. Da wird jeder begreifen, daß wir nicht jeden einladen können.“
    „Vermutlich hast Du Recht“, antwortete seine Frau und so gingen die beiden daran, die Liste zu vervollständigen. Mehr als 50, soviel war klar, würden sie nicht einladen können.
    Lange diskutierten sie hin und her, schrieben weitere Namen auf, zählten erneut durch und strichen schließlich wieder etliche Namen.

    Es vergingen einige Tage und im Wald begann es sich herumzusprechen, daß der Fuchs ein Fest veranstaltet. Der Biber berichtete überall und jedem, daß er eingeladen sei und die meisten Tiere nickten freundlich. Das Reh dachte sich: „Ich bin einer der besten Kunden des Fuchses und besuche ihn beinahe jeden Tag, mich wird er sicherlich auch noch einladen.“ Auch der Hirsch und seine Frau dachten dasselbe und auch der Bär und seine Gattin warteten und warteten, doch sie alle bekamen keine Einladung.

    Als sich das Reh und der Bär trafen, sprachen sie darüber und kamen zu der Meinung, es könne ja gar nicht sein, daß der Fuchs alle einladen würde und da schon so viele andere Tiere des Waldes eingeladen seien, würde man wohl nicht zum Kreis der Auserwählten gehören. Das Reh nahm das mit hochgezogenen Lippen und zusammengekniffenen Augen hin, man merkte ihm an, daß es darüber beleidigt war. Der Bär und seine Frau hingegen zuckten mit den Schultern und sagten sich, daß sie auch nicht alle Waldtiere einladen könnten, würden sie ein Fest veranstalten.
    „Ja, seid ihr denn nicht böse auf den Fuchs?“ fragte das Reh und der Bär zuckte nur gleichgültig mit den Schultern und brummte gutmütig: „Der Fuchs ist doch mein Freund, wie könnte ich ihm böse sein?“
    „Immerhin hat er Euch und uns nicht eingeladen…“
    „Ja und?“ meinte der Bär und gab zu bedenken: „Außerdem habe ich sowieso überhaupt keine Lust ausgerechnet an Silvester auf eine Party zu gehen.“
    „Ich auch nicht“, sagte seine Frau: „Ich würde viel lieber zu Hause bleiben.“
    „Aber es muß Euch doch wurmen, wenn alle möglichen anderen Tiere eingeladen sind und ausgerechnet Ihr nicht“, bohrte das Reh weiter, doch der Bär wiederholte nur: „Nein, der Fuchs ist mein Freund.“

    So fand das Fest beim Fuchs statt und der Bär, wie viele andere Tiere auch, machte sich schon lange keine Gedanken mehr darüber; er hatte es fast vergessen, daß dieses Fest stattgefunden hatte und in ihm war nichts als Gleichgültigkeit. So ist es eben im Leben, man kann nicht immer und überall dabei sein, dachte er sich.
    Doch dann trafen der Bär und seine Frau am Waldesrand auf den Biber. Der spreizte und drehte sich und jubelte: „Wir waren ja alle eingeladen und ihr nicht. Was habt ihr bloß falsch gemacht, daß ausgerechnet Euch der Fuchs nicht eingeladen hat? Der Fuchs ist doch Euer Freund, Ihr müßt ja un mächtig böse auf ihn sein.“
    Ein paar Meter weiter trafen die Bären auf den Hasen und seine Gattin und die Häsin spreize ihren pummeligen Schwanz und reckte ihre Ohren als sie sagte: „Ach, was war das toll. Wir gehören ja richtig dazu, ihr ja wohl nicht. Was habt Ihr bloß dem Fuchs getan, daß er Euch nicht eingeladen hat?“


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    Der Bär und seine Frau schauten sich an und gingen ihres Weges. Allmählich begann es nun doch in ihnen zu nagen und es kamen Zweifel auf. Was hatte man denn dem Fuchs getan? Hatte man unbedacht irgendwas gesagt, was den Fuchs oder seine Frau gekränkt hatte?
    „Ach was“, sagte die Bärin zu ihrem Mann, „denke daran, was wir uns die ganze Zeit gedacht haben. Der Fuchs kann nicht jeden einladen, das waren nur die allerengsten Freunde und zu denen gehören wir eben nicht. Das ist doch nicht schlimm.“
    „Andererseits“, wandte ihr Mann ein, „ist der Fuchs doch unser Freund, sind wir vielleicht nicht seine Freunde?“
    Die Bärin begann zu grübeln und sie zogen ihres Weges.
    Am Abend kam das Kaninchen zu Besuch und schwärmte von der tollen Feier beim Fuchs: „Es war ja jeder eingeladen, der wichtig ist. Auch der Otter und seine Frau, der Luchs, der Specht und die Wiesel.“
    „Moment“, dachte der Bär, „alle die waren eingeladen? Und mich hat der Fuchs nicht eingeladen?“
    Im Grunde war es dem Bär und seiner Frau egal, ob sie eingeladen wurden oder nicht. Ja, sie hatten noch nicht einmal wirklich Lust gehabt, auf eine Party zu gehen. Aber nachdem nun jeder, der eingeladen war, ihnen unterstellte, sie hätten etwas falsch gemacht oder sie seien unbedeutend, begannen schlechte Gefühle zu bekommen.
    Es häuften sich nun ähnliche Begegnungen. Wo immer der Bär auch hinkam, diejenigen, die beim Fuchs eingeladen gewesen waren, trumpften damit auf und gaben damit an.
    So sehr sich der Bär auch bemühte, es gelang ihm nicht, das alles zu ignorieren, jeder stieß ihn mit der Nase darauf, daß er ein dummer Bär sei, weil er glaube, der Fuchs sei sein Freund.

    Einige Tage später, der Bär war gerade auf dem Weg zum Fuchs, um Geschäfte mit ihm zu machen, traf er an der dicken Eiche auf das Frettchen. „Ach“, puschterlte sich das Frettchen auf: „Ihr gehört wohl auch nicht richtig dazu, es waren ja alle eingeladen, nur ihr nicht. Aber es hat mir super gut gefallen und wir haben bis fünf Uhr morgens gefeiert.“

    Der Bär brummte nur kurz und als er wenig später am Bau des Fuchses ankam und dieser ihm die Tür öffnete, biß der Bär dem Fuchs einfach den Kopf ab.

    Bei der großen Verhandlung unter der großen Eiche, die Eule hatte den Vorsitz, gab der Bär an, er habe nichts gegen den Fuchs gehabt, nein, er sei auch nicht böse gewesen, weil er nicht eingeladen war, sondern es habe ihn nur gewurmt, daß alle die da gewesen sind, ihn einen Außenseiter und einen Ausgestoßenen genannt hatten.
    „Und warum hast Du ihm den Kopf abgebissen?“ wollte die Eule wissen.

    „Weil der Fuchs mein Freund war!“


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