Sind wir doch mal ehrlich. So richtig haben es die Engländer noch nie draufgehabt, wenn es darum geht, schöne Autos zu bauen.
Wenn ich mich an die Filme und Serien aus meiner Kindheit und Jugend erinnere, die in England spielten (oder gespielt haben sollen1), dann sind mir vor allem hässliche Autos in Erinnerung.
Allen voran die Londoner Doppeldeckerbusse mit ihren verschobenen Schnauzen, die komischen schwarzen Taxis und jede Menge Lastwagen, die aussahen, als hätte Quasimodo sie vor dem Spiegel gezeichnet.
Wenn man sich mal anschaut, was italienische und französische Designer damals für Karosserien gezeichnet haben, muss man sagen, dass selbst einige Rolls-Royce nicht gerade ein Ausbund an Eleganz sind.
Und, wenn man ganz ehrlich ist und genau hinschaut, dann ist selbst der legendäre Aston Martin DB5 von James Bond an einigen Stellen eher dicklich und unelegant.
So richtig schön, darauf können wir uns sicher einigen, sind englische Autos also nicht. Aber, sie haben etwas ganz anderes, das für sie spricht, und das wahrscheinlich genau darauf beruht, dass sie auf irgendeine geheimnisvolle Weise hübsch-hässlich sind: Sie sind ikonisch.
Ein Mini-Cooper ist ein Mini-Cooper. Nichts auf der ganzen Welt sieht auch nur annähernd so aus. Ein Land-Rover ist ein Land-Rover und absolut unverwechselbar.
Ja und unsere bereits genannten Auto-Ikonen Rolls-Royce und Aston Martin sind ebenfalls so typische Vertreter ihrer Art, dass man sagen muss, dass sie einzigartig sind.
Ich hatte einmal das große und unvergessliche Vergnügen, in einem Rolls-Royce Silver Cloud von 1959 mitfahren zu dürfen. Dieses Fahrzeug hatte sich ein Unternehmer aus Velbert gegönnt und ließ sich darin von einem Chauffeur zu seinen Terminen fahren.
Die Fahrt in diesem Rolls-Royce Silver Cloud von 1959 war weit mehr als nur eine Mitfahrgelegenheit – sie fühlte sich an wie eine kleine Zeitreise in eine Epoche, in der Reisen noch zelebriert wurde. Schon das sanfte Schließen der schweren Türen, der Geruch von feinem Leder und edlen Hölzern sowie die nahezu lautlose Fortbewegung vermittelten ein Gefühl außergewöhnlicher Ruhe und Eleganz. Der Wagen glitt förmlich über die Straße und schirmte uns Insassen von der Hektik der Außenwelt ab.
Besonders beeindruckend war die Atmosphäre im Fond. Dort saß man nicht einfach auf einer Rückbank, sondern in einer Art rollendem Salon. Man konnte gut nachvollziehen, warum sich der Unternehmer von seinem Chauffeur zu Geschäftsterminen fahren ließ: Die Fahrt selbst wurde zu einer Phase der Entspannung und Vorbereitung. Dieses Erlebnis hat mir eindrucksvoll gezeigt, weshalb ein klassischer Rolls-Royce bis heute als Inbegriff britischer Automobilbaukunst und zeitlosen Luxus gilt.
Später durfte ich ja mal ein paar Jahre einen Jaguar XF mein Eigen nennen. Das ist im Vergleich zu einem handgemachten Rolls-Royce zwar nur popelige Fließbandware unter der Schirmherrschaft von BMW. Aber dennoch zeigte auch der Jaguar, dass es zwischen Autobau und Automobilbaukunst doch noch einen kleinen Unterschied gibt. An das, was der XF serienmäßig bot, kommt VW allenfalls mit dem inzwischen eingestellten Phaeton heran, und bei Mercedes müsste man unglaublich tief in die Tasche greifen, um die vielen Extras überhaupt zu bekommen.
Bei welchem anderen Luxusfahrzeug verschwinden die Belüftungsdüsen komplett, wenn man die Klimaanlage oder das Fahrzeug ausschaltet?
Natürlich haben die Engländer im Laufe der Jahrzehnte gelernt, Autos zu bauen, die auch dem weltweiten Massengeschmack entsprechen. Aber dennoch bleibe ich dabei: Sie haben vor allem ikonische Autos gebaut.
Der Aston Martin DB5 wäre weltweit gar nicht so bekannt und nur eine Episode englischer Sportwagenkunst geblieben, wenn man sich nicht entschieden hätte, den englischen Superagenten James Bond 007 mit einem solchen Auto auszustatten. Leider fahren die verschiedenen James Bonds, egal von wem auch immer dargestellt, die vielen, umfangreich mit Geheimagentenfunktionen versehenen Aston Martins verschiedener Baujahre immer recht schnell zu Schrott.
Corgi Toys Nr. 261 Aston Martin DB5

