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So schnell kann´s gehen

Heute, am 31.12.2022, um 9:34 Uhr, starb Joseph Aloisius Ratzinger, alias Benedikt XIV., im (biblischen) Alter von 95 Jahren, nach kurzer Krankheit, im Kloster Mater Ecclesiae im Vatikan. Punkt! In der Form hätte ich mir diese Nachricht gewünscht.

Stattdessen, ein Riesen-Bohei auf allen Kanälen. Der Bundesfinanzminister hat das Rennen um den ersten Kommentar und die erste Lobhudelei auf Twitter klar für sich entschieden, und den Bundeskanzler auf die Plätze verwiesen.

Man kann davon ausgehen, dass nahezu alle Sender ihr Programm ändern, und dass auf eine Sondersendung, die nächste folgt. Ich stelle mir vor, dass die BILD titeln wird: „Wir waren Papst“. Markus Söder, der Statthalter von Opus Dei in Deutschland, wird ergänzend hinzufügen: „Bayern war Papst“.

Natürlich ist der Tod eines Papstes immer ein Top-Thema in den Nachrichten. Zumal es vermutlich nicht mehr so schnell vorkommen wird, dass a) ein Deutscher wieder Papst wird, und dass er b) nach einiger Zeit den Job an den Nagel hängt.

Auf der anderen Seite war Joseph Ratzinger das Oberhaupt einer Institution, die in ihrer 2000-jährigen Geschichte für den gewaltsamen Tod von Millionen Menschen verantwortlich zeichnet. Allein 22 Millionen davon in den Kreuzzügen zwischen 1096 und 1291 und abertausende in Zeiten der „heiligen“ Inquisition. Den Vorsitz in deren Nachfolgeorganisation, der Kongregation für die Glaubenslehre, hatte übrigens Joseph Ratzinger höchstselbst inne, bevor er zum Papst gewählt wurde.

Ob es pietätlos ist, die ganzen Amtsträgerinnen und Amtsträger aufzufordern, die noch lebenden Opfer der römisch-katholischen Kirche anzuhören, bevor sie in ihrer „tiefen Trauer“ über den Tod des deutschen Papstes die sozialen Netzwerke zumüllen?

Ich empfände es als Zeichen persönlicher Integrität, wenn alle, die sich nun genötigt fühlen, ihre Betroffenheit schnellstmöglich bei Will, Maischberger, Lanz & Co unters Volk bringen zu müssen, vorher zwei Bücher lesen würden:

· „Schwarzbuch Kirche: Und führe uns nicht in Versuchung“ von Michael Hebeis
· „Vatikan AG“ von Gianluigi Nuzzi


Wer dann immer noch Joseph Aloisius Ratzinger, alias Benedikt XIV., posthum mit Lob überschütten möchte, sollte sich von kompetenter Stelle auf seinen Geisteszustand hin überprüfen lassen.

Übrigens: Vorgestern starb Edson Arantes do Nascimento, alias Pelé.

Bildquellen

  • vatikanag: Amazon
  • schwarzbuch: Buchhandlung Bezos
  • opusdei: Amazon
  • seineheiligkeit: Amazon
  • export-pixabay-clker-free-vector-images-medium: openclipart
Lesezeit ca.: 2 Minuten - Tippfehler melden - Peter Grohmüller 31. Dezember 2022

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