• MSC 2018

    Bevor jetzt jemand mit hektischer Schnappatmung seine Fernsehzeitschrift zerfleddert und nach eventuell neuen und total angesagten Formaten sucht, die er, um Himmels Willen, womöglich bisher verpasst haben könnte, oder bevor jemand schluchzend seine Denkdose Alexa anfleht, sie solle doch bitte, bitte mal nachschauen, ob…

    Durchatmen Leute!
    Macht Euch keinen Stress.
    Alles ist gut.

    MSC 2018 ist keine brandneue, erbärmliche Casting-Show der ätzenden Pro-Sieben-Ische Heidi Klum. Es handelt sich auch nicht um eine weitere, jener strunzdummen, inflationären Kochshows, die das Publikum mit Sachverstand goutiert, während es in der sündhaft teuren High-End-Bluetooth-Küche via Smartphone eine Portion vegane Alnatura China-Pfanne süß-sauer in der Mikrowelle zubereitet und via Apple-Watch auf eine Vollzugsmeldung jenes kreativen Aktes wartet.

    „MSC 2018“ ist die PR-Abkürzung für eine alljährliche Veranstaltung, die man mit Fug und Recht als einen Affront gegen jegliche Form des Respekts vor und der Empathie mit seinen Mitmenschen bezeichnen kann:

    Die Münchner Sicherheitskonferenz.

    Ein von den Qualitäts-Leitmedien stets mit der gebotenen Demut bejubeltes Treffen der wichtigsten Waffenproduzenten auf dem Globus mit ihren kaufkräftigsten Kunden, flankiert von Mittätern aus der Politik, die im gediegenen Ambiente des noblen Fünf-Sterne Hotels Bayerischer Hof zu München „über aktuelle Herausforderungen der internationalen Sicherheitspolitik diskutieren“. So der offizielle Sprech.

    Unabhängig von dem Umstand, eine solche Veranstaltung Sicherheitskonferenz zu nennen, sprich: Diese mit einem geradezu exquisiten Euphemismus zu umranken, fragt sich der unbedarfte Beobachter, weshalb zu dem Schutz jener dubiosen Teilnehmer gleich 4.000 Polizisten abgestellt und von ihrer originären Arbeit entbunden werden, die Bevölkerung gerade vor solchem Gesindel zu schützen.

    Denn bei der Münchner Sicherheitskonferenz mit dem einlullend klingenden Namen, geben sich die Mitglieder der internationalen Bellizisten, die Creme de la Creme der globalen pathologischen Brandstifter die vergoldete Klinke in die Hand. Bis anno 1991 trug dieses widerliche Treffen wenigstens noch den rundum ehrlichen Titel „Münchner Wehrkundetagung“, oder auch „Münchner Wehrkundebegegnung“. In leicht spiritueller Anmutung, damit das Publikum den gewalttätigen Pomp eher in Richtung Kirchentag oder Ähnliches verortet.

    Jedenfalls wusste man bis zu der fadenscheinigen Umbenennung, dass sich hier die libertären Kriegstreiber trafen, um darüber zu beraten, wo genau sie gedachten, als nächstes ihre Salven abzufeuern. War ja auch schnuppe, solange sie ihre Bomben über Bagdad, Kabul oder sonstwo, aber nicht über München abregnen lassen. Und da es bei jener Münchner Sicherheitskonferenz selbstredend nicht um so langweilige Dinge wie etwa den Weltfrieden geht, sondern um den freien Zugang zu allen globalen Ressourcen, bei gleichzeitig nachhaltigem Absatz von schweineteurem Kriegsgerät, diskutiert man auch 2018 in besagtem Luxus-Tempel der Extraklasse wieder über aktuelle Herausforderungen der internationalen Sicherheitspolitik, sprich:

    Wo kann man wem auf die Glocke hauen, um ihm was abzuluchsen, und wen muss man zu diesem Zweck mit Sturmgewehren und anderem Kriegsgerät zuscheißen und auf wen loshetzen? Das will ja alles gut durchdachte sein. Selbst hinzureisen, also mit eigenen Truppen, geht ja nicht mehr. Also zumindest nicht mehr so massiv und so unverfroren, wie noch zu George W. Bushs Zeiten. Die aktuellen Herausforderungen der Sicherheitspolitik sind nämlich die, dass man in das Land, dessen Rohstoffe man gerne hätte, selbstredend ohne dafür großartig zu bezahlen, nicht mehr einfach so einmarschieren kann. Geht nicht, wegen der unguten Berichterstattung auf Twitter, Facebook & Co. In der heutigen Zeit muss man zu diesem Zweck entweder NGOs mit Geld zuschüttet, oder durchgeknallte Psychopaten mit Kanonen.

