• Spannend?

    von Peter Grohmüller

    Sicher kennen viele von Euch die Klassiker „Fenster zum Hof“ oder „Psycho“, um nur einige der herausragenden Werke des großen Regisseurs Sir Alfred Joseph Hitchcock zu nennen. Bei diesen Filmen kann jeder etwas mit dem Wort „spannend“, respektive dessen Bedeutung anfangen, und sicher kennt der Leser noch einige Synonyme wie atemberaubend, aufregend, oder faszinierend. Leider stelle ich fest, dass dieses eindeutige Wort neuerdings geradezu inflationären, oder beinahe schon deplazierten Einsatz findet. Was wird nicht alles als „spannend“ beschrieben, und vor allen Dingen: warum?

    Wenn ein Hersteller eines Schokoladenpuddings mit leckerem Sahnehäubchen, dem ersten ökonomischen Prinzip folgend, letzteres mit Stickstoff aufbläst und dadurch das Volumen der Süßspeise bis kurz unter den Aluminiumdeckel reicht, kann man zurecht von einer Füllmasse sprechen. Denn der Stickstoff dient ja nicht originär als Zutat im ernährungsphysiologischen oder geschmacklichen Sinn, sondern lediglich zum Füllen, wenngleich der Hersteller gerne noch erwähnen mag, dass die Stickstoffatmosphäre auch der Haltbarkeit diene. Ähnlich verhält es sich mit Wörtern, die einen Text einfach nur zu größerem Umfang verhelfen (aufblasen) sollen, für dessen essentielle Aussage jedoch völlig unerheblich sind.

    Spannend?

    Edmund Rüdiger Stoiber. Wer kennt ihn nicht? Hier eine kurze, durch entbehrliche Füllwörter aufgemotzte Beschreibung desselben: Ehemaliges Schwergewicht in der äussert rechten Ecke bajuwarischer Politik. Ehemaliger Staatssekretär, ehemaliger Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, ehemaliger Bayrischer Ministerpräsident, ehemaliger Präsident des Bundesrates, ehemaliger Bundeskanzler…pardon, ich meinte natürlich ehemaliger Kanzlerkandidat, angeblicher Einserjurist und berüchtigter Aktenfresser, heute, weggelobt nach Brüssel, ehrenamtlich tätig in einer Arbeitsgruppe der Europäischen Kommission zum Abbau der Bürokratie in der EU, also auch zum Abbau der Akten, ehemaliges weißblondes Fallbeil des seligen Franz-Josef Strauß, berühmt, berüchtigt für seine zahllosen Ähs, mit denen er, zum Zwecke eines vermeintlich geschmeidigeren Redeflusses, die derben Logiklöcher in seinen zumeist fragwürdigen Darbietungen zu füllen pflegt, wie in jener legendären Laudatio auf den Transrapid, mit dem man innerhalb von nur 10 Minuten vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen Franz-Josef-Strauß…mit dem man hernach…mit dem Flieger…quasi schon…ohne gestartet, oder gelandet sein zu müssen…am Zielort…oder so ähnlich, jedoch mit jeder Menge an Ähs. Edmund Rüdiger Stoiber ist…Äh…Geschichte.

    Wenn heutzutage einer jener hippen, urbanen Vertretern der Generation Smartphone an ein Rednerpult gedrängt wird, oder von selbst seine bahnbrechenden Erkenntnisse an den Mann, oder an die Frau bringen möchte, neuerdings auch an alle Transgender, mit und ohne Laktose-Intoleranz…heute sind Ähs sowas von megaout, wenn es darum geht, den eigenen verlorenen Faden wiederzufinden, oder seinen Tinnef aufzublasen.

