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König Carl-Gustav und Königin Silvia von Schweden und das Wirtsehepaar Schellenberger aus Ladenburg

König Carl-Gustav und Königin Silvia von Schweden und das Wirtsehepaar Schellenberger aus Ladenburg

Am Wochenende waren die Schellenbergers in der Zeitung. Die rührigen Wirtsleute aus Ladenburg, die ich schon seit vielen Jahren, noch von den Anfängen ihrer gastronomischen Gehversuche im wirteverschlingenden und mittlerweile endgültig geschlossenen „Zum Eichbaum“ in Feudenheim kenne, und die vor einiger Zeit ausgerechnet Königin Silvia und König Carl-Gustav von Schweden weggeschickt hatten.

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Bild:

//dreibeinblog.de/dreibeinblog/39-satire/31572-kleine-nachhilfe-fuer-ladenburger

Damals spottete ich unter dem Titel „Kleine Nachhilfe für Ladenburger“ ohne weiteren zynischen Kommentar über die Geschichte. Wenn ich es noch richtig im Ohr habe, war es so, daß die Schellenbergers in ihrem Restaurant „Zum güldenen Stern“ im August eine große Hochzeitsgesellschaft zu bewirten hatten, als das schwedische Königspaar draußen Platz genommen hatte. Heute äußern sich Michael und Nadine Schellenberger so, daß sie sagen, die Entscheidung, das Königspaar wegzuschicken und sich ganz und gar auf die fest gebuchte Hochzeitsgesellschaft zu konzentrieren, weil man auch gar nicht erkannt habe, um wen es sich da handele, sei vollkommen richtig gewesen. Zeige es doch, wie sehr sich das Team des „Güldenen Sterns“ um seine geschlossenen Gesellschaften kümmere.

König Carl-Gustav und Königin Silvia von Schweden und das Wirtsehepaar Schellenberger aus LadenburgKönig Carl-Gustav und Königin Silvia von Schweden und das Wirtsehepaar Schellenberger aus Ladenburg

Aus gastronomischer und persönlicher Sicht, ist diese nun kolportierte Sichtweise natürlich durchaus verständlich, bleibt aber der doch etwas misslungen wirkende Versuch einer nachträglichen Rechtfertigung. Tatsächlich ist es doch so, daß sich jeder Gastwirt über prominenten Besuch freut und -ganz egal wie stark die Servicekräfte in andere Feiern eingebunden sind- alles tun würde, um die Königin von England, den Dalai Lama, Präsident Obama oder eben die Schwedenkönigsleute zu bedienen.

Es springt garantiert ein hübsches Foto der Prominenten gemeinsam mit den Wirtsleuten dabei heraus, das über Jahrzehnte die Gaststube an prominenter Stelle zieren wird und Kunde davon geben wird, daß hier auch die gekrönten Häupter der Welt gelegentlich mal tafeln.

Es kann mir keiner erzählen, daß sich so eine Gelegenheit irgendein Wirt in der Region entgehen lassen würde.

Auch die Ausrede, man hätte an einem solchen Tag, da man anderweitig so eingebunden war, den Ansprüchen der Royalen eventuell nicht gerecht werden können, zieht nicht wirklich. Denn wenn Königs an einem schönen Sommertag sich irgendwo in einen Biergarten oder eine Außenbewirtung setzen und das ohne großes Gefolge und ohne vorherige Anmeldung, dann wollen die auch keine großen Ansprüche erfüllt wissen, sondern schlicht und ergreifend einfach was zu trinken und eventuell eine Kleinigkeit zu essen. Mehr nicht. Und das sollte es ja wohl überall in Ladenburg problemlos geben, auch wenn man sich gerade um eine Hochzeitsgesellschaft kümmert.