    Hauptsache am Ende des Investments steht der angepeilte Regime-Change ins Haus. Dann kann man mit den neuen, genehmeren Machthabern bei einem feinen Diner und einem edlen Tropfen generös über Wiederaufbauhilfe parlieren und im Gegenzug eben jene begehrten Rohstoffe zu einem schmalen Kurs abgreifen.

    Bingo!

    Halt, Stop! Das ist doch jetzt wieder eine dieser kruden Verschwörungstheorien. Damit lockt man keinen Hund mehr hinterm Ofen vor. In Wahrheit geht es den Damen und Herren im Grand Hotel Bayerischer Hof um den Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Quasi gegen die Pestilenz des 21. Jahrhunderts. Aber hallo! Schließlich hat es die freie, demokratische Welt mit einem feigen, ausgefuchsten, abgeschlagenen Gegner zu tun und nicht mit ein paar archaischen Schrumpfkopfdesignern aus Neu Guinea.

    Wenn man bedenkt:


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    · dass am 11. September 2001 ein knappes Dutzend arabische Flugschüler vier Passagierjets in den USA, dem mächtigsten Land der Welt, entführen konnten, einfach so, mir nix, dir nix

    · dass sie mit zwei davon schnurstracks in die Zwillingstürme des World Center rasten

    · die dann wiederum, durch das sich ausbreitende Flammenmeer des Kerosins in ihrer Bausubstanz beschädigt, so präzise in sich zusammenfielen, als hätte man sie kontrolliert gesprengt

    · wenn man weiter bedenkt, dass in den rauchenden Trümmern des flammenden Infernos sogar die in Plastik eingeschweißten Pässe der Halunken gefunden wurden, um die ganze Welt auch noch zu verhöhnen

    · dass jene Verbrecher einen der vier entführten Jet ins Pentagon krachen und den letzten schließlich in der amerikanischen Walachei anstürzen ließen, und dass man von den Maschinen später keinen einzigen Krümel an Wrackteilen fand

    · dass einige der Terroristen, die man über die Passagierlisten ermitteln konnte, nach ihrem Selbstmordattentat hämisch Interviews in arabischen Medien gaben

    Spätestens dann muss auch dem überzeugtesten Pazifisten klar sein, mit welch feigen, hinterhältigen Gegnern es unsere friedliebende, demokratische Welt zu tun hat, und dass Frieden und Freiheit nur mit dem globalen Einsatz massiver Waffengewalt bewahrt werden kann. Zugegebenermaßen ist es bitter, dass dabei Kollateralschäden an Infrastruktur und Humanmaterial billigend in Kauf genommen werden müssen.

    Dem wird Brigadegeneral Georg Klein unumwunden zustimmen. Schließlich oblag ihm, als damaligem Oberst, die schwere Pflicht, einen havarierten deutschen Konvoi mit Treibstoff mittels Einsatz von Kampfflugzeugen vor dem Zugriff von Terrorosten zu schützen und das tragische Ableben von über 100 Zivilisten in die Verteidigung der deutschen Landesgrenzen am Hindukusch einzupreisen.

    Da die aktuellen Konflikte jedoch hauptsächlich in Gegenden mit einer adäquaten Fortpflanzungsrate der einheimischen Bevölkerung ausgetragen werden, besteht trotz gelegentlicher Verluste für den Fortbestand des Homo Sapiens gottlob keine Gefahr.

    Wenn sich alljährlich die mächtigsten und einflussreichsten Damen und Herren aus der Wirtschaft, den Banken, der Medien, der Politik und dem Militär treffen, um darüber zu beraten, wie man dieses hinterhältige Terroristenpack zur Strecke bringt, kann man sich an dem einen oder anderen Finger abzählen, dass die Teilnehmer der Münchner Sicherheitskonferenz in den Augen der Terroristen ein lohnenswertes Ziel darstellen würden. Wären da nicht jene 4.000 Polzisten in ihrem heroischen Einsatz für das Gute, die sicherstellen, dass Wolfgang Ischinger, dem Chef der Sicherheitskonferenz und seinen Freundinnen und Freunden, die sich so selbstlos für das Wohl in der Welt einsetzen, kein Ungemach droht.

    Gottlob, kann man da nur sagen. Nicht auszudenken, wenn es den feigen Terroristen gelänge, die edlen Teilnehmer dieser Konferenz meuchel-zu-morden. Jene Menschen, die sich unermüdlich wie aufopfernd für das Gute einsetzen und gleichermaßen furcht- wie selbstlos gegen das Böse kämpfen. Was würde aus unserer Welt, wenn es diese Menschen dann nicht mehr gäbe.

    Schlussendlich rechnet Innegrit Volkhardt, die Geschäftsführerin des Fünf-Sterne Hotels Bayerischer Hof zu München, mit ihrem Team fest damit, für ihre Diskretion und ihren superben Service adäquat belohnt zu werden, auf dass sie nächstes Jahr wieder vollendete Gastgeber sein können, wenn es dann heißt:

    MSC 2019.

    MSC 2018MSC 2018


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