Qui prodest? Gedanken zum Krieg gegen der Terror

charlie

Nachdem die sogenannten Leitmedien sich wohl genötigt sehen, sämtliche Balken ob deren bedrohlicher Durchbiegung abzuschaffen, pflege ich jedwede Meldung auf die Frage hin zu untersuchen: qui prodest? Das kommt aus dem Lateinischen, hört sich mächtig gebildet an und bedeutet übersetzt: wer profitiert davon? Man könnte die Frage auch dahingehend formulieren: weshalb tritt die schreibende Zunft nebst deren Kollegen der öffentlich rechtlichen Funk- und Fernsehhäuser ihren originären Auftrag einer sachlichen Berichterstattung in die Tonne und liefert statt dessen dummdreiste Propaganda? Auf das Erbärmlichsten festzustellen bei der Berichterstattung über den sogenannten Krieg gegen der Terror?

Seit der Amtszeit eines grenzdebilen Cowboys mit ausgeprägter Dysfunktionalität, der vom Oval Office aus den Nahen Osten in Brand steckte, muss man diese Fragen einfach stellen, da die Weltöffentlichkeit in der jüngeren Geschichte wohl niemals dreister belogen, das Völkerrecht niemals übler mit Füßen getreten wurde, als unmittelbar vor dem Überfall der USA auf den Irak.

Gedanken zum Fest von Peter Grohmüller
Gedanken zum Fest von Peter Grohmüller

Um in die wirre, zunehmend hysterische Diskussion um das Thema Terrorismus und dessen Bekämpfung auf eine rationale Ebene zu setze, halte ich es für angebracht, sich zunächst einmal über die begriffliche Definition von Terror und/oder Terrorismus im Klaren zu werden.

„Das Ausüben von Terror zur Erreichung politischer, wirtschaftlicher oder religiöser Ziele nennt man Terrorismus.“

Wenngleich die Internetenzyklopädie WIKIPEDIA in akademischen Kreisen als Quelle verpönt sein mag, erlaube ich mir trotzdem, daraus zu zitieren:

„Terror (lat. terror „Schrecken“) ist systematische und oftmals willkürlich erscheinende Verbreitung von Angst und Schrecken durch ausgeübte oder angedrohte Gewalt, um Menschen gefügig zu machen. Laut Resolution 1566 des UN-Sicherheitsrates sind „terroristische Handlungen solche, die mit Tötungs- oder schwerer Körperverletzungsabsicht oder zur Geiselnahme und mit dem Zweck begangen werden, einen Zustand des Schreckens hervorzurufen, eine Bevölkerung einzuschüchtern oder etwa eine Regierung zu nötigen und dabei von den relevanten Terrorismusabkommen erfasst zu werden“.“

Und nun der, für meine weiteren Gedanken zum Krieg gegen der Terror, wichtigste Satz: „Das Ausüben von Terror zur Erreichung politischer, wirtschaftlicher oder religiöser Ziele nennt man Terrorismus.“

Diese Definition kann man auf die marodierenden Vollidioten von Al-Quaida, Boko Haram, IS und Konsorten getrost anwenden; nur sollte man bitteschön die Religion aussen vor lassen. Selbst wenn blutsaufende IS-Schlächter und Selbstmordattentäter jeweils „Allahu Akbar“ skandieren, bevor sie zur Tat schreiten, die Köpfe der genannten Organisationen sind allesamt Psychopathen, stinknormale Verbrecher, die ausführenden Handlanger religiös verstrahlte Idioten, deren einziger Lebensinhalt darin zu bestehen scheint, sich im Paradies mit zahllosen Jungfrauen den nicht vorhandenen Verstand aus dem Hirn zu vögeln.

Aber weshalb wird von Terrorismus ausschließlich im Zusammenhang mit dem Islam gesprochen? Qui prodest? Vielleicht, weil wir uns arrogant bis zynisch anno 2016 als State of the Art darstellen? Weil diese merkwürdig archaische Religion der Entwicklung faktisch 600 Jahre hinterherhinkt, also quasi das dunkle Mittelalter in der glänzenden Neuzeit darstellt, oder besser gesagt sich dieser entgegenstellt und sich als Feindbild somit geradezu aufdrängt?


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Fakt ist, dass es wesentlich einträglicher ist, den Krieg gegen den Terror zu führen, als ihn zu gewinnen. Ergo hält man ich immer schön am Köcheln. In dieser unserer schönen, gerechten demokratischen, westlichen Welt der Neuzeit schossen nach dem 11. September die Firmen der Spionage- und Sicherheitstechnik, der Privatarmeen, will meinen: Auftragskiller wie Pilze aus dem moralisch verfaulten Boden. Einige davon sind heute gar börsennotiert, Milliarden schwer und haben illustre Mitglieder in ihren Aufsichtsräten. Und da diese Unternehmen schließlich an die Jobs ihrer Mitarbeiter, die Boni ihrer Manager und die Dividenden ihrer Aktionäre denken müssen – muss man ja verstehen, kommt ihnen die explosive Lage in manchen Regionen des Globus äusserst zu pass.