    Christian Lindner, jener unrasierte, gelackte, aalglatte Poster-Boy der FDP, Vorturner einer mit „Gier und Doofheit vollgestopften Partei“ (O-Ton aus dem köstlichen Buch „Lallbacken“ von Henning Venske), steht hier exemplarisch für die oberlehrerhafte Blase von dauersabbelnden Klugscheißern, die, noch mit Tesa-Streifen an den Hüften aus ihrer Pampers-Zeit, in medienkonformer Eloquenz enervierende Schachtelsätze labern, wie der soeben gerade gelesene, ohne auch nur eine konkrete Aussage zu machen.


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    Und damit ich nicht Gefahr laufe, vollends den eigenen Faden zu verlieren komme ich zum Eingang dieses Artikels zurück. Vielleicht leide ich ja unter eine Neurose, wie beim täglichen Radiohören zum Frühstück. Ich weiß nicht warum die Verantwortlichen um diese jungfräuliche Tageszeit unter einem derart eingeschränkten Horizont zu leiden scheinen, dass sie in einer Endlosschleife „die größten Hits aller Zeiten“ vorgeben zu senden, und man hört eigentlich nur ABBA, Rod Steward und die beiden Chris: Rea und de Burgh. Und unter der gleichen Neurose leide ich vermutlich, weil mir in letzter Zeit (?) auffällt, wie oft ich das Wort „spannend“ höre, hören muss.

    Was soll daran bitteschön spannend sei, wenn eine linkshändige Diplomsoziologin in ihrer Dissertation aus einer, von ihr zu diesem Zweck eigens erhobenen, Meta-Studie einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Kioske in einem Berliner Kiez und der Schulbildung der Einwohner herausarbeitet? Gaga oder meinetwegen auch peinlich. Das würde ich mir ja gerade noch gefallen lassen. Aber spannend? OK, die meisten Diplomsoziologen verdienen, Gerüchten zufolge, ihren Lebensunterhalt ohnehin mit dem Verkauf von Original Herta Heuwer Currywurst, oder als Taxi-Chauffeure, sowohl währen ihrer akademischen Verelendung als auch nach dem erfolgreichem Abschluss. Insofern ist es eigentlich ziemlich Wurscht, was die Konklusion der oben erwähnten Meta-Studie so spannend machen soll.

    Wirklich spannend wären doch beispielsweise die Enthüllungen eines Whistleblowers, der aus dem Bundessicherheitsrates, jenem streng geheim tagenden, altruistischen Gremium aus sozialen, christlichen und sonstigen Demokraten, die mit der Präzision und der Zuverlässigkeit eines Schweizer Uhrwerks Jahr für Jahr die Exportanfragen für die hochwertigen High-End-Produkte deutscher Waffenhersteller durchwinken, auf die man als Deutscher schließlich stolz sein kann und darf, und mit denen sämtliche Despoten dieser Welt stets auf dem neusten Stand gehalten werden…ich fürchte, das war´s, dieser Schachtelsatz ist nicht mehr zu retten.

    Was ich eigentlich meinte, dass es doch spannend wäre, würde dieser Whistleblower eine solche, streng geheime Beratung des Bundessicherheitsrates aufzeichnet und veröffentlichen…am besten noch mit belastbaren Zahlen über den Zusammenhang zwischen dem Wert der freigegebenen Deals und der Höhe der daraus resultierenden Parteispenden der Hersteller. Äh, ich fürchte, ich habe mich eben gerade wieder in einer Verschwörungstheorie vergaloppiert.

    Noch spannender wäre allerdings, in die Arme welches lupenreinen Demokraten besagter Whistleblower sich flüchten müsste, um sich vor den Häschern Thomas de Maizières zu schützen, der schließlich Mitglied des Bundessicherheitsrates ist und als Bundesinnenminister zuständig für Sicherheit und Ordnung, also auch dafür, Verrätern ihrer gerechten Strafe zuzuführen.

    Ich fürchte allerdings, dass selbst der Großmeister Sir Alfred Joseph Hitchcock, würde er noch leben, nicht in der Lage wäre, einen solch hanebüchenen Thriller zu drehen. Es bleibt also spannend.

    Spannend?Spannend?


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