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Warum Influencer kein richtiger Beruf ist

Influencer

Fragt man junge Leute nach ihren Traumberufen, dann bekommt man so sinnfreie Antworten wie „reich“, „berühmt“ und „Influencer“.

Damit scheint der Traum vieler junger Menschen heute klar: Influencer werden. Die verlockenden Versprechungen von Ruhm, Reichtum und glamourösem Lebensstil machen diesen vermeintlichen „Beruf“ besonders attraktiv. Doch bei genauer Betrachtung stellt sich schnell heraus, dass Influencer-Sein alles andere als ein solider Karriereweg ist.

Was ist ein Influencer?

Zunächst einmal: Was ist ein Influencer? Im Grunde genommen ist es jemand, der durch seine Präsenz auf Social-Media-Plattformen wie Instagram, TikTok oder YouTube eine große Anhängerschaft hat und diese nutzt, um Produkte zu bewerben oder Inhalte zu verbreiten. Ja, es klingt einfach und verlockend. Doch hier lauert bereits das erste Problem: Die meisten Influencer genießen nur einen sehr kurzfristigen Ruhm. Die Halbwertszeit des Ruhms in den sozialen Medien ist extrem kurz, und Trends ändern sich schneller, als man „Swipe up“ sagen kann.

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Das Streben nach Luxus

Viele junge Menschen streben danach, Influencer zu werden, angelockt von der Aussicht auf schnelles Geld. Tatsächlich können einige Influencer beachtliche Summen verdienen, insbesondere durch bezahlte Kooperationen mit Marken. Doch dieses Geld ist oft genauso flüchtig wie die Abonnenten. Ein übertriebener und verschwenderischer Lebenswandel, wie er in Influencer-Kreisen praktiziert wird, führt schnell dazu, dass das verdiente Geld ebenso schnell wieder verschwindet. Designerklamotten, Luxusreisen und teure Gadgets mögen den Lebensstil eines erfolgreichen Influencers unterstreichen, aber sie hinterlassen oft ein großes Loch im Geldbeutel.

Ahnungslosigkeit

Ein weiteres, oft übersehenes Problem ist die Ahnungslosigkeit vieler Influencer in Bezug auf steuerliche Verpflichtungen. Viele junge Menschen, die plötzlich zu Ruhm und Geld kommen, vergessen, dass auch sie Steuern zahlen müssen. Das böse Erwachen kommt spätestens dann, wenn das Finanzamt anklopft und Nachzahlungen fordert. Ohne fundiertes Wissen und die richtige Beratung in Finanzangelegenheiten kann der Traum vom Influencer-Dasein schnell zum finanziellen Albtraum werden.

Follower sind keine echten Freunde

Ein besonders trügerischer Aspekt des Influencer-Daseins ist die Illusion von Freundschaften und Unterstützung. Abonnenten und Follower mögen auf den ersten Blick wie eine treue Fangemeinde wirken, doch sie sind oft genauso flüchtig wie der Ruhm selbst. Die „Freundschaften“, die auf diesen Plattformen geschlossen werden, sind häufig oberflächlich und brüchig. Wenn der Hype nachlässt, wenden sich die Follower schnell neuen, aufregenderen Persönlichkeiten zu. Echte, langfristige Freundschaften und Unterstützungsnetzwerke sind im harten Influencer-Geschäft eher selten.

So etwas ist kein Beruf

Damit ist eigentlich klar, dass Influencer kein Beruf fürs Leben ist. Es fehlen die langfristigen Perspektiven, die finanzielle Sicherheit und oft auch das Gefühl der echten, erfüllenden Arbeit. Die Jagd nach Likes, Followern und bezahlten Kooperationen ist ein ständiger Kampf gegen den Algorithmus und die Konkurrenz – ein Rennen, das nur wenige dauerhaft gewinnen können. Ein nachhaltiger, stabiler Beruf sieht anders aus.

Für junge Menschen, die von einer Karriere als Influencer träumen, ist es ratsam, sich dieser Realität bewusst zu werden. Ein solider Bildungsweg und die Entwicklung von echten beruflichen Fähigkeiten bieten weitaus bessere Chancen auf langfristigen Erfolg und Erfüllung im Leben. Influencer-Sein mag auf den ersten Blick glamourös erscheinen, doch der Glanz verblasst schnell, wenn die Realität zuschlägt.

Zuschauerverarschung

Ein weiterer Aspekt, der oft kritisch zu betrachten ist, sind die dubiosen Partnerschaften, in die viele Influencer, insbesondere Influencerinnen, eingehen. Die Aussicht auf schnelle Einnahmen führt häufig dazu, dass Produkte und Dienstleistungen beworben werden, die weder von den Influencern selbst genutzt noch als sicher und seriös betrachtet werden können. Dieser Drang nach dem schnellen Euro führt dazu, dass das Wohl der Zuschauer, die oft eine junge und beeinflussbare Zielgruppe darstellen, aus den Augen verloren wird. Die Promotion von fragwürdigen Diätprodukten, fragwürdigen Schönheitsbehandlungen oder auch minderwertigen Modeartikeln ist keine Seltenheit und zeugt von einer gewissen Rücksichtslosigkeit gegenüber den eigenen Followern.

Vorsicht: Du wirst eifersüchtig beäugt

Ein anderer problematischer Gesichtspunkt des Influencer-Daseins ist die allgegenwärtige Eifersucht auf den Erfolg anderer. In einer Branche, die von ständigen Vergleichen und Konkurrenzkampf geprägt ist, entsteht schnell ein toxisches Umfeld. Influencer sind oft besessen davon, ihre Followerzahlen, Likes und Engagement-Raten mit denen ihrer Kollegen zu vergleichen. Dieses ständige Messen kann zu Frustration und Neid führen, insbesondere wenn man sieht, wie andere Influencer scheinbar mühelos höhere Zahlen erreichen oder lukrative Kooperationen an Land ziehen.

