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Hommage-Uhr Pagani Design PD 1728

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Pagani Design PD-1728 – die Nautilus für unter 100 Euro? Die Hommage-Uhr Pagani Design PD-1728 ist eine an die Patek Philippe Nautilus angelehnte Uhr aus China. Die Uhr kostet, je nach Händler, zwischen 75 und 130 Euro – also ein Preisbereich, der für viele überhaupt erst den Zugang zu diesem ikonischen Design ermöglicht.

Die Nautilus selbst ist ein absoluter Klassiker, der sich seit Jahrzehnten riesiger Beliebtheit erfreut. Für Originale legt man heute zwischen 20.000 und weit über 120.000 Euro hin. Besondere Exemplare gehen sogar für Summen jenseits der Millionengrenze über den Tisch. Das sind alles Beträge, die ich für eine solche Uhr niemals ausgeben würde.

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Stattdessen greife ich – wie so oft – zur Hommage. Also zu einer Uhr, die sich optisch stark am Original orientiert, ohne dessen Preis aufzurufen.

Erster Eindruck: Erstaunlich viel Uhr fürs Geld

Die Pagani Design PD-1728 ist aus Edelstahl gefertigt und macht auf den ersten Blick einen sehr ordentlichen Eindruck. Besonders positiv fällt das Saphirglas auf: Es ist klar, sauber verarbeitet und offenbar gut entspiegelt. In dieser Preisklasse ist das keineswegs selbstverständlich.

Das Ziffernblatt habe ich – wie könnte es anders sein – in Grün gewählt. Pagani Design bietet hier allerdings eine ganze Palette an Farben an, sodass für jeden Geschmack etwas dabei sein dürfte.

Das Uhrwerk: Seagull ST16 – solide, aber unspektakulär

Im Inneren arbeitet ein Seagull ST16, ein typisches chinesisches Automatikuhrwerk. Kein Schmuckstück, aber ein zuverlässiges Arbeitspferd. Genau das, was man in dieser Preisklasse erwartet – und auch erwarten sollte.

Interessant ist ein kleines Detail: Die Uhr hat offiziell keine Datumsanzeige. Dennoch verfügt das Werk über eine Datumsfunktion. Beim Herausziehen der Krone spürt man die entsprechende Rastposition, und man hat den Eindruck, dass sich unter dem Ziffernblatt tatsächlich etwas bewegt.

Hier wurde also offenbar ein Standardwerk verbaut und die Datumsanzeige einfach „versteckt“.

Gehäuse und Alltagstauglichkeit

Die Krone ist verschraubt, die Wasserdichtigkeit wird mit 100 Metern angegeben. Ich persönlich gehe bei solchen Angaben aus China allerdings kein Risiko ein.

Für mich gilt:

  • Regen: ja
  • Händewaschen: ja
  • Dusche (aus Versehen): sollte sie überleben
  • Tauchen: ganz sicher nicht

Was ich übrigens immer wieder amüsant finde: Diese endlosen Diskussionen von Uhren-Influencern über Wasserdichtigkeit. Da wird minutenlang darüber philosophiert, ob eine Uhr nun 100, 200 oder 300 Meter „kann“. Ganz ehrlich: Das ist bei diesen Uhren doch weitgehend theoretischer Natur. Höchstens bei den besseren Hommage-Herstellern wie Pagani, San Martin oder Cadisen kann man die Angaben halbwegs ernst nehmen – bei No-Name-Marken oder irgendwelchen Phantasielabels würde ich mich hingegen keinen Millimeter darauf verlassen, was da auf dem Ziffernblatt oder dem Boden steht. Und mal Hand aufs Herz: Wer zieht sich so eine Uhr ernsthaft zum Schwimmen oder gar Tauchen an? Eben.

Einen Glasboden gibt es bei der PD-1728 nicht – und das ist auch gut so. Das Seagull ST16 muss man nicht unbedingt bewundern.

Armband: Gut gemacht, aber mit Einschränkungen

Das integrierte Edelstahlarmband ist optisch sehr gelungen. Es ist fein poliert und gebürstet und passt gut zum Gehäuse. Die Glieder sind eng verarbeitet, klappern nicht und vermitteln einen wertigen Eindruck. Allerdings hat das Ganze auch eine Kehrseite: Das Band ist ziemlich steif.

Die Glieder sind gestiftet, und geschlossen wird das Ganze über eine ordentliche Schmetterlingsschließe mit seitlichen Drückern.

Ein echter Kritikpunkt ist allerdings die Länge: Beworben werden 21 cm – geliefert wurden bei mir nur etwa 18 cm.

Das ist schlicht zu kurz. Eine Reklamation über AliExpress dürfte wenig bringen, also wird es wohl darauf hinauslaufen, ein Ersatzarmband zu besorgen.

