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  • Kehraus auf sozialdemokratisch

    Die Sozialdemokraten habe es endlich geschafft! Zumindest jene Sozialdemokraten des Berliner Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf. Hat aber auch saulange gedauert, wenn ich mir diese unflätige Ausdrucksweise erlauben darf.

    In jenem Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf hat die Schiedskommission der SPD nach zähem Ringen, nach eingehender, verantwortungsvoller Prüfung und Abwägung sämtlicher Aspekte, die Zukunft des sozialen Miteinanders betreffend, und nach gewissenhafter Überlegung, Bla, Bla, Rhabarber…Die Berliner Sozen haben also beschlossen, dass Thilo Sarrazin, aus der Partei ausgeschlossen werden darf. So eine Art Kehraus auf sozialdemokratisch.

    Was war geschehen? Für all diejenigen, die sich an die Gründe für dieses lächerliche Bohei nicht mehr erinnern können: Thilo Sarrazin, der ehemalige Finanzsenator der Bundeshauptstadt, hat sich seit seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik intensiv mit Forschungen auf dem Gebiet der Eugenik beschäftigt und seine Erkenntnisse in einem höchst kontrovers diskutierten Buch veröffentlicht.

    Darin beschreibt er, neben einem von ihm höchst selbst entdeckten Judengen, auch die intellektuelle Minderwertigkeit der Bewohner des osmanischen und des arabischen Raumes. Als Résumé seiner rassehygienischen Erkenntnisse postuliert er die schleichende Verblödung der Bundesrepublik durch die unkontrollierte, massenhafte Zuwanderung von Angehörigen jener genetisch wertlosen Volksgruppen.

    Aufgrund dieser faschistoiden, literarischen Exkremente befanden die Sozialdemokraten, dass Sarrazin mit seinen Äußerungen aber sowas von…dass er gegen die Grundsätze der Partei verstoßen habe, und dass er sich deshalb vom Acker machen muss. Der SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sagte hierzu in einem Interview, dass er deshalb die Entscheidung der Schiedskommission ausdrücklich begrüße. Man sehe sich in der eigenen Haltung bestätigt.

    Um es gleich vorweg zu sagen, und um nicht den Eindruck zu erwecken, ich hegte etwa auch nur einen Hauch von Sympathie für Sarrazin: Ich empfand ihn schon immer als Kotzbrocken und mochte diesen aufgeblasenen Dummschwätzer, der sich sein ganzes berufliches Leben stets auf Kosten der Steuerzahler durchgeschnorrt hat, noch nie.

    Insofern geht es mir auch meilenweit am Arsch vorbei, aus welcher Partei, oder aus welchen Gremien dieser ätzende Parvenü hinauskomplementiert wird, oder ob und bei welchen Brunnenvergiftern er zukünftig seinen xenophoben Dreck verbreiten wird. Es ist mir schlicht und ergreifend scheißegal.

    Aber da sich dieser Beitrag um den Kehraus auf sozialdemokratisch und „die eigene Haltung SPD“ dreht, drängt sich mir schon die eine oder andere Frage auf, wenn ich an den einen oder anderen Promi aus dem Arbeiter und Bauernverein denke, der nicht nur mit schafsdämlichen Äußerungen, sondern mit aktivem Handeln auf das Übelste gegen die Grundsätze der Partei verstoßen hat.

    Offensichtlich scheint die Stringenz der sozialdemokratischen Entscheidungskraft zu schwächeln, was besagte Promis betrifft. Denn bisher ist noch niemand auf die Idee gekommen, auch diese einem längst überfälligen Parteiausschlussverfahren anheim zu stellen.


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    Beispiel gefällig? Bitteschön:

    Gerhard Schröder ist meines Wissens noch immer Mitglied der SPD, obwohl man ihn nach sozialdemokratischem Verständnis bereits 1999 in hohem Bogen aus dem Willy Brandt-Haus hätte hinauskomplimentieren müssen. Warum?

    Als Kanzler hatte Gerhard Schröder 1999 die Bundesrepublik Deutschland bekanntlich an einem illegalen Angriffskrieg der NATO gegen Jugoslawien beteiligt, wie er Jahre später als weltweiser Elder-Statesmen bei einem Interview mit der Zeit, jener Trutzburg deutschen Qualitätsjournalismus, selbstgefällig zu Protokoll gab.

    Also ich finde schon, dass der gewaltsame Tod Abertausender eine härtere Nummer ist, als das hirnrissige Geschwafel einen grenzdebilen Pseudo-Soziologen, oder? Kein Grund für ein Parteiausschlussverfahren? Kein Grund für Kehraus auf sozialdemokratisch? Was mir gerade einfällt: Ist Schröders Kellner, sein ehemaliger Aussenminister Joschka Fischer eigentlich noch Mitglied bei den friedliebenden Grünen?

    Und was ist mit Fischers damaligem parlamentarischen Staatssekretär Frank-Walter Steinmeier? Ihr erinnert Euch an seine Performance in der Causa Murat Kurnaz? Die war weder sozial, noch demokratisch, sondern einfach nur ekelerregend. Ist der eigentlich noch in der SPD? Oder gab es da auch einen Kehraus? Da fällt mir gerade ein: Der ist ja jetzt Bundespräsidenten, und im Schloss Bellevue ist es Usus, die Parteimitgliedschaft aus Gründen der Neutralität ruhen zu lassen.

    Und was ist mit den Genossen Rudolf Scharping, Hans Eichel, Otto Schily…haben die alle noch ihre Parteibücher? Ich nehme es jedenfalls mal an. Wisst Ihr was, Leute? Ich glaube, dass der Kehraus auf sozialdemokratisch, den die SPD gerade versucht, mit aufgeblasenem PR-Trara werbewirksam an Sarrazin zu exerzieren, einfach nur ein substanzloser Pups ist, weil sie ihre Felle davonschwimmen sieht. Mehr nicht.

    Bild Sarrazin (Crop): Von Lesekreis – Eigenes Werk, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31949930


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    1 Kommentar

    1. E.S.

      19. Juli 2019 at 16:52

      Danke für diese ehrlichen Worte zu Sarrazin und der SPD.
      Wie sozialdemokratische Politik im Jahr 2019 geht zeigt jetzt die dänische Regierung.
      Entschlossen und zackig. Nicht dieses Tranfunselige der deutschen jedem recht machen wollenden SPD. Von Merkel schon längst auf der linken Seite überholt. In der Klimathematik lichtjahre von den Grünen entfernt. Diese einst stolze Arbeitnehmerpartei geht in Richtung Einstelligkeit.

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