Fakt ist, dass es wesentlich einträglicher ist, den Krieg gegen den Terror zu führen, als ihn zu gewinnen.

Und nun meine Frage: ist es abstrus, zynisch, oder gar beides, davon auszugehen, dass diese Firmen nach den gleichen ökonomischen Prinzipien operieren, wie ein Hersteller von Grillsaucen, und dass sie den Absatz ihrer Produkte und Dienstleitungen ebenso ankurbeln und steigern möchten, wie Knorr, Heinz oder Maggi?

Bei Grillsaucen bedient man sich des Fernsehens und ballert zwischen Nachrichten und Vorabendsoap Werbung von glücklichen Familien, dämlich grinsend am Grill im Garten hinter dem Wüstenrot-Reihenmittelhaus stehend, in die guten Stuben. Wie sieht aber die PR aus, wenn man Waffen verkaufen möchte? Ganz einfach: man schürt Angst. Am besten eine irgendwie diffuse Angst, eine die sich nicht greifen lässt, die einen immer irgendwie durch den Alltag begleitet. Und dann gibt man ihr ein Gesicht. Beispielsweise das, eines ehemaligen Despoten, den man jahrelang mit Waffen und Geld zugeschissen hat, weil er zufälligerweise den gleichen Leuten an die Gurgel wollte, wie man selbst, aber aus irgendwelchen ethischen Gründen nicht so richtig konnte. Frei nach dem Motto: der Feind meines Feindes ist mein Freund. Eine perfide, jedoch lukrative Haltung – irgendwo zwischen Machiavelli und Clausewitz. Der Rest ist bekannt, der Irak ist verbrannt. Reimt sich sogar. Aber das ist eine andere Baustelle.

Anyway: seit die westliche Koalition der Willigen den Irak in die Steinzeit gebombt, Ägypten, Libyen und ähnliche Sicherungsanker der Demokratie in der arabischen Welt von der Kette ließen, breitet sich in der kompletten Region ein zottelbärtiger, Pyjamahosen tragender Mob geradezu epidemisch aus, massakriert Hunderttausende und sichert traumhafte Renditen für die weltweite Rüstungsindustrie, die jeden beliefert, der das nötige Kleingeld auf die Theke legt; den Mob und die Anti-Terror-Armeen. Ein wunderbarer, ewiger, niemals versiegender Quell der Freude. Chapeau!

Und da die Waffenhersteller aus deutschen Landen von diesem paradiesisch dicken Kuchen selbstreden auch ihr Stück abhaben, sprich: ebenfalls alle, den Mob und die Anti-Terror-Armeen beliefern wollen, muss deren Exporte aus formaljuristischen Gründen vorher dummerweise noch der Bundessicherheitsrat, bestehend aus Angela Merkel, Peter Altmaier, Frank-Walter Steinmeier, Ursula von der Leyen, Wolfgang Schäuble, Thomas de Maizière, Heiko Maas, Sigmar Gabriel, Gerd Müller und anderen zustimmen. Ist nun mal Gesetz hierzulande, aber darüber hinaus kein Problem. Hat bisher immer funktioniert.

Blöd nur: Welt und Reibach könnten so schön sein, würden die Irren ihre blutigen Scharmützel zunehmend in Europa führen.

Blöd nur: die Welt und der Reibach könnten so schön sein, würden die Irren ihre blutigen Scharmützel in letzter Zeit nicht zunehmend in westeuropäischen Metropolen führen. Jetzt haben wir ein Heer von ausgebombten Flüchtlingen in der Nachbarschaft, plus diejenigen, die doch eigentlich durch den Gebrauch unserer Qualitäts-Wummen in ihrer Heimat die Arbeitsplätze in deutschen Waffenschmieden und die Apanage von Dirk Niebel sichern sollten. Sind eben nicht nur nützlich, sondern auch irgendwie scheiße, diese Terroristen, oder?

Die bisher hirnrissigste aber erwartungsgemäße Reaktion zu diesem Dilemma kommt – natürlich – aus dem Hause des preussischen Berufs-Paranoiden Thomas de Maizière: die totale Überwachung, Billionen von Kameras, am besten noch auf jeder Toilette, massive personelle und finanzielle Aufstockung der Sicherheitsorgane und endlich den Einsatz der Bundeswehr im Inneren. OK, ich gebe es zu: das war geflunkert und eine hundsgemeine, aber doch keine zu utopische Unterstellung, oder?

So hat selbst die inflationäre Anwendung der Vokabel Terrorismus letztendlich auch ihr Gutes. In diesem Sinne: viel Spaß bei der Tagesschau, der heute-Sendung, beim ZDF-Spezial, dem ARD-Brennpunkt, mit dem Terrorismus-Experten Elmar Theveßen, Wolfgang Bosbach und vielen, vielen andern. Und immer daran denken, wenn sie alle durcheinander reden, fordern, oder es schon immer gewusst haben: Qui prodest?


