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Spitze Feder

Susi Sorglos

Anfang der Achtziger war ich im Mannheimer Rosengarten bei einem Auftritt von Otto Waalkes. Ich kannte zwar annähernd das komplette Programm bereits von einer LP, ich habe mich stellenweise trotzdem beinahe weggeschmissen vor Lachen.

Heute finde ich es gelinde gesagt eher peinlich, wenn ein Mittsiebziger noch genauso auf der Bühne herumkaspert, wie ein Berufsjugendlicher und mehrfach abgelutschte Kalauer von sich gibt. Aber, wem´s gefällt…

Ich erinnere mich aber noch ziemlich gut an ein Gedicht, dass der Ostfriese damals zum Besten gab: Susi Sorglos sitzt zu Hause und fönt ihr Haar, Schabadu und Schabada. Der Föhn beginnt plötzlich zu sprechen und erzählt, er sei ein verwunschener Prinz und Susi solle ihn küssen, damit er dadurch von seinem Los…oder so ähnlich. Gesagt, getan, aber Susi hält plötzlich einen Rasierapparat in der Hand. Der Föhn hatte gelogen. Daraufhin lässt sich Susi einen Damenbart wachsen, und so lebten die beiden glücklich und zufrieden…wie gesagt: Kalauer.

Heute fällt mir zu dieser Kunstfigur, eine real existierende Susi ein, die sich ebenfalls keine Sorgen machen muss, zumindest keine finanziellen, denn sie ist unermesslich reich. Ihr geschätztes Vermögen wird auf 21 Milliarden € taxiert. Jene Leserinnen und Leser, die sich durch meine ausladende Einleitung nicht haben abschrecken lassen, wissen natürlich längst, von wem ich rede: Von Susanne Hanna Ursula Klatten, geborene Quandt.

Sie war 2018 die reichste Frau Deutschlands, denn sie hat 20,9 % der Anteile an BMW geerbt, als ihr Vater, der Firmenpatriarch Herbert Quandt, 1982 das Zeitliche segnete. Für ihren jüngeren Bruder, Stefan Quandt, gilt das Gleiche in Sachen Sorglosigkeit. Denn der Herr Papa hat auch ihm einen ordentlichen Batzen hinterlassen. Sei Vermögen wird von Forbes sogar auf 24,7 Milliarden US-$ geschätzt, was 22,5 Milliarden € entspricht. Cool, für die beiden, oder?

Um den Grundstock dieses sagenhaften Vermögens aufzubauen, musste sich der Sippengründer Günther Quandt allerdings auch mächtig ins Zeug legen. Er stammte zwar nicht aus ärmlichen Verhältnissen, seine Vorfahren waren eine reiche Tuchweberfamilie, die aus den Niederlanden einwanderte, aber erst eine fruchtbare Zusammenarbeit seiner Waffenschmiede mit den Nazis, bedeutete Günters Durchbruch in Richtung Krösus.

Den Doppelwumms für Günther Quandt brachte die glückliche Fügung, dass ihm der Führer kostengünstig Zwangsarbeiter für die Produktion zur Verfügung stellte. Ob dies ursächlich damit zusammenhing, dass Günthers Ex, Magda Quandt, geborene Behrend, 1931 den späteren Propagandaminister Joseph Goebbels ehelichte und fürderhin als Magda Goebbels, zwischen all den devoten Nazi-Schranzen, etwas Noblesse auf den Obersalzberg brachte, kann man unterstellen…wenn man partout etwas Böses unterstellen möchte.

Nun, das Dritte Reich ist ja bekanntermaßen Gechichte, wie ein Pfälzer Denker mit der Gnade der späten Geburt sagen würde, so er denn noch lebte. Heute haben Susanne und Stefan auf Papas Grundstock ein riesiges Firmenkonglomerat aufgebaut und machen in Karbon, Chemie, Logistik, Windkraft, Pharma, Solarenergie und Immobilien. Da sie jedoch äusserst traditionsbewusste Milliardäre sind, halten sie natürlich auch weiterhin ihre 47% Aktien an BMW.

In der Corona-Krise haben sich die beiden vermutlich an besagte kostengünstige Arbeitskräfte ihres Altvorderen erinnert und von der Bundesagentur für Arbeit einige Hundert Milliönchen € an Kurzarbeitergeld eingestrichen. Über die genaue Summe, und ob auch die Zwangsarbeiter…Öhm, sorry, das war jetzt wohl ein Freudianischer meinerseits. Was ich eigentlich sagen wollte: Über die genaue Summe, und ob die Leiharbeiter der vielen Sub-Sub-Unternehmen ebenfalls in den Genuss der Staatsknete kamen, oder ob sie über windige Werksverträge in den Arsch gekniffen waren, darüber hüllen sich Brüderlein und Schwesterlein in vornehmes Schweigen…wegen der immernoch gepflegten Noblesse. Muss man verstehen, oder?

Aufgrund der staatlichen Zuwendungen, erzielte BMW jedenfalls in besagtem Corona-Jahr einen Rekordgewinn. Susanne und Stefan ereilte das gleiche gütige Schicksal. Denn sie mussten von ihrer kargen Milliarde €, die sie an Dividende bekamen, gottlob ja nichts abgeben. Selbstredend auch keine Beiträge zur Sozialversicherung. Denn die Politik achtet im allerbesten Deutschland aller Zeiten nämlich strikt darauf, dass die Leistungsträger nicht über Gebühr belastet werden. Den seinen gibt´s der Herr im Schlaf, sagt man im Römisch Katholischen Bayernland doch immer so so schön. Vergelt’s Gott!

Ist auch besser so. Denn sonst hieße es vermutlich nicht mehr: Susi Sorglos

Bildquellen

Spitze Feder – Spitze Zunge

Diese Kolumne schreibt vorwiegend Peter Grohmüller seine Gedanken zur Welt und dem Geschehen unserer Zeit auf.
Seine fein geschliffenen „Ergüsse“ – wie er selbst sie nennt – erfreuen sich großer Beliebtheit.

Hin und wieder erscheinen in dieser Kolumne auch Beiträge anderer Autoren, die dann jeweils entsprechend genannt werden.

Die Texte sind Satire, Kommentare und Kolumnen. Es handelt sich um persönliche, freie Meinungsäußerung.

Für die Texte ist der jeweilige Autor verantwortlich.

Lesezeit ca.: 5 Minuten | Tippfehler melden | © Revision: | Peter Grohmüller 27. November 2023

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