Spitze Feder

Erwachet

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Wer hat sie nicht schon gesehen, oder gar durchgeblättert: Jene Heftchen mit dem imperativen Titel, die von stets adrett gekleideten Menschen mit stoischer Diskretion angeboten werden?

Auf deren Einband sieht man meist das paradiesisch anmutende Bild einer überglücklichen Familie in einer intakten Natur, flankiert von einem Lamm, das sich friedlich an einen Löwen schmiegt. Wenn man sich dann auf ein Gespräch über die Implikationen ihres kreationistischen Weltbildes einlässt, sollte man, bei allem Unverständnis über deren Verhältnis zu den Errungenschaften von Naturwissenschaft und Technik, stets Artikel 4 des Grundgesetz beachten, der sämtlichen Formen von Jenseitsphantasien einen rechtlichen Rahmen zugesteht.

Ich habe null Ahnung, wie die Zeugen Jehovas auf die Idee kommen, dass alle, ausser ihnen natürlich, schliefen und geweckt werden müssten, aber ich rechne ihnen ihre Zurückhaltung hoch an. Im Gegensatz zu dem enervierenden Gezeter jener Schreihälse, die ihre imperative Unbotmäßigkeit und die militante Aufforderung, zu erwachen, aggressiv durch die Gegend blöken. Ich finde, die Zeugen Jehovas sollten überlegen, ob es ihrer Sache nicht zuträglich wäre, jene Trittbrettfahrer aufgrund religiösen Plagiats zu verklagen und sie so in die Schranken zu weisen.

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Es vergeht nämlich kaum ein Tag, in dem von der woke Community nicht eine neue, krude Sau durchs Dorf getrieben wird und Sprache, Literatur und Kunst, wahlweise mit Hysterie, oder Kartoffelsuppe…Sorry, ähm, das mit Kartoffelsuppe und van Gogh, sind ja die Cyanacrylat-Propheten der hinterletzten Generation. Man kommt bei den ganzen Imperativen schnell mal durcheinander.

Als ich noch in die Schule ging, war es das Normalste und Unkomplizierteste der Welt, sich nach 6 Stunden gefühlt vergeudeter Zeit, beim Bäcker gegenüber, Mohrenkopf-Brötchen zu gönnen. Niemand dachte auch nur im Entferntesten daran, dass dies rassistisch sein könnte. Hätte der Bäcker, politisch korrekt, Brötchen und Schaumgebäck mit einer Schoko-Glasur feilgeboten, wäre er vermutlich auf seinem wirren Angebot sitzengeblieben.
Vor ein paar Jahren musste im Mannheimer Kulturzentrum Capitol eine historische Emaille-Werbetafel der Firma Sarotti entfernt werden, weil der darauf abgebildete, gleichnamige Mohr, politisch korrekte Eiferer wohl triggerte und bei ihnen die Rassismus-Alarmglocke schrillen ließ. Ob sich unter den woken Kämpferinnen und Kämpfern für die Gleichbehandlung der Schwarzen, auch weiße, Blonde, mit ins Haupthaar eingeflochtenen Dreadlocks, befanden, ist leider nicht überliefert.

Kürzlich weigerte sich eine Lehrerin, das Buch „Tauben im Gras“ von Wolfgang Koeppen aus dem Jahre 1951 im Unterricht zu behandeln, weil darin über hundertmal das N-Wort vorkommt. Ob sie es vorgezogen hätte, statt dessen lieber die Schriften der glühenden Judenhasser Martin Luther und Immanuel Kant mit ihrer Klasse zu bearbeiten, ist leider ebenfalls nicht überliefert.

Jetzt fordern woke, politisch korrekte Literaturkritiker, das wunderbare Kinderbuch „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ von Michael Ende auf ihren Index Librorum Prohibitorum zu setzen. Vermutlich, weil die Kunstfigur Jim Knopf, ein schwarzer Junge ist und der Text ein rassistisches Grundrauschen nicht explizit ausschließt. Als Nächstes dürften „Die Abenteuer des Tom Sawyer“ von Mark Twain wohl das gleiche Schicksal ereilen. Eingedenk des Umstandes, dass unser Land mit Schande auf Bücherverbote und später sogar auf Bücherverbrennungen zurückblicken muss, bezweifle ich, dass die woke Community im Geschichtsunterricht zugehört hat, als darin der Zeitraum von März bis Oktober 1933 besprochen wurde…von 1939 bis 1945 ganz zu schweigen.

Vor einiger Zeit habe ich mit großem Interesse eine hochinteressante Fernsehsendung gesehen, die die Bedeutung von Farben in der Natur thematisierte. Dabei ging es unter anderem um Mimikry und um Signalfarben. Der Sprecher aus dem Off erklärte, dass Schwarz, Weiß und die Graustufen, in diesem Kontext keine Farben als solche seien, sondern als unbunt kategorisiert würden.

Um jetzt wieder die Kurve zu den ausschließlich schwarz-weiß-sehenden, imperativen Krakeelern zu kriegen: Leute, lasst Euch von diesen unbunten Misanthropen keinen Knopf an die Backe nähen. Das ist und bleibt die Aufgabe von Tante Polly… also wenn es um die andauernd zerschlissenen Hosen von Jim Knopf geht. Punkt! Wobei…lässt man die woke Hard-Core-Community in den Medien weiterhin unkommentiert missionieren und ihren hysterischen Nonsens als Ultima Ratio verkünden, wird man demnächst in seinem Buchladen vielleicht Jim Knopf und in seinem Navi den Schwarzwald vergeblich suchen.

Deshalb mein Rat an Euch alle: Erwachet!

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Spitze Feder – Spitze Zunge

Diese Kolumne schreibt vorwiegend Peter Grohmüller seine Gedanken zur Welt und dem Geschehen unserer Zeit auf.
Seine fein geschliffenen „Ergüsse“ – wie er selbst sie nennt – erfreuen sich großer Beliebtheit.

Hin und wieder erscheinen in dieser Kolumne auch Beiträge anderer Autoren, die dann jeweils entsprechend genannt werden.

Die Texte sind Satire, Kommentare und Kolumnen. Es handelt sich um persönliche, freie Meinungsäußerung.

Für die Texte ist der jeweilige Autor verantwortlich.

Lesezeit ca.: 5 Minuten | Tippfehler melden | © Revision: | Peter Grohmüller 4. April 2023

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