John F. Kennedy hat seinen Mitbürgern einmal auf’s Brot geschmiert: „Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann, frage, was Du für Dein Land tun kannst!“ Ein Satz, der mindestens so oft zitiert wird, wie „Ich bin ein Berliner!“
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Der Satz von John F. Kennedy klingt weise, ist griffig und wurde vom amerikanischen Präsidenten in seiner Antrittsrede am 20. Januar 1961 in Washington, D.C. gesagt. Wenn ich oben sage, dass Kennedy das seinen Mitbürgern gesagt hat, dann ist das nur die halbe Wahrheit. John F. Kennedy hat seine Inaugurationsrede an die gesamte Weltgemeinschaft gerichtet.
Was sagt uns John F. Kennedy?
Der Kernsinn des Satzes lässt sich in drei Ebenen gliedern:
- Abkehr vom reinen Anspruchsdenken
Kennedy wendet sich gegen eine Haltung, bei der Bürger den Staat vor allem als Dienstleister betrachten, der Leistungen schuldet. Stattdessen ruft er zu persönlicher Verantwortung auf.
- Betonung von Bürgersinn und Engagement
Der Satz ist ein Appell, sich aktiv in Gesellschaft, Politik und Gemeinwesen einzubringen – sei es durch freiwilliges Engagement, öffentliche Dienste oder schlicht verantwortungsvolles Handeln.
- Gemeinschaft vor Individualinteresse
Kennedy stellt das Wohl der Gemeinschaft über kurzfristige persönliche Vorteile. Freiheit und Wohlstand, so die implizite Botschaft, bestehen nicht von selbst, sondern müssen gemeinsam getragen und verteidigt werden.
Der Satz sollte den Eindruck vermitteln: Demokratie ist keine Konsumveranstaltung, sondern ein Mitmachprojekt.
Menschen, die diesen Satz nicht verstehen wollen, erwecken oft den Eindruck, er sei martialisch und fordere zu blindem Gehorsam gegenüber dem Staat auf. Das ist aber entweder eine bewusste Fehlinterpretation oder eines der häufigsten Missverständnisse. Denn diese Argumentation greift zu kurz.
Kennedy meinte keinen Unterwerfungsgehorsam, sondern:
- verantwortliches Bürgertum
- kritische Loyalität
- Bereitschaft, Demokratie aktiv zu tragen
Es geht also weniger um Opferbereitschaft für die Regierung, sondern um Verantwortung für die Gesellschaft.
Man kann das Wort country nicht nur durch Staat, sondern in diesem Kontext auch durch Gesellschaft ersetzen.
Der Satz ist kein nationalistischer Schlachtruf, sondern ein moralischer Appell:
Nicht nur fragen, was man bekommt. Sondern überlegen, welchen Beitrag man selbst leisten kann.
Kennedys berühmter Satz zielt auf persönliche Verantwortung. Er fordert den Einzelnen auf, zuerst bei sich selbst anzusetzen, bevor er Ansprüche formuliert. Verantwortung beginnt demnach nicht beim Staat, nicht bei „den anderen“, sondern beim eigenen Handeln.
Kennedy und der Gutmensch
Genau an diesem Punkt entsteht der Bruch zur modernen Verwendung des Begriffs „Gutmensch“.
Denn während Kennedys Gedanke lautet: Was kann ich beitragen?
lautet die Haltung vieler sogenannter Gutmenschen faktisch: Was sollen andere beitragen?
Der Gutmensch unserer Zeit ist häufig kein Mensch, der selbst Opfer bringt, Verzicht übt oder persönliche Risiken eingeht. Vielmehr ist er jemand, der moralische Forderungen formuliert – vorzugsweise an sein Umfeld, an die Gesellschaft, an „die Politik“, an „die Reichen“, an „den Staat“. Die eigene Beteiligung bleibt dabei oft abstrakt, symbolisch oder vollständig aus.
Typisch ist ein moralisches Rollenverständnis:
- Der Gutmensch definiert für alle anderen, was „richtig“ ist.
- Andere sollen dieses Richtige umsetzen.
- Die Kosten, Mühen und Konsequenzen tragen ebenfalls andere.