Ziffernblatt: Der eigentliche Star

Das Ziffernblatt ist für mich das Highlight dieser Uhr. Es ist sauber verarbeitet, die Indizes sind scharf aufgesetzt und reflektieren das Licht sehr schön. Die Leuchtmasse ist vorhanden und erfüllt ihren Zweck.

Gerade aus verschiedenen Blickwinkeln wirkt die Uhr deutlich hochwertiger, als es der Preis vermuten lässt.

Technische Daten

  • Gewicht: 133 g
  • Gehäusedurchmesser: 40 mm
  • Gehäusedicke: 13,4 mm
  • Material: 316L Edelstahl
  • Glas: Saphirglas, entspiegelt
  • Wasserdichtigkeit: 100 m (theoretisch)
  • Uhrwerk: Seagull ST16 Automatik
  • Gangreserve: ca. 40 Stunden
  • Armbandbreite: 24,5 mm
  • Armbandlänge: angegeben 21 cm, tatsächlich ca. 18 cm

Auch im Vergleich: Eine Nautilus für 21 Euro

Ich habe auch noch eine Nautilus-Hommage für 21 Euro von AliExpress zum Vergleich. Über diese Nautilus kommt noch ein eigener Bericht.
Ihr seht auf dem Titelbild zu diesem Artikel die 21-Euro-Uhr links im Bild, in der Mitte die echte Nautilus und rechts die von Pagani-Design.

Wenn ich ehrlich bin, muss ich einfach sagen, dass die 21-Euro-Uhr für ihren niedrigen Preis einfach eine absolute Spitzenuhr ist. Ich kann nichts anderes sagen.

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links: Die Uhr für 21 Euro, rechts: Pagani Design

Das Ziffernblatt der 21-Euro-Variante gefällt mir eigentlich sogar noch einen Ticken besser. Es ist nicht ganz so dunkel und der Sonnenschliff der dem geriffelten Design zugrunde liegt, ist schöner.
Die Pagani ist eckiger ausgearbeitet und kommt dem Original damit etwas näher. Ich kann mir aber vorstellen, dass manch einem die weicheren Konturen der billigeren Uhr auch gefallen.

Natürlich hat die 21-Euro-Uhr nur Mineralglas, während die Pagani PD-1728 gutes Saphirglas hat.
Die Pagani ist deutlich feiner gearbeitet. Das sieht man vor allem an der Bürstung der Lünette. Die ist sehr fein und samtartig ausgeführt. Bei der preiswerteren Uhr sieht das grober aus, fast wie gekratzt.
Das Armband ist der PD-1728 qualitativ viel, viel besser. Es ist schwerer, dichter verbunden und besticht durch ein Zusammenspiel aus matten und glänzenden Elementen. Die 21-Euro-Uhr hat für ihre Verhältnisse auch ein schönes Armband, aber es ist einfach nur komplett glänzend poliert und die Glieder sind lockerer. Das sagt nichts über die Haltbarkeit aus, macht das Armband aber flexibler und etwas klappriger.

Bei der Schließe hingegen kann die billigere Uhr echt punkten. Die beiden Bandhälften rasten sauber ein, der Mechanismus hält das Armband zuverlässig geschlossen und mit den beiden kleinen, seitlichen Drückern öffnet sich die Schließe bequem. Die Pagani hat ein hakeliges Verschlusswerk. Das Armband rastet nicht gut ein, manchmal muss man sogar beim Schließen die Drücker betätigen, um sie überhaupt zu zu bekommen. Ein winziger Tropfen Ballistol hat hier aber geholfen.

Aber sag mal ehrlich: Was kann man für 21 Euro eigentlich erwarten? Nix! Und trotzdem habe ich für das Geld eine funktionierende Uhr mit einfachstem chinesischen Automatikuhrwerk bekommen, die auch noch gut aussieht. Und außerdem hat die billige Uhr sogar noch ein Datum. Das finde ich aber nicht so wichtig, da auch Patek Philippe hier standardmäßig keine Lupe, wie etwa Rolex, einsetzt. Die kleinen Datumszahlen sind daher immer etwas schwierig ablesbar.

Fazit

Die Pagani Design PD-1728 ist genau das, was sie sein will: eine günstige Hommage an ein ikonisches Design.

Man bekommt hier für unter 100 Euro:

  • ein solides Automatikwerk
  • ein gutes Saphirglas
  • ein sehr ansprechendes Design

Natürlich darf man keine Perfektion erwarten. Das Armband ist zu kurz, das Werk ist einfach, und die Wasserdichtigkeit sollte man mit Vorsicht genießen.

Für das Geld ist das eine erstaunlich brauchbare Uhr.

Und sie zeigt einmal mehr, dass man kein Vermögen ausgeben muss, um ein schönes, alltagstaugliches Stück Uhr am Handgelenk zu tragen.

Eine Patek Philippe wird sie nie ersetzen. Aber das will sie auch gar nicht.

Bildquellen:

  • IMG_2816a_800x500: Peter Wilhelm
  • hagenuli_800x500: Peter Wilhelm

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(©si)