Amazon verspricht die Lieferung noch am selben Tag. Das ist eine feine Sache, besonders wenn man etwas wirklich dringend benötigt. Dumm nur, wenn aus dem erhofften „Heute noch“ beim Bestellen unbemerkt ein „Morgen vielleicht“ wird. Ich habe das gerade am eigenen Leib erfahren. Genauer gesagt: am eigenen Hosenbund.
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- Eine Hose, wie sie sein sollte
- Die Gefahr lauert am Hosenbund
- Karabiner statt Katapult
- Amazons kleine Liefertermin-Zauberei
- Die Hosenträger kamen nicht
- Warum macht Amazon das?
- Mein Tipp: Bei Amazon immer zweimal auf den Liefertermin schauen
- Fazit: Vertrauen ist gut, Hosenbundkontrolle ist besser
- Bildquellen:
Eine Hose, wie sie sein sollte
Es gibt Kleidungsstücke, die sind einfach ein Geschenk des Himmels. Ich habe mir kürzlich eine neue Hose gekauft. Eine schöne Hose. Eine bequeme Hose. Eine Hose, die weit genug geschnitten ist, dass man darin sitzen, stehen, gehen und sogar nach einem ausgiebigen Abendessen noch atmen kann.
Kurzum: eine Hose, die den menschlichen Körper nicht als formbares Hindernis betrachtet, das man mit ausreichend Stoffspannung schon irgendwie in die gewünschte Silhouette pressen kann.
Ich liebe diese Hose.
Sie hat allerdings eine kleine Besonderheit: Sie sitzt so angenehm locker, dass sie gelegentlich daran erinnert werden muss, wo ihr Platz ist. Nämlich ungefähr zwischen Bauchnabel und Schuhen, wobei eine deutliche Vorliebe für den oberen Bereich besteht.
Ein Gürtel wäre natürlich eine Möglichkeit. Aber dann könnte ich auch gleich wieder eine engere Hose anziehen. Nein, die ideale Lösung sind Hosenträger.
Die Gefahr lauert am Hosenbund
Nun besitze ich durchaus Hosenträger. Solche klassischen Exemplare mit kräftigen Gummibändern und metallenen Clips, die man am Hosenbund befestigt.
Theoretisch eine wunderbare Erfindung.
Praktisch sind diese Clips jedoch kleine hinterhältige Apparaturen, die nur darauf warten, im ungünstigsten Moment ihren Dienst zu quittieren.
Man bückt sich, setzt sich hin oder greift nach etwas, und plötzlich macht es SCHNAPP!
Der Clip löst sich vom Hosenbund, und das unter Spannung stehende Gummiband befördert das metallene Geschoss mit beachtlicher Geschwindigkeit in Richtung Schulter, Hinterkopf oder Nacken.
Wer so etwas schon erlebt hat, weiß: Ein Hosenträger ist nicht bloß ein Kleidungsstück. Unter bestimmten Umständen ist er eine mittelalterliche Fernwaffe.
Besonders schön ist das, wenn es in Gesellschaft passiert. Man sitzt gemütlich beim Essen, unterhält sich angeregt und wird unvermittelt von der eigenen Garderobe körperlich angegriffen.
Deshalb musste eine bessere Lösung her.
Karabiner statt Katapult
Bei Amazon entdeckte ich schließlich Hosenträger mit kleinen Karabinerhaken.
Genial!
Diese werden nicht mit zweifelhaften Metallclips an den Stoff geklemmt, sondern direkt in die Gürtelschlaufen der Hose eingehängt.
Da kann nichts abrutschen. Da löst sich nichts plötzlich vom Hosenbund. Und vor allem kann einem kein metallener Clip mehr mit der Kraft eines gespannten Gummibandes bis in den Nacken hochschnalzen.
Genau das Richtige für meine neue Lieblingshose.
Und weil wir am selben Tag noch ausgehen wollten, kam mir ein besonderes Amazon-Angebot gerade recht: Lieferung noch heute!
Same-Day-Delivery.
Ein paar Klicks, und die Sache schien erledigt.
Dachte ich.
Amazons kleine Liefertermin-Zauberei
Nun muss man wissen, dass Amazon bei vielen Artikeln verschiedene Liefermöglichkeiten anbietet.
Da gibt es die normale Lieferung, die Lieferung am nächsten Tag und eben gelegentlich auch die besonders schnelle Zustellung noch am selben Tag.
Wer es eilig hat, achtet natürlich darauf, dass beim gewünschten Artikel ausdrücklich „Heute“ als Liefertermin steht.
Und genau hier lauert eine kleine Gemeinheit.
Denn nur weil Amazon auf der Artikelseite eine Lieferung am selben Tag anbietet, bedeutet das noch lange nicht, dass diese Lieferoption beim endgültigen Bestellabschluss auch ausgewählt bleibt.
Im weiteren Bestellvorgang kann plötzlich eine andere Lieferoption voreingestellt sein. Beispielsweise die Lieferung am nächsten Tag oder sogar erst in einigen Werktagen.
Die schnellere Variante ist dann unter Umständen weiterhin verfügbar. Man muss sie nur ausdrücklich wieder auswählen.
Und das kann man leicht übersehen.
Schließlich ist man gerade damit beschäftigt, Lieferadresse und Zahlungsart zu kontrollieren, vielleicht noch einen Gutschein einzulösen oder sich durch die verschiedenen Bestellübersichten zu klicken.
