Im Tollhaus

„Das ist ja hier wie im Tollhaus“. Diese Anmerkung kommt meist dann zu Einsatz, wenn vergeblich versucht wird, völlig abstruse Geschehnisse sinnvoll einzuordnen. Man behilft sich der Einfachheit halber damit, solchen Zeitgenossen, die in jene abstrusen Geschehnisse involviert sind, intellektuelle Dysfunktionen zu attestieren – sprich: Die haben nicht alle Latten am Zaun. Laut der Internetenzyklopädie Wikipedia versteht man unter Tollhaus: „Die historische Form einer Wohnstätte für Geisteskranke“.

Ja, OK, wird die Leserschaft nun vielleicht ungeduldig fragen, das ist doch ein uralter Hut. Gemach Leute, hier folgt die Erklärung für den Sinn dieser Zeilen, respektive deren Überschrift auf dem Fuße:

Die Staatsanwaltshaft München II ermittelt in der sogenannten Diesel-Affäre gegen das Kraftfahrtbundesamt wegen des Verdachts auf Strafvereitelung im Amt.

Das muss man sich mal auf der Zunge, oder sonstwo…Eine Landesbehörde ermittelt gegen eine Bundesbehörde! Krass, nicht wahr? „Das ist ja wie im Tollhaus“, würde hier passen. Aber eigentlich müsste man das geflügelte Wort aus gegebenen Anlass präzisieren und im vorliegenden Falle vom „Diesel-Tollhaus“ sprechen.

Wie mittlerweile bis in den kleinsten Weiler um Ingolstadt vorgedrungen sein dürfte, hat Audi bei den Angaben um die Abgaswert der verbauten TDI-Motoren…nun ja, sie haben schon ein Wenig geflunkert…um es im typischen Politiker-Sprech eines Andreas Scheuer auszudrücken. Jenseits der rechtsfreien Diaspora bajuwarischen Brauchtums sieht man das Ganze allerdings schon etwas anders. Man spricht von massenhaftem, organisiertem Betrug und von gezielter Irreführung der Behörden.

Und deshalb ist die zuständige Staatsanwaltshaft München II auf den Plan getreten, um diese Vorwürfe einer juristischen Prüfung zu unterziehen. Zu diesem Zweck kontaktierte sie kurzerhand besagtes Kraftfahrtbundesamt, um sich aus dessen untadeliger Expertise ein eigenes, umfassendes Bild…oder so ähnlich.


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Dumm nur, dass man sich in jenem hohen Hause hinter Gutachten einmauert, die man, für eine Bundesbehörde höchst merkwürdig, aus hastig zusammengetackerten Versatzstücken dubioser Provenienzen erstellt hat, ohne eigene Messungen an den fraglichen Dieselmotoren vorzunehmen. Hä???

Und weil das alles ziemlich modrig nach Verschleppung riecht, mit dem Ziel, die vier Kringel aus Oberbayern vor Belästigungen durch die Justiz abzuschirmen, ist der Staatsanwaltshaft München II dann schlussendlich der Kragen geplatzt…mit den oben erwähnten Ermittlungen wegen des Verdachts auf Strafvereitelung im Amt.

Auf der Bundespressekonferenz vom 2. Juli 2019 erklärte Simone Buser, die Sprecherin des Verkehrsministeriums, auf Anfrage eines Journalisten, wie man diese Situation bitteschön zu verstehen habe, dass also die Staatsanwaltshaft München II aufgrund ungenügender Kooperationsbereitschaft gegen das Kraftfahrtbundesamt wegen des Verdachts auf Strafvereitelung im Amt ermittle…das Kraftfahrtbundesamt arbeite wunderbar mit der Staatsanwaltschaft zusammen.

Na dann ist ja alles in Butter. Und wenn Hajo Tacke, der Leiter der Staatsanwaltshaft München II, irgendwann einmal den Saustall aufgeräumt haben sollte, kann er ja über die A8 nach Karlsruhe brettern und bei seinem Kollegen Peter Frank auf ein Käffchen reinschneien. Peter Frank ist nämlich der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof, spielt also in der juristischen Liga ganz oben und sollte allmählich mal in die Gänge kommen, wenn er seinen Job wirklich ernst nimmt. Denn auf seinem Schreibtisch müssten sich die Baupläne für zig Tollhäuser zur Bearbeitung stapeln….


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