So entsteht eine bequeme Form der Moral, bei der man sich selbst als gut empfindet, ohne selbst etwas riskieren zu müssen.
Während echte Verantwortung immer auch Verzicht, Aufwand oder Unannehmlichkeiten bedeutet, beschränkt sich der moderne Gutmensch oft auf Haltungsbekundungen, Empörung und Forderungskataloge. Er delegiert das Opfer an Dritte und behält für sich das gute Gefühl.
In diesem Sinne ist der Gutmensch das Gegenbild zu Kennedys Appell.
Nicht: Was kann ich für mein Land, meine Gesellschaft, meine Mitmenschen tun?
Sondern: Was müssen meine Mitmenschen tun, damit ich mich moralisch auf der richtigen Seite fühlen kann?
Der entscheidende Unterschied liegt also nicht in den Zielen – viele Ziele mögen sogar ehrenwert sein –, sondern im Weg dorthin. Wer andere zu Opfern verpflichtet, ohne selbst Opfer bringen zu wollen, handelt nicht altruistisch, sondern komfortmoralisch.
Oder zugespitzt formuliert: Der Gutmensch liebt die Idee des Guten – ist aber nicht bereit, selbst den Preis dafür zu bezahlen.
Was ist ein „Gutmensch“?
Der Begriff „Gutmensch“ bezeichnet ursprünglich schlicht einen Menschen, der sich um andere kümmert, hilfsbereit ist, Mitgefühl zeigt und moralisch handeln möchte. In diesem ursprünglichen Wortsinn wäre der „Gutmensch“ also etwas durchweg Positives: jemand, der versucht, Leid zu lindern, Ungerechtigkeit zu bekämpfen und Rücksicht auf Schwächere zu nehmen.
Im heutigen Sprachgebrauch hat sich die Bedeutung jedoch stark verschoben. „Gutmensch“ wird häufig abwertend oder ironisch verwendet. Gemeint ist dann eine Person, der man vorwirft, sie handele naiv, realitätsfern oder selbstgerecht – jemand, der komplexe Probleme stark vereinfacht und glaubt, mit moralisch richtigen Absichten allein ließen sich alle Konflikte lösen.
Typisch für Gutmenschen ist:
- Sie denken in einfachen Schwarz-Weiß-Kategorien.
- Sie unterschätzen unbeabsichtigte Nebenwirkungen gut gemeinter Maßnahmen.
- Sie stellen moralische Haltung über praktische Umsetzbarkeit.
Sachlich betrachtet existieren zwei Ebenen. Erstens die moralische Motivation – der Wunsch, Gutes zu tun und zweitens die praktische Wirksamkeit – ob dieses Handeln tatsächlich hilft.
Ein Mensch kann also gute Absichten haben und trotzdem falsche oder wirkungslose Lösungen unterstützen. Umgekehrt kann jemand harte, unbequeme Maßnahmen befürworten und dennoch verantwortungsvoll handeln.
Wir müssen aber aufpassen. Ich verwende den Begriff Gutmensch in dieser Abhandlung als Beschreibung von Personen mit einer gewissen Geisteshaltung, die dem Altruismus entgegensteht.
So wie es den abwertenden Kampfbegriff Nazi für alle Personen gibt, die den Zielen der Gutmenschen in irgendeiner Weise entgegenstehen, gibt es auch den politisch und gesellschaftlich aufgeladenen Kampfbegriff des Gutmenschen.
Ich analysiere und argumentiere. Wer den Begriff Gutmensch nur als Schimpfwort verwendet, sagt damit mehr über sich selbst aus als über die bezeichnete Person aus. Wer jemanden als „Gutmensch“ bezeichnet, will häufig Distanz schaffen, die Position des Gegenübers herabsetzen oder sich selbst als besonders nüchtern, realistisch oder abgeklärt darstellen.
Gesunder Altruismus – helfen, ohne sich selbst zu betrügen
Altruismus bedeutet, das Wohl anderer im Blick zu haben und bereit zu sein, eigene Ressourcen zugunsten von Mitmenschen einzusetzen. In seiner gesunden Form ist Altruismus weder Selbstaufgabe noch Selbstdarstellung, sondern eine bewusste Entscheidung zu Verantwortung und Maß.
