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  • In China ist ein Sack Reis geplatzt

    Von Peter Grohmüller

    Schon gehört? In China ist ein Sack Reis geplatzt. Das Britische Königreich, besser gesagt, das, was von dem einstigen, glorreichen Imperium in der ersten Dekade des 21. Jahrhundert noch übrig ist, ausser der peinlich vorgetragenen Attitüde, noch immer ein solches zu sein…das vereinigte Britische Königreich hat also in einem Referendum beschlossen, kein Mitglied der Europäischen Union mehr sein zu wollen.

    Und das Absonderlichste an dieser absonderlichen Schmierenkomödie namens Brexit ist dabei nicht die peinliche Selbstinszenierung der aktuellen Hausherrin in Downing Street 10 als Jeanne d’Arc der Britischen Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, die ihrem großen Vorbild Maggy Thatcher nicht ansatzweise das arrogante Brackwasser reichen kann, sondern die lächerlich Wahlbeteiligung derer, die die Suppe dereinst mal auslöffeln dürfen, wenn die Köpfe der durchgeknallten Separatisten längst vergessen und/oder begraben sind: Die Gruppe der 18 bis 34-jährigen, die sich jetzt kopflos in den sozialen Netzwerken zu NGOs-Light zusammenrotten und zu jeder Demo das passende Themen-T-Shirt aus Kinderarbeit in Bangladesch tragen.

    Aber, wie sagt der Brite in solchen Momenten: So what?

    Dass die Briten die Europäischen Union verlassen, ist also beschlossen und verkündet und deshalb ein alter Hut, der in nahezu jeder Nachrichtensendung irgendwann einmal mit triefendem Bedauern von der Studiogarderobe gepflückt, in die Kamera gehalten und in jeder der gleichermaßen inflationären, wie sinnlosen Polit-Talk-Shows bedauert wird, um…ja um was eigentlich?

    Es muss irgend etwas mit Propaganda zu tun haben. Wobei man fairerweise anmerken muss, dass man sie in diesem Falle Wladimir Putin ausnahmsweise nicht unterjubeln kann. Die Intension, in geradezu gebetsmühlenhafter Wiederholung vor terroristischen Bedrohungen zu warnen, oder notfalls auch solche zu inszenieren, wie am 25. Juli 1978, als der niedersächsische Verfassungsschutz mit der Operation Feuerzauber ein Loch in die Justizvollzugsanstalt Celle sprengte, um diesen terroristischen Anschlag der damals noch aktiven RAF unterzujubeln, ergibt ja noch einen Sinn, wenngleich einen perfiden:

    Die gezielte Einschüchterung der Bevölkerung und deren fatalistische Zustimmung in eine geradezu schicksalhaft erscheinende, in jedem Fall alternativlosen Überwachung selbiger, nebst der Abschaffung verfassungsverbriefter Grundrechte, wie jenes auf informelle Selbstbestimmung, die Unschuldsvermutung oder die Unverletzlichkeit der Wohnung, um nur einige zu nennen.

    Aber was zu Geier rechtfertigt einen solch medialen Hype, den Austritt des vereinigten britischen Königreiches aus der EU betreffend, in einer journalistischen Endlosschleife Brexit genannt, der mittlerweile wie ein lästiger Hausierer ständig an der Tür klingelt und mit erhobenem Zeigefinger das vermeintliche Armageddon verkündet?

    Mittlerweile kann sich der informierte Medienkonsument als Insider des politischen Geschehens fühlen, wenn er bei Latte-Macchiato aus dem Stegreif die verschiedenen Szenarien, wie harter oder weicher Brexit, kennt und mit ernstem Claus-Kleber-Duktus erklären kann. Man hat sich an die diverse Formen dieser vermeintlich schicksalhaften Entscheidung längst gewöhnt, wie an die schrill-bunten Schautafeln über der Theke eines Fast-Food-Restaurants, die selbst einem adipösen Analphabeten gestatten, sich ohne Begleitung seinen Lieblings-Junk zu bestellen.


