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  • Kohle versenken

    Vor ein paar Jahren war ich geschäftlich in der Freien und Hansestadt Hamburg. Nach getanem Müßiggang (vulgo: Meeting), folgte die obligatorische Hafenrundfahrt. Der ganz in seemännisches Outfit gekleidete Conférencier erklärte den Teilnehmern mit gekonntem Charme und verschmitztem Lächeln, dass die Elbphilharmonie demnächst nun doch noch fertig sein werde, dass die Baukosten die Milliardengrenze sicher nicht überschreiten würden, und dass deshalb die ganze Aufregung um eine sogenannte Kostenexplosion bei Projekt der öffentlichen Hand völlig überzogen sei.

    Unweit dieses neuen Hamburger Wahrzeichens de jure liegt die berühmte Werft Blohm + Voss. Bei der Vorbeifahrt zeigte besagter Conférencier auf das Trockendock und erklärte, dass es sich bei der dort zur Revision liegenden Mega-Yacht um die sagenumwobene Eclipse des russischen Multimilliardärs Roman Abramowitsch handele, und dass diese wesentlich teurer war, als die Elbphilharmonie, dass sie über gleich zwei Heli-Ports, zwei U-Boote, einen 16 m langen Pool, ein Kino, eine Disco und sonstige Dinge des täglichen Bedarfs eines typischen russischen Oligarchen verfüge und schlanke 850 Millionen € gekostet haben soll. Nicht genaues weiß man allerdings nicht. Denn was den Preis der Flugabwehrgeschütze betrifft, ist der Bundessicherheitsrat zugeknöpft, wie die sprichwörtlichen Muscheln, die bei Blohm + Voss mit Hochdruck-Reiniger vom Rumpf der Schönheit, frei nach Nicolas Sarkozy, weggekärchert wurden.

    Bei all den sündhaft teuren Exzessen der Superreichen vom Schlage eines Menschen wie Roman Abramowitsch sollte man stets bedenken, dass es deren Geld ist, das sie mit Wonne verprassen, bevor man sich darüber echauffiert.

    Sicher kann man trefflich darüber streiten, wie diese Superreichen zu ihrem obszönen Milliardenbesitz gekommen sind. Dass es dabei nicht immer mit rechten Dingen zugegangen sein kann und dass sich Abramowitsch mit seinen Geschäften womöglich Feinde geschaffen haben könnte, mag durchaus sein. Sonst benötigte seine Eclipse sicher keine Flugabwehrgeschütze, damit er des Morgens vor Monte Carlo entspannt seine Austern zum Veuve Clicquot schlürfen kann. Aber das ist eine andere Baustelle.

    Eine gänzlich andere Baustelle als jene, die sich dem Auge des Betrachters momentan bei der Elsflether Werft AG bietet. Dort liegt nämlich auch eine Yacht zur Revision. Und zwar eine ganz besondere, um die sich bisher allerdings keine Mythen rankten, wie es bei der Eclipse der Fall ist.

    Das hat sich jedoch schlagartig geändert, seit die Medien davon berichteten, dass es bei deren Revision eine gigantische Kostensteigerung gegeben habe. Ursprünglich sollte das Wegkärchern der Muschelkolonie nämlich geschätzte 10 Millionen € kosten. Dann kam noch das eine oder andere hinzu, und mittlerweile soll die Runderneuerung roundabout 135 Millionen € zu Buche schlagen. Also bisher… Nicht genaues weiß man nicht.

    Das Blöde an der Geschichte ist, dass diese 135 Millionen € nicht von Roman Abramowitsch bezahlt werden, sondern aus dem Steueraufkommen der Bundesrepublik im Allgemeinen und aus dem Etat des Bundesministeriums der Verteidigung im Besonderen. Handelt es sich bei besagtem Pott samt Muschelbesatz nämlich nicht um eine Protz-Yacht der Superlative, mit denen sich die Hyperreichen gegenseitig die Show zu stehlen trachten, sondern um das legendäre, altehrwürdige Segelschulschiff der Bundesmarine namens Gorch Fock. Und deshalb gilt der besondere Dank der deutschen Steuerzahlerin und des deutschen Steuerzahlers an dieser Stelle auch der Bundesministerin der Verteidigung von und zu.

    Wenn es noch eines einzigen, winzigen Beweises dafür bedurfte, dass Ursula von der Leyen mit Abstand die kapitalste Fehlbesetzung in allen Ministerien war, die sie durch ihre profunde Ahnungslosigkeit bisher heimsuchte, dann die abstruse Räuberpistole um die ebenso abstruse Reparatur der Gorch Fock.


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    Spätestens als Ursula von der Leyen 2005 erstmals die bundespolitische Bühne betrat, erweist sich die Berufstochter aus Ixelles/Elsene als Landplage in allen Gassen. Seit Angela Merkel ihre ärgste Widersacherin auf die Hardthöhe weggelobt und diese den ledernen Chefsessel eingenommen hat, setzt sich Ursula von der Leyen mit Verve für die Verteidigung der Aussengrenzen der Bundesrepublik Deutschland ein…weltweit! Darunter macht sie es nicht.

    Dazu braucht es natürlich jede Menge Material und richtig viel Geld. Vor allen Dingen, weil niemand auf der Hardthöhe zu wissen scheint, was er tut; und weil das Material, das von den Ministerialbeamten für richtig viel Geld beschafft wird, ziemliche Kacke sein muss, was man so hört.

    Ich habe zugegebenermaßen keine Ahnung, was die Reparatur einer Drei-Mast-Bark wie der Gorch Fock kosten kann. Aber gehörte sie mir, hätte ich sicherlich zuerst mal bei den Kollegen von Blohm + Voss angefragt. Die haben den Pott ja schließlich gebaut!

    Nun, die Elsflether Werft AG ist, wie man weiß, mittlerweile pleite, und vielleicht haben die Jungs in ihrem Trockendock im Hamburger Hafen ja ein noch Plätzchen für unsere Segelschulschiff-Ruine. Dann käme am Ende doch noch alles zum Guten, und die Gorch Fock würde wieder in strahlendem Weiß durch die Weltmeere zu allen Aussengrenzen der Bundesrepublik Deutschland schippern; scheißegal was am Ende die Reparatur kosten wird. Wichtig ist nur, dass die Arbeiten zügig vorankommen.

    Denn für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler droht neues, schweineteures Ungemach: Die heißeste Kandidatin für die Einliegerwohnung im Bundeskanzleramt, Annegret Kramp-Karrenbauer, hat schon mal verlauten lassen, dass sie für 4,5 Milliarden € einen Flugzeugträger bauen lassen möchte. Wird am Ende wohl sicher die eine oder andere Milliarde mehr kosten. Macht aber nix. Das kennt man ja schon von der Elbphilharmonie, und die ist ja schließlich auch schön geworden.

    Und wer könnte den schweineteuren Flugzeugträger wohl besser bauen, als Blohm + Voss? Niemand! Die kennen sich mit schwerem Gerät bestens aus und würden der Bundesmarine so ein richtig schönes Sahnestückchen liefern. Wie Romans Eclipse, inklusive Pool, Kino, Disco und sonstigen Dinge des täglichen Bedarfs für den Seemannes und die Seefrau im Drillich. Nur eben viel, viel länger, viel, viel breiter, viel, viel schwerer und vermutlich 10 bis 20 mal so teuer. Aber man weiß es ja: Wenn es um Kohle versenken geht, sind unsere Damen und Herren Volksvertreter mit den Superreichen stets auf Augenhöhe.


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