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IKEA und die Kotznudel

IKEA und die Kotznudel

Du führst eine gute Ehe? Deine Frau ist lieb und nett? Du hast noch regelmäßig Sex und verstehst Dich auch sonst mit Deiner Frau ganz gut?

Na prima!

Wenn Du das innerhalb weniger Minuten ändern willst, dann fahre mit Deiner Frau zu IKEA.
Angenommen es fehlt in der Küche noch ein Unterschrank, es ist sonnenklar, daß da nur ein 80 cm breites Schränkchen hinpasst, darüber habt ihr lange gesprochen, es mehrfach ausgemessen und euch den Artikel auch schon aus dem IKEA-Katalog ausgesucht.

Nun besteht die Kunst nur noch darin, eben mal schnell zu IKEA zu fahren, durch das ganze IKEA-Haus durchzulaufen, das muß man ja immer, dann unten im Lager aus Regal 23, Fach 19 das passende Schränkchen herauszuziehen und an der Kasse zu bezahlen.
Bei normalem Andrang an den Kassen dürfte das, na sind wir mal großzügig, in einer guten halben Stunde erledigt sein.

Die Allerliebste fragt mich nach meinen Tagesplänen, ich sage, daß ich mittags eben zu IKEA will, das sei ja nur ein Klacks.

IKEA und die KotznudelIKEA und die Kotznudel

„Och, da könnt‘ ich doch mit, oder?“

Warum nicht? Wir waren schon länger nicht mehr aus, da könnte die Gute ja etwas Abwechslung gebrauchen. Vorsichtshalber sage ich aber sofort und wiederhole das auch noch einmal kurz vor unserer Abfahrt: „Aber ich geh‘ da nur schnell rein, hole das Schränkchen und bin 5 Minuten später wieder draußen.“

„Jaja.“

Kaum haben wir den IKEA-Laden betreten, verstärkt sich die natürliche Gravitation unseres Planeten um das 5-fache. Die Allerliebste ist kaum noch in der Lage ihre Füße vom Boden zu heben, sie verlangsamt ihre ohnehin nicht große Höchstgeschwindigkeit um Faktor x, multipliziert das mit der Wurzel aus der mittleren Lichtgeschwindigkeit und setzt dann ein Minuszeichen davor. Sie klebt also förmlich am Boden fest. „Ach ist das sühüüüüüüß!“

Die schlimmsten Sätze aus Frauenmund, vor allem bei IKEA, beginnen mit: „Könnten wir nicht…“

Ich meine, so ein IKEA-Laden ist ja riesengroß und der mittlere LOLLEBOLLE sieht bei denen nahezu verloren aus, quasi wie ein Vogelschiss im Grand Canyon. In unserer Wohnstube würde der LOLLEBOLLE aber keine Luft mehr zum Atmen lassen und die Wände des Wohnzimmers haben es, neueren Gerüchten zur Folge, auch nicht vor sich um einige Meter nach außen zu bewegen.

Mann versucht dann geduldig seiner Frau klar zu machen, daß man erstens nicht wegen eines völlig überflüssigen LOLLEBOLLES gekommen ist und zweitens die ursprünglich gesteckte 5-Minuten-Ruck-Zuck-Frist abzulaufen droht.

„Niiiiiiiiiie kann ich mal in Ruhe hier was angucken. Immer bist du so fürchterlich in Hektik“, mault die Allerliebste, schaut mich beleidigt an, das kann sie besonders gut, macht einen Schmollmund und klebt weiterhin am Boden fest.
Ich ziehe an ihren Armen, drücke, schiebe, fluche, hilft nix, die klebt.

Etwa 45 Minuten und drei BJÖNRSTRÖMS und vier LAKPAKS später, die wir alle nicht gekauft haben, sind wir endlich an der Lagerwand und packen das ursprünglich gewünschte Schränkchen auf den Wagen.
Doch zwischen mich und die Freiheit hat der Schwedengott noch den IKEA-Bazar gestellt.

Die fußbaldfeldgroße Schnäppchenzone vor den Kassen wurde von schwedischen Scheidungsanwälten erdacht, davon bin ich überzeugt.
Überall sieht man keifende oder wimmernde Frauen, die sich mit ihren Händen in den Verkaufsständen festkrallen und man sieht Männer, die nur eine Hand frei haben, um ihre sich windenden Frauen mit sich ziehen wollen. Die andere Hand haben sie schützend vor Mund und Nase gelegt, denn im IKEA-Bazar ist immer der Frauen Wunderwaffe Nummer Eins mit aufgebaut: Die Duftkerze! Nicht nur eine, nein Tausende stinkender, erbärmlicher Duftkerzen, die einem schier den Atem abschneiden, die Luft stocken lassen und unsere Frauen in einen benebelten Zustand des Kaufrausches versetzen sollen.

Auf Männer wirken Duftkerzen, das haben internationale Forschungen ergeben, ja nur potenzmindernd und brechreizfördernd. Und wer will schon männlich erschlafft kotzend über der Schüssel hängen?
Da hilft nur eins: Luft anhalten, die Frau mit beiden Händen packen und ab durch die Kasse.

Da muß man auch mal grob sein, da muß man sich auch mal durchsetzen!

Ich kriegen wieder einmal nicht alles in den Kofferraum und beinahe hätten wir die Gießkanne PISSNÄLK und das Schaukelpferd HOPPEHOPP dalassen müssen. Insgesamt sind es dieses Mal nur 40 Päckchen und Pakete. Aber wenn ich die Allerliebste aufs Dach schnalle, dann passt erstens alles in den Wagen und zweitens riecht sie dann zu Hause auch nicht mehr nach Duftkerze.

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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