Spitze Feder

Voll die Umwelt

E Mobilität

Man muss die Sache einfach mal weiterdenken und nicht alles gleich mit dem Bade, oder wie man so sagt. Mutti hatte ja 2013 einen kühnen Plan und orakelte bis zum Jahre 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen.

Muttis Vision

Ich habe keine Ahnung, ob ihr dieses Flusensieb direkt vom Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA), oder von dessen Hardcore-Lobbyisten, Ferdinand Dudenhöffer, in den Kopf gesetzt und anschließend wortwörtlich in ihr Redemanuskript diktiert wurde. Oder ob die Frau Doktor Angela Merkel, mit ihrem lieblich verschmitzten Lächeln, es einfach nur mal so in die Medien … weil nämlich Umweltschutz, weil Null CO2-Emissionen, oder weil ihr mal wieder der Pflaumenkuchen verbrannt und Joachim deshalb sauer war.

OK, letztendlich hat es dann doch noch etwas länger gedauert, und die Marke wurde erst 2022 gerissen. Bis zum 1. Jänner 2024, stieg die Zahl dann aber kontinuierlich weiter auf insgesamt rund 1,4 Millionen E-Fahrzeuge, die aktuell durch die Republik surren. Damit sind allerdings ausschließlich 100 % elektrische Fahrzeuge gemeint! Also keine Mogel-Umweltkisten mit fadenscheinigem Plug-In-Geraffel, mit denen man garantiert 400 Meter rein elektrisch fahren kann, danach aber dann doch wieder eine Umweltsau (Verbrenner) aktivieren und seinen Anteil an der honorigen Rettung des Planeten verdünnen muss.

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E-Mobil-Schwemme

Mittlerweile überschwemmen zahllose E-Kisten einen pappsatten Markt, und weder die Hersteller noch deren PR-Agenturen können den potentiellen Kundinnen und potentiellen Kunden noch plausibel erklären, weshalb gerade ihr E-Modell das Allerallerbeste sein soll. Die Skills der schönen neuen Automobilität sind einfach zu unübersichtlich, und viele davon zudem noch so unnötig wie ein E-Kropf.

Bevor Elon Musk bei Tesla 2008 bei einem Lotus Roadster den Verbrenner rausflexte, danach mal eben ein paar E-Motoren und einen LI-Akku reindübelte und die Flunder seinen verstrahlten Jüngern für schlanke 109.000 US-$ als „Tesla Roadster“ unterjubelte, war die Welt in den Autohäusern für Micheline und Michel noch übersichtlich: Benziner, oder Diesel. Punkt! Umwelt? Welche Umwelt?

Tesla Roadster

Der zweisitzige Sportwagen hat einen 215 kW Elektromotor und kommt in 3,7 Sekunden auf 100 km/h. Die Spitzengeschwindigkeit lag zunächst bei 201 km/h (abgeregelt). Der Roadster wurde zusammen mit AC Propulsion und Lotus auf Basis des Lotus Elise entwickelt und von Lotus gebaut. Beide Fahrzeuge haben einen nur 65 kg schweren und geklebten und vernieteten Aluminiumrahmen. Der Rahmen wurde auch beim Opel Speedster verwendet. Der Wagen ist 3,94 m lang, 1,87 m breit und wiegt etwa 1240 kg.
Die Batterie besteht aus 6831 Zellen handelsüblicher 18650-Lithium-Ionen-Zellen, die auch für Notebooks verwendet werden. Bezüglich der Batterielebensdauer zeigte sich, dass die Akkus nach 160.000 km noch eine Kapazität von 80 bis 85 Prozent hatten.
Der Verbrauch liegt bei 457,2 kJ/km, was einem Benzinverbrauch von 1,49 Liter/100 km entspricht. Der Well-to-Wheel-Verbrauch (Energieeffizienz inkl. Energiebereitstellung und -erzeugung) liegt bei umgerechnet 2,2 Liter Benzin/100 km Strecke. Je nach Modell und Fahrweise reicht der Akku 200 bis 643 km. Die hohe Reichweite ist möglich, weil Elektromotoren einen höheren Wirkungsgrad haben als Verbrennungsmotoren, welche die Treibstoffenergie zu 75 % als Wärme abgeben, statt sie in Bewegung umzusetzen (25 % Wirkungsgrad bei Verbrennungsmotoren, >94 % bei Elektromotoren). Außerdem gewinnt der Elektromotor beim Bremsen Energie zurück.

Das ist doch alles nur Geschwätz

Dieses dummdreiste PR-Geschwätz penetrierte erst ein paar Jahre später Augen und Ohren der Kundinnen und Kunden. Weshalb ich die E-Mobilität so niederknüpple und den ganzen Hype als dreiste Augenwischerei betrachte, habe ich bereits in einem anderen Beitrag auf dem Dreibeinblog geschrieben und könnte mir den restlichen Text somit eigentlich schenken. Eigentlich …

Spätestens, als Elon Musk nämlich über seine intellektuelle Restmüllrampe X (vormals Twitter) ankündigte, man könne seinen Tesla auch mit Bitcoin bezahlen, wusste ich genau, dass die lächerliche Finte mit der Umweltrettung noch verlogener war, als eine XXL-Packung bei Cornflakes. OK, Elon Musk hat im März 2021 relativ schnell wieder die Reißleine gezogen, wegen der „miesen Energiebilanz“ der Krypto-Kacke. Aber die Sau war ja bereits durchs Dorf gejagt, und spätestens jetzt sollte auch dem überzeugtesten Tech-Nerd ein LED-Licht aufgegangen sein, welch ein unglaublicher Schwachsinn Muttis Vision war, noch immer ist und immer bleiben wird.

