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    frau ruckdäschl

    Es klopft an unsere Tür, es ist ein kurzes dreimaliges Pochen mit dem Knöchel eines Fingers. Den Rhythmus kennen wir, es muß die Ruckdäschl sein.
    Die Allerliebste schaut erst mich an, dann auf die Uhr und lehnt sich dann in ihrem Sessel zurück: „Dein Part!“

    „Wieso mein Part? Die Ruckdäschl ist doch auch Deine Nachbarin, also geh hin und mach auf.“

    „Nö, die Ruckdäschl gehört Dir ganz allein.“

    „Warum denn?“

    „Ja wer ist denn hier der große Frauenbetörer?“

    Das hätte ich gerne noch ein bißchen vertieft, aber das Klopfen an der Tür wird heftiger und bevor uns die Alte die Tür aus der Füllung haut, gehe ich lieber mal nachschauen.

    Es ist wie erwartet tatsächlich Ruckdäschl, wenngleich ich zweimal hinschauen muß, um das zu erkennen.
    Die Ruckdäschl ist an und für sich eine gut gekleidete Frau. Zwar trägt sie ansonsten stets voller Stolz die Uniform der eingeborenen Frauen: die unvermeidliche Kittelschürze, aber darunter immer eine gestärkte Bluse, einen Rock und hochhackige Schuhe. Sie hält was auf ihr Aussehen.

    Doch heute sieht sie aus, naja, ich sag es mal ganz vorsichtig: Wie ein bunt geschmücktes Zirkuspferd. Ein extrem farbenfrohes Kleid, darüber einen halb geöffneten roten Mantel und auf dem Kopf eine Art Kopfputz von unglaublichen Ausmaßen. Vermutlich befindet sich unter den vielen Blüten, Schmetterlingen und Vögeln sogar eine Art Hut, aber der ist so üppig geschmückt, daß man den Eindruck hat, der Kopf der Ruckdäschl würde von den Flugtieren umschwirrt. Zu allem Überfluß hat der Hutmacher genau in der Mitte einen nahezu lebensgroßen Kakadu plaziert, der einen etwas verkniffenen Gesichtsausdruck hat und auf mich den Eindruck macht, als wolle er just in diesem Moment der Alten auf den Kopf kacken…

    Angesichts dieses Kakadu-Erlebnisses fehlen mir kurzfristig die Worte, was die Ruckdäschl schamlos ausnutzt und sofort auf mich einredet: „Sie, Sie hawwe doch ä Fernglas, odda?“

    „Ein Fernglas? Nein, sowas habe ich nicht, wir haben nur ein Teleskop zur Sternenbeobachtung.“


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    „Auch gut! Gewwe Sie mir des? Nur zum Leihe?“

    Aber sicher doch leihe ich der Ruckdäschl unser Fernrohr, aber es würde mich schon interessieren, was sie damit vor hat und nachdem ich es vom Balkon geholt habe und während ich ihr das etwa ein Meter lange Rohr in die Hand drücke, frage ich sie:
    „Was haben Sie denn damit vor?“

    Wie alle Frauen, die ihr Outfit besonders hervorheben wollen, stellt die Ruckdäschl einen Fuß vor, schiebt die Brust etwas heraus, wirft den Kopf kokett in den Nacken und sagt: „Na, isch fahr nach Worms!“

    „Nach Worms?“

    „Ja, zu den Lungenfestspielen. Isch hebb’s doch so uff de Bronchien.“

    „Lungenfestspiele?“

    „Ja, mit dem Drachen und mit dem Fernrohr will ich sehen, wie Siegfried und Roy mit dem Drachen kämpfen!“

    Ich wünsche ihr viel Spaß und als die Tür wieder zu ist, kugele ich mich noch rund ein Viertelstündchen lachend auf dem Boden.
    Wer sehen will, die die Ruckdäschl mit ihrem kackenden Kakadu durch unser Refraktorteleskop schaut, der muß also nur zu dem Nibelungenfestspielen nach Worms fahren.


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