Start Uncategorized Oberlehrer Olbertz erklärt das Bloggen
  • Oberlehrer Olbertz erklärt das Bloggen

    Einen guten Scherz zum Wochenende veröffentlicht blogscout.de-Macher Dirk Olbertz in seinem Artikel „In 6 Schritten zum besseren Blogger“.

    Sechs Punkte hat er aufgeschrieben, um den Bloggern die Bloggerei zu erklären. An und für sich ja ein löbliches Unterfangen, nur ist das meiner Meinung nach dermaßen in die Hose gegangen, daß es schon fast den Charakter von Realsatire hat.

    Unter Punkt 1 beispielsweise möchte er den Bloggern (und vielleicht vor allem den Bloggerinnen) die Blogparaden und die Blogkarnevals vermiesen. „Nehmt nicht an Blogkettenbriefen teil“ lautet seine Aufforderung und er meint dazu, ein guter Blogger käme selbst auf gute Themen und müsse nicht die in solchen Aktionen vorgegebenen Themen aufgreifen.

    Ich persönlich bin auch kein großer Freund von solchen Aktionen, dazu gehören auch die zahlreichen „Stöckchen“ usw. Aber ich persönlich bin auch kein Freund des Dauercampens und des Schrebergärtnerns und dennoch fiele es mir im Traum nicht ein, den Dauercampern oder Schrebergärtnern erklären zu wollen, ob sie das was sie tun, tun oder lassen sollen. Jedem das Seine!

    Bei Punkt 2 holt Olbertz dann schon weiter aus und bedient sich mit der Vokabel „Klickhurerei“ der großen Kelle. Man solle seine Feeds nicht verunstalten, rät er und statt des guten Rates, Feeds künftig in Grün zu gestalten, was mir persönlich gut gefallen würde, weil Grün meine Lieblingsfarbe ist, meint er:

    Gekürzte RSS-Feeds, […] stören.

    Da frage ich: Wen?

    Ob Feeds nun in Gänze oder gekürzt ausgeliefert werden, ist doch immer auch eine Auffassungssache. Dem einen ist es egal, er liefert volles Programm auf allen Kanälen, der andere möchte lieber, daß die Leute den Feed quasi als Probierhäppchen sehen und das volle Programm dann auf seiner Seite erleben sollen. Hier zu fordern, daß anständige Blogger komplett zu liefern haben, ist gleichbedeutend mit der ebenso blöden Forderung, die Filmindustrie solle keine Trailer mehr kostenlos mitgeben, sondern immer gleich den ganzen Film.
    So im Vorbeigehen bläst Olbertz auch noch mal kurz zum Kampf gegen den more-Tag und schreibt „Tod dem mehr…-Link“.

    Dabei übersieht er aber, daß der more-Tag, für viele Blogger eine sehr wichtige Funktion hat. Einerseits nutzen viele den „weiterlesen“-Link, um auf ihrer Startseite eine Vielzahl von Themen anreißen zu können, die man dann bei einem Klick auf den Link ganz lesen kann. Andererseits ist MORE auch deshalb wichtig, weil man Bilder, Videos usw., also alles was die Ladezeit einer Startseite verlangsamt, hinter diesem Link ablegen kann. So laden die Seiten schneller und bieten dem Besucher eine bessere Performance.

    So und jetzt kommt mein MORE-Link:

    Am Besten noch an diesem Abschnitt finde ich, daß Olbertz gleich mal etliche tausend Blogger entmündigt, die so verfahren wie er das gerne nicht hätte, indem er ihnen ins Gebetbuch schreibt: „…ihr diskriminiert damit die ehrlichen Leser.“
    Und das von dem, der zwei Zeilen darüber geschrieben hat: „Alles andere ist Klickhurerei und kein Stück besser als die Webangebote der herkömmlichen Medien.“
    Ja, ist klar!