Gesunder Altruismus beginnt bei einer einfachen, aber entscheidenden Frage: Was bin ich selbst bereit zu geben? Nicht: Was sollten andere tun? Und auch nicht: Wer muss mehr leisten? Und vor allem nicht: Warum leiste ich so viel mehr? Sondern: Wo kann ich konkret beitragen?
Menschen mit gesundem altruistischem Selbstverständnis handeln meist still. Sie helfen, ohne daraus eine moralische Bühne zu machen. Sie erwarten keinen Applaus und kein Abzeichen für Haltung. Ihr Handeln speist sich nicht aus Empörung, sondern aus Verantwortungsgefühl.
Charakteristisch für gesunden Altruismus ist eigener Einsatz statt bloßer Forderungen, Realismus statt Wunschdenken sowie Hilfe, die tragfähig ist und auf tatsächliche Wirkung zielt, statt sich in symbolischen Gesten zu erschöpfen.
Gesunder Altruismus kennt auch Grenzen. Wer dauerhaft hilft, ohne auf die eigenen Kräfte zu achten, brennt aus. Wer sich selbst ruiniert, kann anderen auf Dauer nicht helfen. Deshalb gehört zum gesunden Altruismus immer auch Selbstschutz. Man muss seine Ressourcen im Blick behalten. Altruismus darf nicht so weit gehen, dass man selbst Hilfe benötigt.
Der Altruismus unterscheidet sich fundamental vom moralischen Aktivismus der Gutmenschen, der vor allem andere in die Pflicht nimmt. Während die Gutmenschen auf Umverteilung von Lasten setzen, basiert gesunder Altruismus auf freiwilliger Übernahme von Lasten.
Er ist leise, unbequem und oft unspektakulär. Aber er wirkt.
Gesunder Altruismus will nicht die Welt auf einmal retten. Er verbessert das, was im eigenen Einflussbereich liegt.
Und genau darin liegt seine Stärke.
Wo beginnt Verantwortung?
Am Ende kreisen all diese Gedanken um dieselbe Kernfrage: Wo beginnt Verantwortung?
Der Kennedy-Gedanke beantwortet sie klar: bei jedem Einzelnen. Nicht beim Staat, nicht bei abstrakten Kollektiven, nicht bei „den anderen“, sondern beim eigenen Handeln. Verantwortung ist demnach keine Forderung, sondern eine Selbstverpflichtung.
Der moderne Gutmensch kehrt dieses Prinzip häufig um. Er definiert moralische Ziele, aber er delegiert deren Umsetzung. Er fühlt sich gut, weil er weiß, was richtig wäre – nicht, weil er selbst etwas dafür tut. Moral wird zur Haltung, nicht zur Handlung.
Gesunder Altruismus bildet das Gegenstück zu dieser Entwicklung. Er verbindet moralische Motivation mit persönlichem Einsatz. Er fragt nicht, wer verpflichtet werden muss, sondern was man selbst leisten kann. Er akzeptiert Grenzen, kennt die Wirklichkeit und ist bereit, Lasten zu tragen, statt sie weiterzureichen.
In diesem Sinne ist gesunder Altruismus die zeitlose Antwort auf beide Extreme: auf kalte Gleichgültigkeit ebenso wie auf komfortable Moral. Er ist unspektakulär, leise und manchmal unbequem – aber genau deshalb glaubwürdig.
Und vielleicht liegt darin die eigentliche Aktualität von Kennedys berühmtem Satz:
Nicht als pathetischer Spruch, sondern als schlichte Erinnerung daran, dass eine funktionierende Gesellschaft dort entsteht, wo Menschen aufhören zu fragen, was andere für sie tun sollen – und anfangen zu überlegen, was sie selbst beitragen können.
Kleinvieh macht auch Mist
In einem Reality-Format bei RTL glänzte eine Protagonistin mit dem Spruch „Kleinmist macht auch viel.“ Wir haben sehr gelacht. Gemeint hat sie natürlich Kleinvieh macht auch Mist und wollte damit sagen, dass auch kleine Taten in Summe Großes bewirken können.
