Start Uncategorized Schade, Horst Köhler
  • Schade, Horst Köhler

    Da sauste die Twitter-Kurve für den Begriff „Horst Köhler“ aber rasant nach oben. Puh, da hat unser Bundespräsident aber einen Abgang mit Pauken und Trompeten gewählt.
    Ich war ja richtig erschrocken und wollte es zunächst gar nicht glauben. Doch natürlich, es ist wahr, unser Bundespräsident hat seinen Rücktritt mit sofortiger Wirkung erklärt.
    Peng. Päng. Padautz.
    Manch einer wird gedacht haben: „Mensch, das gibt’s doch nicht!“ und muß nun erkennen, daß es so etwas doch gibt. Zwar hat auch schon die vorzeitige Ankündigung des Amtsendes von Heinrich Lübke gegeben, doch daß ein Bundespräsident in seiner laufenden Amtszeit mit sofortiger Wirkung zurücktritt, das hat es noch nicht gegeben.

    So, da hat also der Bundespräsident Äußerungen getan, in denen er in einem Atemzug militärisches Vorgehen und die Außenhandelsabhängigkeit unserer Wirtschaft nannte und das war ihm von besonders kritischen Auslegern seiner Worte so ausgelegt worden, als habe Köhler damit in etwa gesagt, daß er es befürworte im Falle von Außenhandelshemmnissen einen Wirtschafts- oder Handelskrieg zu führen.
    Das hat das Bundespräsidialamt von sich gewiesen, man hat richtiggestellt, daß Köhler sich auf das militärische Vorgehen etwa gegen Piraten vor Somalia bezogen habe und keine Nähe zum Afghanistaneinsatz der Bundeswehr sehe.

    Eine etwas unkluge Formulierung, unverzüglich klar- und richtiggestellt… der Kuchen war damit gegessen, das Ansehen Köhlers nicht beschädigt. Irgendeinen Quatsch sagt jeder einmal und legt man die Worte nur oft und lange genug auf die Goldwaage, wird man bei jedem etwas finden. Gerne werden auch Halbsätze aus dem Zusammenhang gerissen oder in einen völlig anderen Kontext gestellt, alles Fälle für die hochbezahlten Richtigsteller in den Ministerien und im Bundespräsidialamt.
    Merke: Auch Bundespräsidenten sind nur Menschen.

    Daß Köhler das aber nun zum Anlass nimmt, seinen sofortigen Rücktritt zu erklären, das erstaunt nicht nur mich.
    Es ist der Beruf eines Politikers, daß er sich stets argumentativ auf Messers Schneide bewegt und seine Tun und Sprechen jeweils von der anderen Seite dieser Schneide aus mit Wohlwollen oder mit Missgunst betrachtet werden. Zu diesen beiden Polen gesellt sich noch die Kritik, die mal ebenfalls wohlwollend oder missgünstig ausfallen kann und nur in den seltensten Fällen rein ist.
    Aber ein Bundespräsident, ein Staatsoberhaupt, der muß das aushalten können, das ist sein Beruf, dafür hat man ihn gewählt. Er soll im Falle eines Falles zwischen den rudernden Parteien der Ruhepol sein, das schlingernde Staatsschiff vor dem Schlimmsten, dem Untergang bewahren. In dieser Position läuft man immer Gefahr, auch mal hart rangenommen zu werden und auch mal bewußt falsch verstanden zu werden oder daß einem die Worte im Mund herumgedreht werden oder daß man wegen einer unbedachten oder ungeschickten Äußerung ganz besonders heftig angegangen wird.


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    Alleine das was jetzt vorgefallen ist, das ist kein Grund, um seinen sofortigen Rücktritt zu erklären.
    Wenn man besonders dünnhäutig ist, und das wir Horst Köhler ja nachgesagt, dann hätte auch ein angekündigter Rücktritt zum Jahresende oder zum Ende der Sommerpause gereicht.

    Ich persönlich gehe davon aus, daß die gegenwärtigen Vorkommnisse nur der berühmte Tropen waren, die das Fass zum Überlaufen brachten.
    Das hätte Köhler aber auch sagen können, denn so für sich genommen zählt das alles nicht viel und es scheint fast als habe Köhler sein Amt weggeworfen und die Bürger enttäuscht.
    Schade.


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