Das wohl berühmteste Spielzeugauto der James-Bond-Geschichte erschien Weihnachten 1965 als Corgi Toys Nr. 261 Aston Martin DB5.2 Es war eine Druckguss-Nachbildung des Wagens aus Goldfinger und entwickelte sich mit Millionen verkaufter Exemplare zu einem der erfolgreichsten Modellautos aller Zeiten. Obwohl das Originalfahrzeug silbern war, lackierte Corgi das erste Modell in Gold, weil die Konstrukteure befürchteten, ein silbernes Modell wirke wie unlackiertes Zinkdruckguss-Metall. Erst die überarbeitete Version Nr. 270 von 1968 erhielt die korrekte silberne Lackierung. 3

Was dieses Modell so außergewöhnlich machte, waren seine damals sensationellen Funktionen. Auf Knopfdruck fuhren vorne aus den Kotflügeln zwei Maschinengewehre aus. Drückte man auf die Auspuffrohre, klappte hinter der Heckscheibe das kugelsichere Schutzschild empor. Der eigentliche Höhepunkt war jedoch der Schleudersitz: Betätigte man einen seitlichen Hebel, sprang das Dach auf und eine kleine Kunststofffigur des Bösewichts wurde mit erstaunlicher Wucht aus dem Beifahrersitz katapultiert – eine Funktion, die Generationen von Kindern immer wieder ausprobierten. Die ab 1968 produzierte silberne Version erhielt zusätzlich drehbare Nummernschilder mit verschiedenen Kennzeichen sowie ausziehbare Radnabenmesser („Tyre Slashers“), die ebenfalls den Filmgadgets nachempfunden waren. Geliefert wurde das Modell mit einer James-Bond-Figur am Steuer, einem oder mehreren auswerfbaren Bösewichten, einer Bedienungsanleitung und sogar einem Ansteckbutton. Mit seinen zahlreichen beweglichen Geheimagenten-Gadgets setzte der kleine Aston Martin neue Maßstäbe für Spielzeugautos und gilt bis heute als eines der begehrtesten Sammlermodelle der 1960er-Jahre.
Meine Spielzeugautos aus den 1960er- und 1970er-Jahren haben lange überlebt. Meine Eltern haben sie aufbewahrt und immer Kindern, die zu Besuch kamen, zum Spielen gegeben. Da auch kleine Kinder darunter waren, haben die Spielzeuge sehr gelitten und waren schließlich nur noch Schrott. Ich habe sie 1992 entsorgt.
Natürlich hatte ich das James-Bond-Auto und auch das Batmobil.
Eaglemoss-Modell des James-Bond-Aston Martin DB5

Inzwischen habe ich eine kleine Sammlung von Aston Martins zusammengetragen. Hauptstück der Sammlung ist das große Eaglemoss-Modell4 des James-Bond-Aston Martin DB5. Es gehört zu den aufwendigsten Sammelserien, die jemals für ein Filmauto produziert wurden. Es handelte sich nicht um einen gewöhnlichen Modellbausatz, sondern um ein sogenanntes Partwork: Über rund 85 bis 86 wöchentliche Ausgaben erhielten die Sammler nach und nach alle Bauteile, Schrauben und eine Begleitzeitschrift. Am Ende entstand ein beeindruckendes Modell im Maßstab 1:8, das rund 60 cm lang, knapp 20 cm breit, rund 16,5 cm hoch und mehr als 12 Kilogramm schwer ist. Die Karosserie besteht überwiegend aus Druckgussmetall, während Innenraum und Technik aus hochwertigem Kunststoff gefertigt sind.5