Eine Million mag ja noch gehen …

Denn man muss die Sache einfach mal weiterdenken. Aber das sagte ich ja bereits. Ab 2030 dürfen in der EU bekanntlich keine Verbrenner mehr verkauft werden. Die Volumen-Hersteller haben natürlich längst reagiert. Eine Plattform nach der anderen wir neu designt, auf der dann zig Modelle basieren – selbstredend alle voll elektrisch.

Aber was, wenn dann tatsächlich mal 5 Millionen dieser Kisten alleine in Deutschland auf den Straßen sind?
Oder 10 Millionen?

E Auto Laden

Man muss die ja alle hin und wieder laden, um damit die Umwelt retten zu können. Ob man nun ein Elektro-Floh, wie den Renault Zoe, sein Eigen nennt, einen Zweieinhalb-Tonnen-Panzer namens Audi Q8 e-tron, oder gar ein E-Hypercar, wie den Rimac C-Two mit 1.900 PS, spiel keine Rolle. Alle müssen sie irgendwann mal an die Wall-Box, oder an die Ladesäule. Punkt! Und alle mit „grünem“ Strom? Wegen der Umwelt? Der war gut!

Bei einer durchschnittlichen Dauer, von der Planung, über die Genehmigung und den Bau einer großen Anlage „im industriellen Maßstab“, vergehen stets Jahrzehnte. Ob PV, Wasser-, oder Windkraft spiel dabei keine Rolle. Es wird sich garantiert eine äußerst seltene Käferart finden, die just an der Stelle, an der eine solche Anlage entstehen soll, ihr allerallerletztes Habitat im gesamten Sonnensystem bewohnt, und sofort tritt eine Bürgerinitiative auf den Plan, die mit ihren E-Autos anreist und dort ein Hüttendorf aus nachhaltigem Holzeinschlag errichtet.

„Grüner Strom? Ja gerne! But not in My Back-Yard.“

Grüner Wahn

Vielleicht sollte man es den Krypto-Hasardeuren gleichtun, um genügend Saft für die 10.000.000 E-Autos und letztendlich für die Rettung der Umwelt…oder so. 2020 bescherte nämlich die hippe Bitcoin-Mining-Firma „Marathon“, dem Uralt-Braunkohlekraftwerk Hardin, im US-Bundesstaat Montana, eine wundersame Renaissance. Die verweste Deckschleuder war nämlich schon so gut wie tot. Sie blubberte nur noch ein paar müde Megawatt für die nostalgischen Genmais-Farmer in der Umgebung aus den Schornsteinen.
Aber dann sicherte sich „Marathon“ den kompletten Strom aus Hardin und errichtete in der Nähe ein Datenzentrum mit mehr als 30.000 Servern. Deshalb stieg Hardins CO2-Ausstoß im zweiten Quartal 2021 auch um mehr als 5.000 % an.

Win win

Mein Gott: Hätten wir diesen Strom, man könnte E-Autos kaufen und laden, bis der Arzt kommt! Das wäre eine Win-win-Situation für alle. Für die äußerst seltene Käferart, für die umweltbewussten Besitzerinnen und Besitzer eines Elektro-Flohs, wie dem Renault Zoe, eines Zweieinhalb-Tonnen-Panzers namens Audi Q8 e-tron, oder eines Hypercars, wie dem Rimac C-Two mit 1.900 PS und, last but not least, eine späte Genugtuung für Frau Doktor Angela Merkel … und für die Umwelt.

Mit der Lösung könnte man die Braunkohle-Deckschleudern in der Lausitz und im Pott zur Rettung der Umwelt mit ins Boot nehmen, oder sogar ein paar neue bauen. Und so lange es noch so lange dauert, bis die LI-Akkus wieder nennenswert geladen sind, könnten die Umweltretterinnen und Umweltretter dabei chillen, sich eine Latte-Macchiato mit Bio-Hafermilch gönnen und sie mit Bitcoin bezahlen. Cool, oder? Voll die Umwelt!!!

Bildquellen:
  • e-auto-laden: Peter Wilhelm KI
  • e-mobilitaet: Peter Wilhelm KI


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Diese Kolumne schreibt vorwiegend Peter Grohmüller seine Gedanken zur Welt und dem Geschehen unserer Zeit auf.
Seine fein geschliffenen „Ergüsse“ – wie er selbst sie nennt – erfreuen sich großer Beliebtheit.

Hin und wieder erscheinen in dieser Kolumne auch Beiträge anderer Autoren, die dann jeweils entsprechend genannt werden.

Die Texte sind Satire, Kommentare und Kolumnen. Es handelt sich um persönliche, freie Meinungsäußerung.

Für die Texte ist der jeweilige Autor verantwortlich.

Lesezeit ca.: 8 Minuten | Tippfehler melden | © Revision: 5. Mai 2024 | Peter Grohmüller 5. Mai 2024

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