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7 thoughts on “Qui prodest? Gedanken zum Krieg gegen der Terror

  1. Peter, wirst du jetzt auch ein Aluhutträger?
    Du schreibst von «Leitmedien», «Propaganda» und «Fakt ist, …».

    Wirklich sehr schade, dass du nun auch auf den Verschwörungstheoretiker-Zug aufspringst.

    Ich war 6 Jahre treuer Leser. Das war’s wohl hiermit.

    1. @Eisenheim:

      Es ist unglaublich, wie die Deutschen wieder für Verschwörungsideologien empfänglich sind. Leute wie du, Peter Grohmüller sind das Problem!

      Ich kann es vor allem nicht fassen, dass Peter Wilhelm solche Beiträge hier auch noch duldet.

      Ich bin wirklich, echt enttäuscht!

      1. @Eisenheim: So solltest Du das nicht sehen!
        Ich bin ja froh über Deinen Kommentar! Sieh mal, Peter Grohmüller ist ein herausstechender Denker. Aber er denkt mit seinem Kopf seine Gedanken und die bringt er zu Gehör.
        Er beleuchtet das Zeitgeschehen immer mit sehr viel kritischem Zynismus und sehr spitzer Zunge.
        Deshalb erscheinen seine Artikel auch in der speziellen Kategorie „Spitze Feder“.

        Sie sollen keine Meinung machen. Sie sollen mit zur Meinungsbildung beitragen.
        Du kannst völlig anderer Meinung sein, Peter Grohmüller wird Dich dafür lieben!
        Nur sollen die Leute eben einer eigenen Meinung sein und nicht das Vorgekaute nachkauen. Dafür schreibt Peter Grohmüller und diskutiert mit Herzblut.

        Er will nicht, dass Du seinen Text schön oder gut findest. Er will, dass Du sagst: Das ist mal ein Standpunkt! Und dann sagst Du, wie Du das siehst.

        Das darf gerne ein ganz anderer Standpunkt sein.

        Ich muß auch nicht Peters Meinung sein und finde es trotzdem klasse, dass er seine Meinung sagt.

        Hör auf, Dich zu ärgern 🙂

  2. @Eisenheim

    Wichtig für mein ackerndes Hirn ist, dass die Leser meinen Texten Aufmerksamkeit schenken und sich damit auseinandersetzen, nicht, dass sie meine Meinung teilen. Dass Du meine Gedanken zum Krieg gegen der Terror en passant in die Schmuddel-Ecke der Verschwörungstheorien stellst, zeigt für mich, wie exzellent die Indoktrination über gefilterte Informationen wirkt. Die Verwendung des Wortes „Verschwörungstheorie“ ist ein beliebtes Totschlagargument. Nichts ist effizienter, als eine Meinung, die dem Mainstream zuwider läuft, mit dieser Vokabel zu diskreditieren. Dass Du mich allerdings mit den den braunen PEGIDA-Brüllaffen und ihrem Geschwurbel über die „Lügenpresse“ gleichsetzt, ist völlig daneben.

    Bevor ich mich an den Rechner setze und meine Gedanken notiere, ist es zumeist ein längerer Prozess. Oft sind es kleine Nebensätze, über die ich stolpere, und dann beginne ich zu recherchieren. Der Zusammenhang des Krieges gegen der Terror und einer Milliarden-Dollar-Industrie ist kein Hirngespinst meinerseits; das kann man in dem unglaublichen Buch „Krieg um jeden Preis“ des zweimaligen Pulitzer-Preisträgers James Risen nachlesen, wenn man will, und sich eben nicht mit Convenience News zufrieden gibt.

    Noch eine Bitte: mein Freund und Namensvetter Peter bietet vielen Gedanken und (auch Deinen) Kommentaren ein Podium, auch wenn er sie nicht unbedingt teilt. Das nenne ich gelebten Respekt. Etwas, das in der Welt zum raren Gut wird und gepflegt werden sollte.

  3. @Eisenheim

    Nachtrag: Sicher wusstest Du, dass der US-Verteidigungshaushalt weltweit und mit weitem Abstand auf Platz eins liegt. Unter den 15 führenden Nationen, die ebenfalls zig Milliarden für Kriegsgerät verprassen, geben die USA mehr Geld aus, als die 14 folgenden zusammen! Und das ist keine Verschwörungstheorie. Nachzulesen unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Verteidigungsetat
    Wofür? Durch welches Szenario bzw. von wem sehen sich die USA derart bedroht? Und brauchen sie ob dieser Bedrohung zu Ihrer Verteidigung wirklich über 600 Milliarden Dollar – jährlich? Wohl kaum. Ein Bruchteil würde genügen. Welches Interesse sollten die US-Hersteller also an einem Weltfrieden und somit an dem völligen Zusammenbruch ihres Marktes haben? Deshalb noch einmal die Frage: Qui prodest?

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