Grotesk wird es aber, wenn die Wirtsfrau schulterzuckend sagt, sie kenne diese Leute gar nicht oder habe sie jetzt nicht erkannt, weil sie keine „Yellow-Press“ lese. So wurde es erzählt.
Nun, Leute wie Jenny Elvers-Elvertzhagen (oder so) und Veronika Feldbusch-Pooth oder eine bohlenverschlissene Naddel, die muss man wirklich nicht kennen, obwohl die uns von den Medien als Prominente dargeboten werden. Solche Leute bedienen einen gewissen Markt und das mag durchaus der Markt der Eitelkeiten sein, an dem man eben als Ladenburger Wirtsfrau kein Interesse hat. Das ist auch gut so und dafür hat der Chronist Verständnis. Aber Königin Silvia und König Carl-Gustav von Schweden sind nicht einfach nur prominent, weil sie mal mit irgendeinem anderen Prominenten verheiratet waren oder weil sie bei „Big Brother“ in einem Container eingesperrt waren oder weil sie auf der Hartz 5-Stufe nagekommen sind und das Dschungelcamp besucht haben. Nein, sie sind Repräsentanten eines Staates, Stellvertreter eines ganzen Volkes, sie sind ein König und eine Königin und sie zu kennen, ja das hat einfach auch etwas mit Allgemeinbildung zu tun.

Bleibt aber noch ein kleiner Punkt, den ich zugunsten der wirklich sehr netten und rührigen Wirtsleute in die Waagschale werfen muss. Tatsächlich ist es so, daß wir ja fast alle Prominente nur aus dem Fernsehen oder den einschlägigen Magazinen kennen. In der Realität sehen sie ganz anders aus, wirken auf uns völlig fremd, sind oft dicker, als wir es vermuten, kleiner, dünner, größer oder faltiger und älter oder schlichter gekleidet oder mit Sonnenbrille verkleidet…. Kurz gesagt: Es ist überhaupt keine Schande, wenn man einen Promenten mal gar nicht erkennt. Man ist ja auch in einer Situation, in der man gar nicht damit rechnet, jetzt unvermittelt und unmittelbar mit dem schwedischen Königshaus konfrontiert zu werden.

Das bedeutet: Selbst wenn man König Carl-Gustav und seine aus Heidelberg stammende Frau Silvia kennen würde, es ist durchaus verständlich, daß man sie in privater Umgebung bei einer unvermittelten Gegenüberstellung gar nicht erkennt.

Und das ist auch gar nicht die Wunde, in die ich jetzt nochmals Salz streuen will. Shit happens! Und Frau Schellenberger und ihr Mann werden sich am liebsten wohl selbst in den Allerwertesten beißen, daß das Ganze so passiert ist. Lieber hätte sie es sicher anders gehabt und dafür ein positives Medienecho kassiert.

Aber jetzt im Nachhinein das Ganze so umzudrehen und zu sagen, die getroffene Entscheidung sei richtig gewesen und beweise, daß man sich von einer fest gebuchten geschlossenen Gesellschaft nicht einmal durch die Royalen abbringen läßt, das wirkt wie eine billige, nachgeschobene und nachträglich ausgedachte Ausrede. Und die haben die Schellenbergers gar nicht nötig! Frau Schellenberger ist eine ganz Hübsche und Freundliche und ihr Mann Michael ein erstklassiger Koch. Man könnte sich einfach über die Sache stellen und sagen: „Das ist einfach dumm gelaufen, shit happens, Scheiße!“ und mit einem fetten Grinsen ob der vertanen Chance und der verpassten Gelegenheit zugeben, daß man einfach daneben gegriffen hat. Das wäre menschlich und würde Sympathien und Verständnis einbringen.

Jedwede Rechtfertigung in der jetzt vorgetragenen Art hingegen hinterlässt den Beigeschmack des nachträglich Ausgedachten.

 

 

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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peter wilhelm autorenlesung
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  1. anna
    anna 7 November, 2011, 17:28

    nanana, doch ein bisschen neidisch auf so viel publicity?

    Antwort auf diesen Kommentar
    • Roland
      Roland 7 November, 2011, 17:36

      [quote name=“anna“]nanana, doch ein bisschen neidisch auf so viel publicity?[/quote]

      Wer? Peter?
      Gestern in Bayern 1, vorgestern im WDR, heute im SPIEGEL, Montag im mdr…
      Meinst Du wirklich, der Mann und Bestsellerautor braucht so eine Publicity? Lächerlich 🙂

      Antwort auf diesen Kommentar
    • Dieter
      Dieter 8 November, 2011, 14:32

      [quote name=“anna“]nanana, doch ein bisschen neidisch auf so viel publicity?[/quote]

      Auf solche Publicity würde ich auch scheissen, mal ehrlich gesagt. Wer will schon als Depp da stehen?

      Antwort auf diesen Kommentar

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