Social Media ist in erster Linie dazu da, dass Großkonzerne eine Menge Geld verdienen. Die Konzerne, allen voran Meta, geben sich dabei den Anschein, sie würden mit ihren Social-Media-Plattformen den Nutzern eine schöne Möglichkeit bieten, miteinander in Kontakt zu treten, Freundschaften zu pflegen und selbst interessante Inhalte online stellen zu können.
Vom Ansatz her haben längst untergegangene Dienste wie „Wer kennt wen?“ und „StudiVZ“ auch teilweise diese Ansprüche erfüllt. Für den vollen Nutzen musste man meist eine Kleinigkeit bezahlen, und dadurch finanzierten sich solche Angebote. Doch sehr schnell erkannten die Konzerne, dass sich mit zwei Einnahmequellen noch viel mehr Geld verdienen lässt.
1. Nutzerdaten
2. Werbung
Mittlerweile sind die Systeme so intelligent, dass sie aus den Nutzereingaben und -beiträgen alles an Informationen herausziehen, was irgendwie den Nutzer und dessen Lebensumstände näher beschreibt.
Auf diese Weise wissen die Unternehmen sehr genau über Vorlieben, Hobbys, Krankheiten, Essensgewohnheiten, Urlaube und den gesamten privaten Bereich, bis hin zu sexuellen Vorlieben, und mit wem man sich trifft, Bescheid.
Garniert wird der Genuss der sozialen Medien mit Werbung. An jeder sich nur bietenden Stelle werden Anzeigen geschaltet und Filme werden immer wieder für Werbebotschaften unterbrochen. Und damit sind nicht die auf den Gelderwerb ausgerichteten Werbungen der Influencer selbst gemeint, sondern die Werbeschaltungen, die Facebook, YouTube & Co. auf eigene Faust und für die eigene Tasche einblenden.
Natürlich liegt es genau aus diesem Grund im Interesse der Unternehmen, den Nutzer so lange oft wie möglich und so lange wie möglich an den Bildschirm oder das Smartphone zu fesseln.
Nicht umsonst laufen derzeit in den USA Klagen gegen die Betreiber solcher Plattformen, weil nach Ansicht der Kläger Menschen abhängig von diesen Medien gemacht werden, und weil das in vielen Fällen zu selbstzerstörerischem Verhalten, bis hin zum Suizid geführt haben soll.
War es bis vor ein paar Jahren so, dass Menschen durch möglicherweise für sie tatsächlich interessante Inhalte mit gewissem Unterhaltungs- und Informationswert an den Screens gehalten werden sollten, hat sich das zunehmend geändert.
Inzwischen gibt es beispielsweise auf YouTube komplett mit KI-Inhalten bespielte Kanäle. Zu vermeintlich interessanten technischen oder historischen Themen generiert die KI eine Folge von absolut künstlich erschaffenen Bildern und Videosequenzen, während eine computergenerierte Stimme, immer noch mit leicht zu erkennendem KI-Zungenschlag, die Sprecherfunktion übernimmt – und das oft gleich in Dutzenden Sprachen, je nachdem, von wo man die Inhalte aufruft.
Daneben werden die sozialen Medien von Fake-News aller Couleur geflutet. Rechte Interessenbeeinflusser, russische Trollfarmen und gewiefte Verarscher stellen unentwegt und rund um die Uhr Inhalte ins Netz, um die Nutzerinnen und Nutzer zu verwirren, auf die falsche Fährte zu führen, und oft genug auch, um unser demokratisches System in ein schlechtes Licht zu rücken.
Und natürlich, sind diejenigen, die nur auf Klicks, hohe Besucherzahlen und die daraus resultierenden Einnahmen aus sind, auch wieder ganz vorne mit dabei.
Viele dieser Inhalte sind einfach nur dreist.

Andere Videos sind einfach nur ekelhaft. Dazu gehören die tagtäglich auftauchenden angeblichen Beweisvideos zum aktuellen Gesundheitszustand von Michael Schumacher, aber auch die immer wiederkehrenden Todesmeldungen über Prominente, die tatsächlich alle noch leben:

Immer wieder tauchen auch Anleitungen, Rezepte und sogenannte Hacks auf, die ganz einfach sein sollen, besonders leicht gelingen oder einem das Leben leichter machen sollen.
Bei näherer Betrachtung ist das Meiste davon aber absoluter Quatsch.

Früher, und das steht für mich fest, waren solche blödsinnigen Posts und Videos wie die Himbeerkerne im Fruchtjoghurt: Sie sind für nix gut, stören ein bißchen, aber das Leckere überwiegt.
Heute musst Du Dich durch einen Berg von Himbeerkernen und faulen Eiern wühlen, um überhaupt noch was Brauchbares und Anständiges zu finden.
Fazit
Das eigentliche Problem ist längst nicht mehr, dass es in den sozialen Medien auch viel Schrott gibt. Der Schrott ist zum Geschäftsmodell geworden.
Den Plattformbetreibern ist es weitgehend egal, ob wir einen sorgfältig recherchierten Beitrag lesen, uns über eine frei erfundene Todesmeldung empören, auf ein KI-generiertes Lügenvideo hereinfallen oder zehn Minuten lang einem vollkommen nutzlosen „Lifehack“ zuschauen. Entscheidend ist, dass wir draufklicken, dranbleiben, reagieren und möglichst noch den nächsten Beitrag aufrufen. Denn während wir unsere Zeit verschwenden, laufen Datensammlung und Werbemaschine weiter.
Das ist vielleicht die bitterste Erkenntnis: Qualität, Wahrheit und gesellschaftlicher Nutzen haben im Geschäftsmodell keinen eingebauten Vorteil. Eine Lüge, die hunderttausend Menschen empört, kann für die Plattform wertvoller sein als eine Wahrheit, die zehntausend Menschen sachlich informiert.
Und mit generativer KI ist nun auch noch die letzte natürliche Bremse gefallen: Früher musste jemand den Unsinn wenigstens noch selbst schreiben, filmen, sprechen oder zusammenbasteln. Heute lassen sich Fake-Nachrichten, erfundene Geschichten, falsche Bilder und vollkommen sinnfreie Videos automatisiert, billig und praktisch unbegrenzt produzieren.
Wir sind damit an einem Punkt angekommen, an dem nicht mehr nur Menschen um unsere Aufmerksamkeit konkurrieren, sondern Maschinen industriell Inhalte herstellen, deren einziger Zweck darin besteht, ein paar weitere Sekunden unserer Lebenszeit in Klicks, Daten und Werbeerlöse zu verwandeln.
Vielleicht sollten wir deshalb aufhören, von einem „sozialen Netzwerk“ zu sprechen. Sozial ist daran inzwischen herzlich wenig.
Es ist eine Aufmerksamkeitsindustrie. Der Rohstoff sind wir.
Bildquellen:
- polit-ital_800x500: Mauricio Candernasi

