Gesunder Altruismus zeigt sich selten in großen Gesten. Meist besteht er aus vielen kleinen, unspektakulären Handlungen, die im Alltag kaum auffallen – für die Betroffenen aber einen enormen Unterschied machen.
Er beginnt dort, wo Menschen bereit sind, Zeit, Aufmerksamkeit oder Fähigkeiten zu investieren, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten: jemandem beim Einkaufen helfen, einem älteren Nachbarn regelmäßig Gesellschaft leisten, Geflüchteten beim Ausfüllen von Formularen helfen, Nachhilfe geben, zuhören, begleiten, erklären. Nichts davon rettet „die Welt“, aber all das verbessert konkret das Leben einzelner Menschen.
Essen in Supermärkten einsammeln und armen Menschen geben. Die Mülltonnen für den pflegebedürftigen Nachbarn rausstellen, Klamotten für eine kinderreiche Familie kaufen.
Altruismus kann auch bedeuten, vorhandene Ressourcen sinnvoll weiterzugeben, statt sie ungenutzt liegen zu lassen. Dinge, die für den einen wertlos erscheinen, können für andere existenziell sein – medizinische Hilfsmittel, Kleidung, technische Geräte oder Alltagsgegenstände.
In diesem Zusammenhang sei meine kleine Aktion erwähnt, die sich über viele Jahre still entwickelt hat: Seit rund zwanzig Jahren sammele ich nicht mehr benötigte Hörgeräte und leite sie an bedürftige Menschen in verschiedenen Ländern weiter. Was klein begann, hat sich Schritt für Schritt zu einer kontinuierlichen Hilfe entwickelt. Inzwischen konnten auf diese Weise Hörgeräte als medizinische Hilfsmittel im Gesamtwert von Millionen Euro weitervermittelt werden. Ich möchte mich nicht herausstellen. Ich möchte aufzeigen, dass man nur etwas machen muss. Diese Aktion kostet mich jede Woche viele Stunden Zeit. Sie erfordert Arbeit und den Einsatz von Geld. Ich empfinde es aber als großes Glück und eine Gnade, in einem Land leben zu dürfen, in dem schwerhörige Menschen kostenlos mit allen möglichen medizinischen Hilfsmitteln beschenkt werden. Wenn ich dann aus Afrika, aus Brasilien oder aus der Himalaya-Region Fotos bekomme, auf denen Menschen freudestrahlend mithilfe meiner gespendeten Hörgeräte das erste Mal in ihrem Leben etwas hören können, dann bin ich zufrieden.
Der entscheidende Punkt dabei ist nicht die Zahl, sondern die Wirkung: Menschen können wieder hören, kommunizieren, am sozialen Leben teilnehmen, arbeiten, lernen und selbstständig handeln. Das bedeutet Würde. Das bedeutet Teilhabe. Und das bedeutet ganz praktisch ein besseres Leben.
Solche Beispiele zeigen, was gesunder Altruismus ausmacht: Man nutzt das, was man hat und kann, um anderen konkret zu helfen – ohne moralischen Zeigefinger, ohne Forderungen an Dritte, ohne große Inszenierung.
Nicht jeder kann alles tun.
Aber jeder kann etwas tun.
Und genau darin liegt die eigentliche Kraft eines Altruismus, der tragfähig ist.
Du kannst auch so etwas machen. Schau Dich einfach nur um. Wer müht sich bei irgendeiner Tätigkeit ab? Wer kann nur ganz wenig zu Essen einkaufen? Wo muss jemand zu Fuß laufen, weil er sich kein Benzin mehr leisten kann? Wo sammelt jemand Flaschen, um vom Flaschenpfand noch ein paar Tage überbrücken zu können? Wo bückt sich jemand nach einer halbgerauchten Kippe?
Seit über 20 Jahren biete ich eine kostenlose Telefonberatung in den Bereichen Bestattung und Hörgesundheit an. Die Leute fragen oft, was ich für die Beratung und meine Ratschläge bekomme. Ich will nichts dafür.