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    Aber wo bitteschön ist eigentlich das Problem, wenn die Briten nun mal partout nicht mehr dazugehören wollen? Es gibt derzeit 194 offiziell anerkannte, souveräne Staaten, wenn man die zweifelhaften Kriterien der UN als gegeben betrachtet, dass ein Staat von den Vereinten Nationen anerkannt sein muss, um als solcher zu gelten. Wie man weiß, gehören aktuell 28 von diesen UN-zertifizierten Staaten der EU an. Es gibt also mithin 166, nach dem „CIA World Factbook“, das von 267 sogenannten „Einheiten“ spricht, sogar 239 Staaten, die nicht der EU angehören.

    Zugegebenermaßen sind die meisten der 166 und/oder 239 ziemlich weit weg von den Europäischen Aussengrenzen, oder gar von den Deutschen, wie jene im Hindukusch. Gleichwohl schotten die Bundesrepublik Deutschland unter dem Oberbefehl einer promovierten, adligen Vetternwirtschaftlerin und die Europäische Union, über ihre Gefechtseinheit namens FRONTEX, diese Aussengrenzen mit Waffengewalt gegen all jene Länder ab, die nicht zu EU gehören, zu deren Wohlstand sie jedoch erheblich beitragen „durften“…freiwillig, oder wahlweise auch durch UN-zertifizierte Knebelverträge (vulgo; Freihandelsabkommen). Im schlimmsten Fall unter tatkräftiger Hilfe des Welt-Banken-Kartells IWF, wenn nicht gar durch eine Koalition der Willigen.

    Und jetzt überlege ich mir, welchen Beitrag die Briten bisher zum Wohlergehen der EU geleistet haben? Ich gehe davon aus, dass die 27 der aktuell 28 Mitgliedsstaaten mit diesem Beitrag wohl kaum jene kulinarischen Absurditäten wie gekochtes Lammfleisch in Pfefferminzsauce meinen können, oder die Pies. Jene über jeglichen Verdacht der Gaumenfreude erhabenen Aufläufe.

    Vielleicht meinen die unter vorauseilendem Trennungsschmerz bittere Krokodilstränen plärrenden Medien mit substantiellem Beitrag ja die astronomischen Summen, die in den Zocker-Banken der Londoner City von hochkriminellen Investmentbankstern mit ebensolchen „Finanzprodukten“ erbeutet, oder in den Sand gesetzt wurden und noch immer werden…je nach Sichtweise.

    Möglicherweise aber auch die geschätzten 3.000 Milliarden €, die die Europäischen Steuerzahlerinnen und Steuerzahler bis zum Sankt-Nimmerleinstag zu berappen haben, weil die Blase mit den versifften Junk-Bonds anno 2010 platzte und die nächste schon wieder in den Startlöchern steht. Wer weiß?

    Oder handelt es sich eher um Breuers Peanuts, wie den impertinenten Britenrabatt? Jene willkürlich getroffene Vereinbarung, der zufolge dem Vereinigten Königreich ein Sonderstatus gegenüber allen anderen EU-Mitgliedern dergestalt zugestanden wird, dass die Briten weniger an Beiträgen in den EU-Topf einbezahlen. Zwischen 1985 und 2014 waren das immerhin über 111 Milliarden €.

    Vielleicht ist die ganze mediale Seifenoper um einen harten, einen weichen oder um welchen Brexit auch immer, einfach nur eine Nebelkerze. Das erbärmliche Geheul eines siechenden, verfaulenden Systems namens Globalisierung. Man könnte auch sagen: Der verzweifelter Versuch sich einfach nicht eingestehen zu wollen, dass der Brexit der erste Dominostein von 28 einer zusammenfallenden Illusion sein könnte.

    Bild: 3dman_eu / Pixabay


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