Da steht irgendwo der Liefertermin, und wer nicht genau hinsieht, bestätigt eine Bestellung, die ganz anders ausgeführt wird als ursprünglich beabsichtigt.
Ob Amazon das absichtlich so gestaltet, um seine Lieferlogistik zu entlasten, kann ich nicht beweisen. Für das Unternehmen dürfte ein späterer Liefertermin jedenfalls häufig bequemer sein als eine besonders eilige Zustellung.
Für den Kunden, der gerade wegen der schnellen Lieferung bestellt, ist das ausgesprochen ärgerlich.
Die Hosenträger kamen nicht
Und damit zurück zu meiner Hose.
Ich hatte die wunderbaren neuen Hosenträger bestellt, mich auf die Lieferung am selben Tag verlassen und freute mich schon darauf, abends endlich ohne Gürtel, ohne einschneidenden Hosenbund und vor allem ohne die Gefahr eines überraschenden Hosenträgerbeschusses auszugehen.
Doch die Stunden vergingen.
Keine Hosenträger.
Auch am Nachmittag keine Hosenträger.
Und als es Zeit wurde, sich für unseren Ausflug fertigzumachen, waren die Hosenträger immer noch nicht da.
Ein Blick auf die Bestellung brachte die ernüchternde Erkenntnis: Die Lieferung war gar nicht für denselben Tag vorgesehen.
Ich hatte beim Bestellabschluss schlicht nicht aufgepasst und die andere Lieferoption übersehen.
Amazon hatte also nicht etwa ein fest zugesagtes Lieferdatum versäumt. Ich hatte eine Bestellung mit einem späteren Liefertermin bestätigt, obwohl ich ursprünglich ausdrücklich die Lieferung noch am selben Tag gewollt hatte.
Das macht die Sache juristisch vielleicht weniger spannend, aber im Alltag nicht weniger ärgerlich.
Und so blieb meine neue, wunderbar bequeme Hose im Schrank.
Stattdessen musste ich eine andere anziehen. Eine, die durchaus ordentlich aussieht, aber den Bauchraum ungefähr so großzügig bemisst wie eine Fluggesellschaft das kostenlose Handgepäck.
Der Abend war trotzdem schön.
Nur eben etwas enger.
Warum macht Amazon das?
Ich unterstelle Amazon nicht, dass dort eigens ein Mitarbeiter sitzt, der sich darüber freut, wenn ich ohne meine neuen Hosenträger das Haus verlassen muss.
Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass bestimmte Lieferoptionen im Laufe des Bestellvorgangs aus ganz praktischen Gründen wechseln. Beispielsweise, weil Bestellfristen ablaufen, Lieferkapazitäten erschöpft sind oder mehrere Artikel gemeinsam verschickt werden sollen.
Aber aus Kundensicht bleibt ein Problem:
Wenn ein Händler auf der Artikelseite mit einer besonders schnellen Lieferung wirbt, sollte diese Lieferoption beim Bestellabschluss möglichst klar erkennbar bleiben. Und jede Änderung sollte unübersehbar angezeigt werden.
Der Kunde bestellt schließlich nicht nur einen Gegenstand. Manchmal bestellt er auch einen bestimmten Zeitpunkt.
Eine Packung Druckerpapier kann ruhig übermorgen kommen. Ein Ersatzteil, das man dringend benötigt, vielleicht nicht. Und ein Paar Hosenträger für den heutigen Abend ist morgen ungefähr so hilfreich wie ein Regenschirm, der erst nach dem Gewitter geliefert wird.
Mein Tipp: Bei Amazon immer zweimal auf den Liefertermin schauen
Wer bei Amazon etwas mit Same-Day-Delivery bestellt, sollte sich nicht allein auf die Angabe auf der Artikelseite verlassen.
Entscheidend ist, welcher Liefertermin unmittelbar vor dem endgültigen Klick auf „Jetzt kaufen“ tatsächlich ausgewählt ist.
Gerade bei besonders eiligen Bestellungen lohnt sich ein zusätzlicher Blick. Prüfen Sie, ob die Lieferung noch am selben Tag eingestellt ist, ob dafür möglicherweise zusätzliche Kosten anfallen und ob die Bestellung wirklich mit diesem Termin abgeschlossen wird.
Denn die Angabe auf der Artikelseite ist noch keine Garantie dafür, dass die Bestellung anschließend genauso aufgegeben wird.
Fazit: Vertrauen ist gut, Hosenbundkontrolle ist besser
Ich habe aus der Geschichte zweierlei gelernt.
Erstens: Hosenträger mit Karabinerhaken sind eine hervorragende Idee, wenn man seine Kleidung lieber tragen möchte, als von ihr beschossen zu werden.
Zweitens: Wer bei Amazon eine Lieferung am selben Tag haben möchte, muss bis zum allerletzten Bestellschritt aufpassen wie ein Schießhund.
Sonst bekommt man vielleicht genau das, was man bestellt hat.
Nur eben nicht dann, wenn man es braucht.
Und manchmal entscheidet so ein unscheinbarer Liefertermin darüber, ob man den Abend in einer wunderbar bequemen Hose verbringt oder wieder einmal feststellen muss, dass die Modeindustrie offenbar grundsätzlich von Menschen ohne Bauch ausgeht.
Bildquellen:
- Lieferung-morgen-Geduld-heute_800x500: Peter Wilhelm ki

