Manchmal spenden Leute was, das ist schön, und ich sehe das als Beteiligung an meiner Hilfe. Aber verdienen will ich nichts mit alledem. Wozu auch? Ich hab‘ zu essen, ich kann mich in ein schönes Bett legen und kann mir Klamotten zum Anziehen kaufen.
Zwei Gruppen von Menschen, die mich ankotzen
1. Die Schmarotzer
Ich sehe mit eigenen Augen Menschen, die meinen, die Gesellschaft oder der Staat seien eine Art Selbstbedienungsladen. Genau denen will ich durch mein Verhalten entgegentreten, so wie ich den Gutmenschen entgegentrete, die nur meinen, alle anderen außer sie selbst, müssten die Lasten einer vermeintlich besseren Welt tragen.
Eine solidarische Gesellschaft lebt davon, dass starke Schultern mehr tragen als schwache. Sie funktioniert aber nur, wenn diese Solidarität nicht systematisch missbraucht wird.
Gemeint sind hier ausdrücklich nicht Menschen, die krank, überfordert oder tatsächlich hilfsbedürftig sind. Gemeint sind jene, die bewusst Leistungen in Anspruch nehmen, auf die sie keinen Anspruch haben – oder die sie erschleichen, obwohl sie durchaus in der Lage wären, für sich selbst zu sorgen.
Dazu zählen etwa Personen, die unberechtigt Pflegegeld beziehen, obwohl keine pflegebedürftige Situation vorliegt. Menschen, die sich regelmäßig krankschreiben lassen, um Maßnahmen des Jobcenters zu umgehen. Oder solche, die unter dem Deckmantel von „Foodsharing“ größere Mengen Lebensmittel für angeblich mehrere Haushalte abholen, diese aber überwiegend selbst verbrauchen. Ebenso problematisch ist es, wenn Verhinderungspflege in Anspruch genommen wird, obwohl weder tatsächlich gepflegt wird noch eine reale Erkrankung der Pflegeperson vorliegt.
All diese Fälle haben eines gemeinsam:
Sie verlagern persönliche Verantwortung auf die Allgemeinheit – obwohl es vermeidbar wäre.
Solches Verhalten untergräbt das Vertrauen in soziale Systeme und schadet am Ende genau den Menschen, die diese Unterstützung wirklich brauchen. Es ist das Gegenteil von Altruismus. Denn Altruismus bedeutet, freiwillig zu geben – nicht, sich wider besseres Wissen nehmen zu lassen.
2. Die unedlen Spender
In diesem Zusammenhang wirken viele Influencer-Aktionen besonders abstoßend: Menschen werden vor laufender Kamera mit Geld, Gutscheinen oder Geschenken bedacht – nicht aus stiller Hilfsbereitschaft, sondern für Klicks, Reichweite und Monetarisierung. Das Leid oder die Bedürftigkeit anderer wird dabei zum dramaturgischen Rohstoff.
Für dieses Phänomen hat sich der Begriff „Social Porn“ etabliert: Soziale Not wird emotional ausgeschlachtet, um starke Bilder zu erzeugen, die Mitleid triggern und Engagementzahlen steigern. Im Mittelpunkt steht dabei weniger der geholfene Mensch als die Selbstdarstellung des Helfenden. Wenn irgendein Influencer 1 Euro verschenkt, hat er 1.000 Euro dafür bekommen.
Wenn eine Influencerin großspurig Smartphones verschenkt, hat sie den vierfachen Gegenwert selbst eingesackt.
Echter Altruismus braucht keine Kamera.
Er braucht keine Tränen in Großaufnahme.
Er braucht kein Branding.
Wer hilft, um gesehen zu werden, hilft in erster Linie sich selbst.
Wer hilft, ohne es zu inszenieren, hilft den anderen.
Gerade dieser Unterschied entscheidet darüber, ob Hilfe Würde bewahrt – oder zur Ware wird.
Mein Fazit
Eine solidarische Gesellschaft lebt von Hilfsbereitschaft.
Aber sie überlebt nur mit Ehrlichkeit und Verantwortungsbewusstsein.
Wer helfen kann, sollte helfen.
Wer Hilfe braucht, soll sie bekommen.
Wer sie nicht braucht, sollte sie nicht beanspruchen.
