Ausgebeint und versklavt, da fließen die Millionen

Ich muss jetzt für Katar mal eine Lanze brechen

Um es gleich vorweg zu sagen: ich bin kein Fußballfan. Genau, ich bin derjenige, der bei dem Sommermärchen noch nicht mal das Endspiel und die Jubelorgien landauf landab verfolgt hat. Ich bin kein Autokorso mitgefahren und habe auch keine Vuvuzela getrötet. Nix. Nada. Null. Jetzt ist es raus, und die völlig kopflosen Demoskopen können ihre hektischen Nachforschungen einstellen. Nichts desto trotz muss ich für Katar aber mal eine Lanze brechen.

Was haben wir nicht alles zum Thema Fußball-WM in Katar gehört. Den Zuschlag hätten die Araber nur bekommen, weil sie den korrupten Blatter-Haufen mit Barem förmlich zugeschissen hätten. Ja und? Hallo Leute, was glaubt Ihr, wie ein Mega-Event vom Format einer WM oder einer Olympiade zustande kommt? Oder weshalb die Formel 1 Boliden des weißhaarigen Zwergs ihre stupiden Runden nicht hier, sondern dort drehen, Unmengen von Sprit rausballern, während Florian König live auf RTL seinen Lippenmüll absondert, als ginge es um sein Leben?

Nun mal Klartext: solche Dinger gehen dort über die Bühne, wo das Gesamtpaket stimmt. Wo es Geld gibt, wo richtig Geld fließt und wo man Unmengen von Geld abgreifen kann. Die paar Sportler, die sich Bälle um die Ohren schießen oder sich wie Presswürste in feuerfesten Overalls in viel zu enge Autos quetschen, sind doch nicht mehr als Staffage beim Abkassieren.

Ja, aber, werden nun einige Baunebenberufsmenschenrechtler einwerfen: die ganze Welt weiß doch, dass man auf den Baustellen in Katar Sklavenarbeit vermutet. Das sind doch Menschen, die da für einen Hungerlohn schuften. Da kann man doch nicht einfach drüber wegsehen. Schon klar.


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Dann müsste man sich allerdings auch mal die paradiesischen Zustände in den Schlachthöfen des Oldenburger Münsterlandes und Umgebung reinziehen, denen wir unser köstlich frisches, MRSA-verseuchtes Putengeschnetzeltes zu 1,99 € das Kilo verdanken. Fragen Sie einfach den Akkordausbeiner Ihres Vertrauens, sofern sie des Rumänischen mächtig sind.

Aber zurück zu/nach Katar: erstens werden die ganzen Stadien, die U-Bahnen, die Resorts und was noch, allesamt von renommierten westlichen Unternehmen errichtet – insofern sind die Bauherren fein raus, und zweitens hat sich der letzte deutsche Kaiser, seine Majestät Franz Beckenbauer, höchst selbst des Problems angenommen, ist allerallererster Klasse in die Region gereist und hat nach eigenen Aussagen definitiv keinen einzigen Bauarbeiter gesehen, der seinen Job in Ketten verrichtet.

Und was das Klima, oder besser gesagt die Tagestemperaturen betrifft: mal ehrlich, wo, wenn nicht in Katar, haben die überbezahlten Weicheier mal die Gelegenheit, zweimal 90 Minuten bei 45° C zu zeigen, was sie drauf haben? Wenn der bajuwarische Tross schon dort ins Trainingslager jettet, in Fünfzehnsternehotels residiert und beim Heimflug noch einen Abstecher bei den Saudis zu einem zünftigen Freundschaftskick hinlegt, sind die Jungs das doch gewohnt. Die lechzen geradezu danach. OK, vielleicht muss die FIFA noch ein paar Milliönchen an Hitzezulage draufsatteln. Aber das könnte ich verkraften.

Ich ziehe mir dieses Affentheater eh nicht rein, und wenn die Spiele übertragen werden, laufen auf den Konkurrenzkanälen meist sehr gute Filme. Ab und zu auch die eine oder andere lehrreiche Reportage; z. B. über Textilfirmen in Bangladesch, wo die Trikots der Fußball-Helden und ganze Seecontainer voller Fanartikel von zarten Kinderhänden im Schweinsgalopp genäht werden.


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