    Man soll auch nicht für Google schreiben belehrt uns Herr Olbertz weiter und damit hat er Recht. Er verkennt aber, daß gute SEO-Arbeit nichts damit zu tun hat, für Google oder eine andere Suchmaschine zu schreiben. Blogger schreiben für ihre Leser, bestensfalls für viele Leser und ungünstigenfalls (womit viele ja sehr glücklich sind) ganz für sich alleine. Aber soviel Eitelkeit darf auch ein Herr Olbertz jedem Blogger zugestehen, der da meint, gute Berichte und Artikel zu schreiben und alles daran setzt, damit diese auch gut in den Suchmaschinen gefunden werden.
    Den Gedanken an die Auffindbarkeit bei Google & Co. gemäß Herrn Olbertz Empfehlung zu verdrängen, würde bedeuten, daß beispielsweise auch Buchautoren ihre Texte an irgendwelche Bäume nageln und hoffen, daß zufällig jemand vorbeikommt um sie zu lesen.
    Ganz zu vergessen scheint Olbertz aber, wieviele Weblogs einen nicht unerheblichen Teil des Einkommens ihres Betreibers einbringen.
    Und komme mir jetzt keiner, der da über die Kommerzhuren schimpft. Mir ist ein kommerzielles Weblog mit guten Inhalten allemal lieber als eine Augenkrebsseite, mit dümmlichen Texten aber wahnsinnig viel Idealismus.
    Ich jedenfalls bin mit den „paar Stammlesern“, auf die uns Olbertz zwangsbescheiden will, nicht zufrieden. Dies ist das beste Weblog der Welt mit dem besten Autoren der Welt und den geilsten Lesern der Welt; und von diesen geilen Lesern bekomme ich gar nicht genug. So ist nämlich meine eitle und selbstverliebte Sicht der Dinge und nicht die neue Bescheidenheit, die uns Mr. BlogScout da predigt.


    Anzeige




    Im nächsten Punkt, es ist schon der vierte, belehrt uns Herr Olbertz, man solle keine anderen Blogbeiträge zusammenfassen.
    Er meint damit wohl Artikel wie: „Bei Mausi habe ich gelesen…blabla….“
    Ja, aber warum soll man das denn bitteschön nicht tun?
    Ich habe täglich x Leser, der gute StoiBär hat täglich y Leser und die Schnittmenge ist z. Vermutlich ist die Schnittmenge sehr klein.
    Wenn mir nun ein Artikel bei StoiBär gefällt, dann weise ich meine Leser darauf hin, denn auch wenn Herr Olbertz das ba-pfui findet, halte ich es eher für unwahrscheinlich, daß meine Leser bei hunderttausenden von Weblogs ansonsten ausgerechnet auf diesen interessanten Artikel gestoßen wären.
    Durch dieses gegenseitige Aufeinanderhinweisen, vergrößert sich die Schnittmenge z und genau das ist Web 2.0
    Dadurch, daß man einen Kommentar in dem anderen Weblog abgibt, erreicht man etwas völlig anderes, aber nicht das, was man mit dem Zitieren und Verlinken eines Artikels erreichen wollte.

    Und bevor wir uns mit Punkt 5 von Olbertz Erklärungen befassen, wollen wir noch einmal kurz tief Luft holen, damit wir hinterher genug Puste zum Lachen haben. Dirk Olbertz ist der Betreiber von einem der beliebtesten Statistikdienste im Internet. Er mag das anders nennen oder anders sehen, aber jedenfalls sammelt er die Besucherzahlen und Besucherdaten der bei ihm angemeldeten Weblogs und stellt die in Toplisten und Reichweitenlisten zusammen. Vermutlich verdient er damit sogar ein bißchen Geld, jedenfalls ist Werbung auf den Seiten von blogscout.de geschaltet.

    So und jetzt kommt sein Ratschlag Nr. 5: „Ignoriert eure Statistiken, Höre auf über den 1.000 Besucher zu jubeln. Macht euch keine Sorgen, weil ihr in irgend einem Ranking abgefallen seit.“

    Und wenn man sich vom Lachen erholt hat, darf man sich noch kurz belehren lassen, was ein guter und ein schlechter Blogger ist:

    „Gute Blogger schauen sich Statistiken an, weil sie mitbekommen wollen, von wo auf sie verlinkt wird, um dann dort an den Diskussionen teilnehmen zu können. Alles andere interessiert sie nicht.“

    An und für sich ist Dirk Olbertz ja ein netter Mensch, wie es scheint und deshalb vermute ich, daß seine Erklärungen möglicherweise ja satirisch gedacht waren. Dazu passt dann nämlich sein sechster Punkt ganz prima:

    Lasst euch nicht Sagen, was ihr zu tun habt

    Das gilt besonders für irgendwelche Listen, die euch sagen wollen, wie ihr irgendwas mit eurem Blog besser machen könnt. Gute Blogger schauen nicht nach rechts oder links, wenn sie ihre Beiträge schreiben. Sie tun es, weil genau dieser Beitrag schon seit Wochen auf der Seele brennt und endlich raus muss. Und gute Blogger wollen auch nicht belehren und Tipps geben. Sie lassen jeden so bloggen, wie er/sie möchte.

    „Sie lassen jeden so bloggen, wie er/sie möchte.“

    GENAU!


    Anzeige




    -Anzeige-

    Mehr verwandte Artikel laden

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

    Lies bitte auch

    Top Ansprechpartner finden, wenn man ausgesperrt ist

    Sind Sie ausgesperrt, Sie haben Ihren Schlüssel abgebrochen oder verloren und Sie suchen e…