Sie werden Dich fertigmachen

Hinzu kommt das Phänomen der sogenannten Reaction-Videos, bei denen Influencer auf die Inhalte anderer reagieren. Diese Videos können schnell zu einer Plattform für Herabwürdigung und öffentliche Bloßstellung werden. Influencer, die sich im Rampenlicht anderer sonnen wollen, nutzen solche Videos, um ihre Mitbewerber zu kritisieren und lächerlich zu machen. Diese Art von Content kann nicht nur den Ruf und das Selbstwertgefühl des Betroffenen schädigen, sondern verstärkt auch den ohnehin schon intensiven Druck, immer perfekt und erfolgreich zu sein. Das Hamsterrad der ständigen Selbstvermarktung und der Angst, von der Konkurrenz abgehängt zu werden, macht das Leben als Influencer zu einem kräftezehrenden und oft seelisch belastenden Unterfangen.

Abhängig vom Algorithmus

Ein weiterer kritischer Punkt im Leben eines Influencers ist die absolute Abhängigkeit vom Algorithmus von Plattformen wie YouTube, Instagram und TikTok. Diese Algorithmen bestimmen, welche Inhalte den Nutzern angezeigt werden, und eine geringfügige Änderung kann drastische Auswirkungen auf die Reichweite und das Engagement eines Influencers haben. Oft genügt eine Kleinigkeit – sei es ein Missverständnis im Content, eine Regelverletzung oder schlichtweg eine Änderung im Algorithmus – und der Absturz ist vorprogrammiert. Plötzlich werden die Videos nicht mehr vorgeschlagen, und die Sichtbarkeit sinkt rapide.

Noch bedrohlicher ist die Möglichkeit, dass ein Kanal wegen vermeintlicher Verstöße gegen die Richtlinien geschlossen wird, was oft aus nichtigen oder missverständlichen Gründen geschehen kann. Ohne Vorwarnung kann ein Influencer seinen gesamten Lebensunterhalt und seine Plattform verlieren. Diese Unsicherheit und Unvorhersehbarkeit machen deutlich, dass das Influencer-Dasein nicht nur von flüchtigem Ruhm, sondern auch von einem fragilen Fundament geprägt ist, das jederzeit einstürzen kann. Der schnelle Verlust von Reichweite und Einnahmen verdeutlicht, wie wenig Kontrolle Influencer tatsächlich über ihren Erfolg haben, da sie letztlich den Launen der Algorithmen ausgeliefert sind.

Leg schon mal viel Geld zurück

Ein weiterer kritischer Aspekt des Influencer-Daseins ist die ständige Gefahr, Abmahnungen von Anwälten zu erhalten. Influencer stehen oft im Fokus juristischer Auseinandersetzungen, sei es wegen Urheberrechtsverletzungen, unzulässiger Werbung oder Verletzungen von Persönlichkeitsrechten. Selbst kleine Nachlässigkeiten oder unbedachte Äußerungen können erhebliche rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Abmahnungen wegen angeblicher Verstöße können Beträge in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro umfassen, was für viele Influencer existenzbedrohend ist.

Diese rechtliche Unsicherheit zwingt Influencer dazu, ständig auf der Hut zu sein und ihre Inhalte sorgfältig zu prüfen, um teure Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden. Die Angst vor solchen Abmahnungen kann auch die Kreativität und Spontaneität einschränken, die eigentlich ein Markenzeichen der Influencer-Kultur sind. Das zeigt deutlich, dass das vermeintlich glamouröse Leben eines Influencers oft mit erheblichen Risiken und Unsicherheiten verbunden ist, die das Bild des mühelosen Erfolgs stark trüben.

Sie werden Dich besuchen kommen

Neben den scheinbaren Vorzügen des Influencer-Daseins gibt es auch die dunkle Seite in Form von sogenannten „Hatern“. Diese Personen können Influencern das Leben durch ständige, beleidigende Kommentare erheblich erschweren. Hater nutzen soziale Plattformen, um ihre Abneigung anonym und aggressiv zum Ausdruck zu bringen, was zu erheblichen psychischen Belastungen führen kann. Darüber hinaus besteht eine berechtigte Gefahr, dass diese Hater auch in das Privatleben der Influencer eindringen. Fälle, in denen Influencer vor ihrem eigenen Haus belagert wurden, sind keine Seltenheit.

Weiterhin nutzen Hater die Möglichkeit, Waren auf den Namen des Influencers zu bestellen, was nicht nur finanziellen Schaden anrichtet, sondern auch erheblichen Ärger verursacht. Eine besonders perfide Methode ist das sogenannte „Swatting“, bei dem Polizei- oder Feuerwehreinsätze ausgelöst werden, um dem Influencer zu schaden. Diese gefährlichen Aktionen können nicht nur den Influencer, sondern auch unbeteiligte Personen in Gefahr bringen. Diese Aspekte zeigen deutlich, dass das Leben eines Influencers oft von erheblichen Risiken und Belastungen geprägt ist, die weit über die Herausforderungen eines normalen Berufslebens hinausgehen.

Bildquellen:
  • Influencer: Peter Wilhelm


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Lesezeit ca.: 10 Minuten | Tippfehler melden | © Revision: | Peter Wilhelm 13. Mai 2024

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