Zwischen diesen drei einfachen Sätzen spannt sich das fragile Gleichgewicht, das jedes soziale System trägt. Wird es durch bequeme Moral, durch Missbrauch oder durch bloße Forderungen zerstört, verliert Solidarität ihren Sinn. Wird es hingegen durch persönlichen Einsatz, gesunden Altruismus und Anstand getragen, entsteht das, was eine Gesellschaft im Kern ausmacht: gegenseitiges Vertrauen.
Am Ende ist Solidarität keine Parole.
Sie ist eine Haltung.
Und sie beginnt – immer – beim Einzelnen.
Bildquellen:
- altruismus_800x500: Peter Wilhelm KI
- rausmit-ihr_800x500: KI generiert


















Spannende Analyse mal wieder… Ich schau da nur als mehr oder weniger unbeteiligter durch deine Brille, habe mich längst vom TV, YouTube, Social Media entkoppelt… ich will das nicht mehr ertragen, ich versuche unseren Kindern so viel Medienkompetenz mitzugeben wie ich nur kann, damit sie sich nicht manipulieren lassen und eine eigene Meinung haben. Aber was da draußen geschieht ist schlimmer als Sodom und Gomorrha jemals waren…
Den Kommentar hab ich aber unter einem anderen Artikel geschrieben der nun verschwunden ist?!
Danke für den Hinweis. Da habe ich wohl in einem falschen Editorfenster gearbeitet und einen vorhandenen Artikel überschrieben.
Konnte den vorherigen Artikel aber zumindest zu 95 % wiederherstellen.
So, jetzt hab ich den Artikel auch mal gelesen… ich kann dir nur beipflichten, es tut gut sich selbst nicht so wichtig zu nehmen. Klar steht an erster Stelle meine Familie, aber wenn ich irgendwo Zeit, Geld oder was auch immer erübrigen kann, warum nicht? Auch wenn mir ein Politiker sagt das wir Steuern erhöhen müssen um den ärmeren der Gesellschaft zu helfen, JA, gerne, nur zu. Wir haben genug, und wir werden davon nicht arm, aber vielleicht wird unsere Gesellschaft dadurch etwas besser.
Ich gehe regelmäßig steil wenn sich Jugendliche über die Wehrpflicht empören und ankündigen nichts beitragen zu wollen. Im Angesicht der Weltpolitik bin selbst ich der Meinung mit meinen Handicaps, würde ich sofort wieder zum Bund gehen und einem Angreifer so viel wie möglich an Gegenwehr bieten. Aber üblich ist es eher sich in das gemachte Nest zu setzen, Sprüche zu klopfen, und sich von anderen verteidigen lassen und den Wohlstand genießen den andere aufgebaut haben, einfach zum kotzen.
Ich kann nicht von jemanden etwas fordern was ich selbst nicht bereit bin zu tun/zu geben.
Um wieviel könnte die Welt besser sein, wenn es nur ein paar Menschen mehr mit dieser Lebenseinstellung geben würde?
Es würde ja schon reichen, wenn das elende Anspruchsdenken gegenüber alles und jedem etwas weniger stark gelebt würde. „Früher“ war man darauf angewiesen, für andere mitzudenken und mitzusorgen. Dann hat sich irgendwann der Staat diese Aufgabe gekrallt und unser Sozialsystem entwickelt. Die Notwendigkeit, innerfamiliär oder auch gegenüber der Gesamtgesellschaft mehr zu geben als zu nehmen, wurde damit über die Jahrzehnte hinweg immer kleiner. Damit geht eine natürliche Degeneration einher, die Kinder von heute kennen keine Not mehr (was zunächst mal eine positive Errungenschaft ist) und wachsen in einer Gesellschaft auf, die die Erfüllung der Grundbedürfnisse nahezu perfektioniert hat. Alles darüber hinaus ist „Spaß haben“. Leider geht mit eben dieser praktisch bedingungslosen Grundbedürfniserfüllung einher, dass wie selbstverständlich das persönliche „Spaß haben“ natürlich genauso auf Kosten anderer geht.
