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Von guten und schlechten Flüchtlingen

Von Peter Grohmüller

Man hat es nicht leicht, in diesen schweren Zeiten. Am 7. Oktober 1989 erhoben sich unsere geknechteten Brüder und Schwestern…oder heißt es jetzt korrekt: Unsere geknechteten Schwestern und Brüder, oder unsere geknechteten Knechte (m, w, d)? Keine Ahnung. Wie ich schon sagte: Man hat es nicht leicht, in diesen schweren Zeiten.

Jedenfalls steht besagter 7. Oktober 1989, für eine Zäsur, nämlich für den Anfang vom Ende des Arbeiter-und-Bauern-Gedöns und für den Anfang vom Ende des Sozialismus mit menschlichem was-auch-immer.

Es dauerte nicht lange, da machten Abertausende rüber… in den Westen, also zu uns. Und alsbald erhoben sich die ersten Stimmen, und knirschten die ersten Zähne: Weshalb kriegen die hier jetzt eigentlich alle gleich Rente, obwohl sie bei uns nie eingezahlt hatten?

Der einstige Ost-West-Konflikt, will meinen: „Der böse Warschauer Pakt gegen die gute NATO“, in dem wir uns über Jahrzehnte so kommod eingerichtet hatten, war „Gechichte“, wie vier Zentner Einheits-Kanzler zufrieden feststellten. Allerdings hatte er im wiedervergeigten Deutschland, oder wie das nochmal heißt, einen nervigen Rest. Also besagter Ost-West-Konflikt, nicht Kohl. Und die Welt-Genesungs-Bräsigkeit der alten Republik, sah sich zum ersten Mal wieder mit Flüchtlingen konfrontiert, seit die Landser des tausendjährigen Reiches ziemlich lädiert vom Felde nach Hause kamen.

Diesmal sah sie sich allerdings mit Wirtschaftsflüchtlingen konfrontiert – so viel Zeit muss sein, die sich einfach in unseren sozialen Sicherungssystemen breit machten…

Moment: Waren die Wirtschaftsflüchtlinge, nicht die Afrikaner, die zu Hunderten in billigen Einweg-Schlauchbooten über das Mittelmeer schipperten, unterwegs ihre Pässe versenkten und in Lampedusa dreist um „Asyl“ bettelten?

Oder die Syrer und Afghanen, die über die Karl-Mai-mäßig betitelte Balkanroute zu Millionen nach Europa strömten, und die von Sultan Recep Tayyip Erdoğan, dem brutalstmöglichen Demokraten vom Bosporus, gegen zig Milliarden harte € aus dem deutschen Steuersäckel hinter einem soliden Stacheldrahtverhau gehalten wurden?

OK, von den Ossis mal abgesehen, haben sich die Afrikaner, die Syrer, die Afghanen und weiß der Geier, welche Wirtschaftsflüchtlinge noch, eigentlich ja nur auf die Socken gemacht, weil in ihren Heimatländern Krieg, Hunger, Korruption, durchgeknallte Steinzeit-Islamisten oder alles zusammen herrschen. Und sie alle hatten gehofft, in einer Region, in der Frieden, Freiheit und Wohlstand herrschen, ein Dach über dem Kopf, etwas auf dem Teller und einen Job finden zu können, mit dem sie die Zurückgelassenen in der Heimat unterstützen könnten.

Das Dumme ist jedoch, dass Micheline und Michel mit Afrikaner, Syrern, oder Arabern nix anzufangen wissen. Erst recht nicht, wenn sie denen ein Dach über dem Kopf und etwas auf dem Teller bezahlen sollen, obwohl sie noch nie bei uns eingezahlt haben.

Das hatten die Ossis zwar auch nicht, aber die sprechen zumindest unsere Sprache. OK … nicht wirklich, aber die meisten verstehen zumindest Deutsch. Aber der Afrikaner, der Syrer oder der Araber? Vergiss es! Und jetzt muss man denen noch Deutschkurse bezahlen, damit die auf den Ämtern das Normalste der deutschen Welt kapieren, nämlich die Formulare? Hallo, geht’s noch? Dass sich Micheline und Michel darüber aufregen und eben nicht meinen, „wir schaffen das“, muss man doch verstehen, oder?

Und dann der Super-Hyper-Ultra-Gau: Am 24. Februar 2022 überfielen Truppen der russischen Föderation, unter dem Oberbefehl des Autokraten (vulgo: Machthaber) Wladimir Putin, in einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg die Ukraine und eröffneten ein infernalisches Höllenfeuer – gerade mal schlappe 1.300 km von Berlin entfernt.

Also keine ewig weite 4.300 km, wie Bagdad, das am 20. März 2003 ebenfalls in einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg überfallen wurde. Damals allerdings nicht vom Iwan, sondern von den USA unter dem Oberbefehl eines (beinahe) demokratisch gewählten Präsidenten namens George W. Bush, und alleine das ist schon deshalb etwas völlig anderes.

Genauso etwas anderes, wie die Flüchtlinge, die jetzt aus den Kriegsgebieten in der Ukraine zu Hunderttausenden zu uns strömen und hoffen, ein Dach über dem Kopf, etwas auf dem Teller und einen Job zu finden, mit dem sie die Zurückgelassenen in der Heimat unterstützen können.

Denn die Ukrainer sind schließlich unsere Nachbarn…und zudem Weiße…OK, zwar Slawen…aber immerhin Europäer, und denen muss man schließlich helfen. Das gebietet alleine schon die Menschlichkeit, dass ein derart reiches Land, wie die Bundesrepublik, den von Krieg, Hunger und Korruption gepeinigten Menschen…

Öhm, war da nicht etwas? Bitte jetzt kein fadenscheiniges Whataboutism!

Wir haben ja schließlich nichts gegen Flüchtlinge…wenn sie wohldosiert und quasi on demand zu uns kommen. Man bedenke nur, wieviele offene Stellen es alleine bei uns gibt und wie händeringend hier Arbeitskräfte gesucht werden. In den Pflegeheimen, bei der Müllabfuhr, sogar in den Großküchen der besten Hotels am Platze und in deren Wäschereien, bei den Sub-Sub-Sub-Unternehmen in der Reinigungsbranche und der Fleischindustrie, bei Amazon, in der Erotik-Branche und, und, und. Die Reihe ließe sich endlos fortsetzen.

Und komme mir jetzt keiner mit Willkür. Es sind schließlich unsere Steuergelder, die da erst einmal ausgegeben werden, bis aus den Flüchtlingen produktive Mitglieder der Gesellschaft werden. Und deshalb wird man ja zwischen guten und schlechten Flüchtlingen noch unterscheiden dürfen, oder?

Wenn wir nämlich durch die Bank alle Flüchtlinge gleich behandelten, würden sich am Ende noch ein paar tumbe AfD-Honks vom Kampfgeschwader „Björn Höcke“ im Foyer der Sozialämter vor den Schaltern für die Stütze festkleben. Und das kann nun wirklich keiner wollen.

Bildquellen

  • wirtschaftsflüchtling: Collage
Lesezeit ca.: 6 Minuten - Tippfehler melden - Peter Grohmüller 18. Dezember 2022

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