Besonders bemerkenswert ist die Liebe zum Detail. Das Modell entstand in enger Zusammenarbeit mit Aston Martin und den Rechteinhabern der James-Bond-Filme. Ziel war es, den legendären DB5 aus „Goldfinger“ möglichst originalgetreu nachzubilden. Dazu wurden historische Filmfotos sowie ein echter DB5 im Werk von Aston Martin vermessen und als Vorlage verwendet.
Wie das Filmfahrzeug verfügt auch das Modell über nahezu alle berühmten Q-Branch-Gadgets. Auf Knopfdruck fahren die Maschinengewehre aus den Blinkergehäusen aus, hinter der Heckscheibe erhebt sich das kugelsichere Schutzschild, die Nummernschilder lassen sich drehen und zeigen verschiedene Kennzeichen, und aus den Radnaben klappen die berühmten Reifenschlitzer heraus. Selbstverständlich besitzt der Wagen auch den legendären Schleudersitz, bei dem das Dach aufspringt und der Beifahrersitz nach oben ausfährt. Zusätzlich wurden sogar einige Ausstattungsmerkmale integriert, die zwar für den Film geplant waren, letztlich aber nie auf der Leinwand zu sehen waren – darunter ein Waffenschubfach unter dem Fahrersitz und ein Radiotelefon in der Fahrertür.
Auch technisch lässt das Modell kaum Wünsche offen. Die Scheinwerfer, Rückleuchten und Instrumente sind beleuchtet, der Radarbildschirm funktioniert, das Betätigen des Bremspedals aktiviert die Bremslichter und ein Druck auf das Lenkrad löst die Hupe aus. Steckt man den Zündschlüssel ins Armaturenbrett, erklingt sogar der charakteristische Motorensound des Aston Martin DB5. Türen, Motorhaube und Kofferraum lassen sich öffnen, sodass der aufwendig gestaltete Reihensechszylinder ebenso sichtbar wird wie der detailreiche Innenraum.
Zum Bau gehörten mehrere hundert Einzelteile und eine große Anzahl winziger Schrauben. Jeder Bauabschnitt wurde in den Begleitheften Schritt für Schritt erklärt und mit Hintergrundinformationen über James Bond, die Fahrzeuge und die Dreharbeiten ergänzt. Viele Sammler benötigten rund zwei Jahre, bis alle Lieferungen eingetroffen waren und das Modell fertiggestellt werden konnte.6
Nach Abschluss der Sammelserie bot Eaglemoss das Modell auch fertig montiert in einer streng limitierten Auflage von lediglich 200 Exemplaren an. Diese handgefertigten Fahrzeuge wurden mit Echtheitszertifikat ausgeliefert und entwickelten sich rasch zu begehrten Sammlerstücken. Bereits kurz nach ihrer Veröffentlichung erzielten sie auf Auktionen Preise von weit über 2.000 Pfund Sterling.7
Ich habe im Dreibeinblog viele Artikel zum James Bond Auto von Eaglemoss geschrieben. Du findest sie alle hier:
https://dreibeinblog.de/?s=James+Bond+Auto
Es war ein ziemlicher Krampf, bis ich das Auto komplett hatte. Der Eaglemoss-Verlag war ziemlich überfordert. Ich habe aber durchgehalten und jahrelang die gelieferten Teile in einer Kiste gesammelt. Erst als ich sicher war, alle Teile erhalten zu haben, habe ich endlich mit dem Bau begonnen und das Modell fertiggestellt.
Ja, es hat deutlich über 1.000 Euro gekostet, was man aber nicht wirklich gemerkt hat, weil es in kleinen Teillieferungen und Teilsummen kam.
Aber heute, wenn ich an der Vitrine vorbeikomme, freue ich mich jedes mal riesig, dass ich dieses große, schöne Modell habe.
Lego und Playmobil

Auch LEGO und Playmobil haben sich des legendären Aston Martin DB5 angenommen. Während das Playmobil-Modell die charakteristischen Linien des Originals erstaunlich gut einfängt und trotz der typischen Playmobil-Optik sofort als Bond-Auto zu erkennen ist, fällt das Urteil über die LEGO-Version deutlich kritischer aus.

Aufgrund der kantigen Bauweise der Klemmbausteine und des vergleichsweise kleinen Maßstabs benötigt man schon eine gehörige Portion Phantasie, um darin den eleganten DB5 zu erkennen.

Die Proportionen wirken unharmonisch, die fließenden Rundungen des britischen Klassikers gehen weitgehend verloren und der Wagen erinnert eher an irgendein Sportcoupé als an den wohl berühmtesten Aston Martin der Filmgeschichte. Technisch bietet das LEGO-Modell zwar einige pfiffig umgesetzte Bond-Gadgets wie den Schleudersitz oder die ausfahrbaren Maschinengewehre, optisch bleibt es jedoch weit hinter dem Playmobil-Modell zurück, das den Charakter des Originals wesentlich überzeugender transportiert.
Jetzt hat es mich doch erwischt
Ich konnte nicht wiederstehen.
Der Corgi-Modell-Club bietet verschiedene James-Bond Aston-Martins zum Kauf an.
Den goldenen, wie er zu Weihnachten 1965 herauskam, und der wegen „Goldfinger“ goldfarben war.
Den silbergrauen mit goldenem Kühlergrill und mit silbernem Kühlergrill.

Und jetzt einen in chromfarben als Platin-Edition. Ja, ich bin dann, wenn er geliefert wird, schon fast 70. Aber ich musste ihn vorbestellen. Ich konnte nicht anders.
Bildquellen:
- Goldfinger_-_Aston_Martin_DB5__Sean_Connery_800x500: FR, CC BY-SA 4.0, wikimedia.org/
- IMG_1091_800x500: Peter Wilhelm
- IMG_1316_800x500: Peter Wilhelm
- Bildschirmfoto-2026-07-28-um-06.11.26_800x500: Peter Wilhelm Amaz0n
Fußnoten:
- denn oft genug wurde aus Kostengründen einfach in Deutschland im Studio gedreht oder eine deutsche Stadt kurzerhand auf London getrimmt (zurück)
- https://corgimodelclubusa.com/products/270-james-bonds-aston-martin-db5-1 (zurück)
- https://www.thejamesbonddossier.com/features/the-1965-corgi-270-aston-martin-db5.htm (zurück)
- https://dreibeinblog.de/james-bond-auto-aston-martin-db5-fragwurdige-kiste/ (zurück)
- https://www.thejamesbonddossier.com/news/limited-edition-18-scale-aston-martin-db5-available-from-eaglemoss.htm (zurück)
- https://myjamesbonddb5.com/build/ (zurück)
- https://www.jamesbondlifestyle.com/news/building-aston-martin-db5-18-scale-die-cast-model (zurück)

