Eine altruistische Grundeinstellung, wie sie einige Generationen früher noch normaler Bestandteil der Erziehung war, ist heutzutage kaum noch vorhanden. Woher soll die junge Generation das auch herbekommen inmitten von Überfluss und zweifelhaften Vorbildern?
Es gibt nur wenige Inseln in unserer durch und durch kapitalistischen Welt, die uns tatsächlich zeigen, dass es auch anders geht. Eine davon bist Du. Eine andere ist das Miniaturwunderland in Hamburg. Ja, das ist bewußt ein Beispiel aus dem Überfluss-Freizeitleben von heute. Es lohnt sich aber, mal die Story dahinter zu betrachten. Die beiden Brüder, die das gegründet haben und betreiben, sind nämlich auch gute Beispiele für Menschen, die ihre persönliche Passion gefunden und umgesetzt haben ohne sich dabei zu bereichern oder auf Kosten anderer zu handeln. Ja, das kostet Eintritt, aber der ist bewußt moderat. Das Essen darin ist überraschend preiswert. Und es gibt seit langer Zeit regelmäßig im Januar eine Aktion, dass man dort hinkommen kann und sagen kann „ich kann mir den Eintritt nicht leisten“. Und dann muß man auch keinen Eintritt zahlen! Explizit wurde das gemacht für genau die Leute/Familien, die sich das tatsächlich nicht leisten können. Auch die sollen die Chance haben, diese tolle Welt im Miniaturformat erleben zu können.
In einem Interview haben die gesagt, dass ihnen jeder einen Vogel gezeigt hat als sie mit diesem Plan um die Ecke kamen. „Das wird ausgenutzt. Ihr spinnt doch. So ein Quatsch“. Und am Ende konnten die anhand der Umsätze in der Gastro und beim Merch tatsächlich ausrechnen, dass der Teil der Gäste, der den Gratiseintritt beansprucht hat, tatsächlich auch sonst kein Geld dort ausgegeben hat. Weil sie es tatsächlich nicht konnten.
An anderer Stelle sagten die auch „hey, wir haben Geld genug, wir müssen keinem Scheich für ein paar Millionen noch so eine Anlage bauen oder die ganze Nummer gewinntechnisch maximieren“. Die sind einfach immer auf dem Teppich geblieben und haben einfach ihren Lebenstraum einer riesigen Modelleisenbahn gelebt, mitsamt Schaffung von hunderten von Arbeitsplätzen und einer wirklichen weltweiten Einmaligkeit.
Es geht also doch, auch in unserer Welt.
Vielen Dank für Deinen langen und guten Kommentar.
Dein Beispiel vom Miniaturwunderland finde ich klasse.
Ich bin vor ein paar Jahren mal in Kanada gewesen. Eine Stadt in der Nähe von Toronto. Keine kleine Dorfgemeinschaft irgendwo im Norden.
Mich hat der Zusammenhalt der Nachbarschaft dort sehr beeindruckt. Gegenseitige Hilfe war selbstverständlich. Wer arbeitslos war, dem wurde vom Einkaufen einfach genug für seine Familie mitgebracht. Auto kaputt? Kein Problem, wir haben drei.
Das ist in dieser Nachbarschaft einfach alles selbstverständlich. Das Schlimme daran ist, dass uns das fremd vorkommt. Das müsste doch eigentlich überall so sein.
Und dann erlebe ich tatsächlich tagtäglich, dass sich Menschen auf Kosten anderer ungerechtfertigt Sozialleistungen auszahlen lassen und dabei den Hals nicht voll kriegen. Ich habe da ein ganz aktuelles Beispiel vor Augen und ärgere mich schwarz, dass ich kein Denunziant sein kann.
Eine Verwandte von uns geht den ganzen Tag arbeiten, muss sich noch um zwei Kinder kümmern und einen Haushalt stemmen. Ihr bleiben nach Abzug aller Kosten gerade einmal 400 Euro für drei Personen zum Leben.
Dieses Negativbeispiel von dem ich oben schrieb, lässt sich vom Amt die Miete und Nebenkosten bezahlen, bezieht Bürgergeld, Pflegegeld, Verhinderungspflegegeld und geht schwarz arbeiten. Sie hat an die 1.800 bis 2.000 Euro jeden Monat freies Geld. Und sie holt sich, wie ich auch schonmal andeutete, für 3 Familien Essen beim Foodsharing.
Um nicht arbeiten gehen zu müssen und von Maßnahmen des Amtes verschont zu bleiben lässt man sich eben vom Arzt krankschreiben. „Mir ist das mental alles zuviel.“
Ich schreibe das, weil ich mich darüber ärgere. Aber ich schreibe das auch, weil ich mit Schrecken erfahren habe, dass es eine ganze Community auf Whatsapp gibt, die sich über die neuesten Tricks austauscht, wie man den Sozialstaat noch mehr melken kann. Tipp der letzten Woche in dieser Gruppe: Beim Arzt kann man sich ein Blutdruckmessgerät verschreiben lassen. Etwa einmal im Jahr. Die bringen bei Ebay zwischen 35 und 60 Euro.
Darauf sind diese Abzocker auch noch stolz und verachten jeden, der nicht auch so handelt.
Da bleibt mir echt die Luft weg. Dass man weder die BLÖD-Zeitung noch diverse Scripted-Reality-Formate im Trash-TV allzu ernst nehmen sollte, ist mir ja bekannt. Aber dass die Inhalte dort von der Realität derartig noch übertroffen werden, ist ziemlich verstörend. Leider aber auch die logische Konsequenz. Gibt es ein wie auch immer geartetes ausschüttendes System, dann wird es ausgenutzt. Praktisch ein Naturgesetz. Siehe den Film „Die Götter müssen verrückt sein“, der liefert da wirklich eine faszinierende Vorlage.
Es bleibt zu hoffen, dass derlei Schmarotzer eine möglichst kleine Minderheit bilden und sich irgendwann an ihrer eigenen Gier verschlucken. Unsere Gesellschaft kann es sich noch leisten, auch solche Leute durchzufüttern. Es sollten halt nur nicht zuviele werden…
Das sag ich mir auch immer, in der Hoffnung das es wirklich wenige sind/bleiben. Und ganz ehrlich, diese Menschen zum Arbeiten zwingen? Schwierig, einen Arbeitgeber nötigen so jemanden einzustellen? Noch schwieriger…
Ich mag ja Frankreich und auch Portugal was manche soziale Aspekte, grad in Bezug auf Familien angehen. Z.b. gibt es starke steuerliche Vorteile ab dem dritten Kind, deswegen sind französische Familien so kinderreich. Ein Kind ist keines, zwei sind ein Anfang, aber wirkliche Familie fängt dort ab drei Kindern an.
So gibt es dort aber auch, einmal im Monat in allen staatlichen Museen/Galerien etc. Freien Eintritt, da sind einfach die Kassen offen und unbesetzt. Oder auch meist gute Ermäßigungen für Familien… in Portugal dürfen Familien z.b. oft die Kasse für Behinderte und alte Menschen mit nutzen, um nicht mit kleinen Kindern lange anzustehen. Das ist nett und kostet nix. Und in der Schlange empört sich niemand wenn man als Familie mit älteren und oder Kleinkindern an der Schlange vorbei geht. Auch gibt es in allen französischen Sehenswürdigkeiten picknickplätze… in Deutschland muss man oft im stehen essen weil die Stühle und Tische der gastro vorbehalten sind. Auch extrawünsche für Kinder/bedienung von Kindern geht klar vor den Erwachsenen. Es kostet Nix extra, aber es erleichtert.
Wow, das ist ja mal vorbildlich, da könnte sich unser Deutschland tatsächlich mal die eine oder andere Scheibe abschneiden. In Frankreich war ich noch nie, weil ich die Sprache nicht spreche und man es nur mit Englisch oder gar Deutsch dort schwer hat. Aber die anderen Nachbarn, die Niederländer, auch dort herrscht teilweise ein deutlich entspannteres Klima in bezug auf Integration und Selbstverständlichkeiten im Umgang mit Kindern, älteren und eingeschränkten Menschen.
Warum kriegen eigentlich nur wir das nicht gebacken?