Satire

Ich hab ja nix gegen Euch

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„Nee, nich falsch verstehen, ich hab ja nix gegen Euch. Ich hab überhaupt nix gegen Neger. Ihr seid ja auch Menschen, irgendwie. Ich mein, guck mal, der Asamoah, der Aubameyang oder der Mohammad Ali, das sind ja auch welche von Eurer Sorte. Ich weiß, daß ihr auch gut singen könnt, Stevie Wonder, Ray Charles oder da der Kinderficker, dieser Michael Jackson. Wenn einer watt kann, dann is datt ja gut.“

„Ich komme aus Somalia…“

„Schön da! Löwen, Savanne, Zebras und am lustigsten finde ich die Äffchen.“

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„…Die Milizen haben unsere ganze Familie getötet. Meinem Vater haben sie das Genital abgeschnitten und ihn verbluten lassen, meine Mutter ist von einer Gruppe vermummter Kämpfer zu Tode vergewaltigt worden und die Kinder wurden mit den Köpfen solange auf die Stufen geschlagen, bis sie tot waren…“

„Schlimm, sowas, wirklich schlimm. Wir waren ja vor Jahren mal in Kenia, im Safari-Club, war sehr schön. Die ganzen Cocktails waren all-inclusive. Die Neger, die uns da bedient haben, waren aber alle sehr, sehr nett. Ich sach ja, ich hab nix gegen Euch.
Könntet Ihr nich von Eurem Dorf alle in solche Clubs gehen und arbeiten? Ihr habt es doch eigentlich sehr schön da in Afrika. Die Neger im Club sahen nicht so aus, als ob es denen schlecht ginge. Heute können wir uns solche Urlaube auch nich mehr leisten, bin seit acht Jahren arbeitslos und mit 42 kriegste nix mehr, ich hab ja Rücken, das ist mal ein Schicksal! Rücken!“

„Bei uns gibt es keinen Tourismus, bei uns gibt es nur Tod, Folter und Hunger.“

„Jetzt kriegt Ihr ja was zu essen. In Eurem Lager habt Ihr ja alles. Ihr kriegt doch mehr als wir Hartz-IV-Empfänger. Alles auf unsere Kosten. Taschengeld, Grundversorgung, Essen und Trinken frei und ein Dach überm Kopf. Ist ja fast wie Urlaub mit Vollpension.“

„Wir haben ein Zelt vom Roten Kreuz, da wohnen 46 Menschen auf engstem Raum, aber das ist okay. Wir beklagen uns nicht, wir sind froh, daß wir unser Leben retten konnten. Alles was wir besaßen ist für die Flucht draufgegangen.“

„Schön mittem Schiff übers Mittelmeer, ja? So’ne Kreuzfahrt auf dem Mittelmeer wollten meine Heidrun und ich ja auch mal machen. Uns langt das Geld für sowas nicht.“

„Das war kein Spaß. Das Schiff war für 78 Personen zugelassen und wir waren über 300 an Bord. Zwei andere Schiffe, die mit uns gestartet sind, sind untergegangen, alle ertrunken.“

„Gibt ja genug von Euch. Vermehrt Euch ja wie die Karnickel. Weiß man doch, Neger und ihre langen Dinger, den ganzen Tag nur Ficki-Ficki, ha ha ha ha…“

„Wir sind doch nicht zum Spaß gekommen.“

„Nee, ich sach ja, ich hab nix gegen Euch, wirklich nicht. Ich hab ja auch nix gegen Schwule, Zeugen Jehovas oder Zigeuner… Obwohl, das mit den Zigeuner ist ja so eine Sache… Die klauen, wie die Raben. Da müßte man mal was machen. Und die Muslime, die mit dem ganzen Islam und so. Wie is datt eigentlich, kriegt Ihr da extra Essen im Lager, ohne Schwein?“

„Wir sind Christen.“

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„Muß ja schlimm sein, wenn man nich alles essen darf. Also ich könnte nich leben ohne so’n richtig schönes fettes Nackensteak. Und Bauchlappen!“

„Wir sind froh, daß wir was zu essen bekommen.“

„Ja, meinetwegen können’se die ganzen armen Leute retten, wenn die dann später wieder nach Hause gehen. Ihr habt’et doch schön da wo Ihr herkommt. Okay, wenn jemand arbeitet, dann is datt eine Sache – und integrieren müsst Ihr Euch. Datt is mir wichtig. Wenn’se sauber sind und nich klauen, dann find ich datt mit den Flüchtlingen gar nicht so schlimm.“

„Wir sind nicht geflohen, weil uns das Land nicht gefallen hat; wir sind nicht geflohen, damit es uns wirtschaftlich besser geht. Wir sind geflohen, weil die Milizen ganze Dörfer und Städte ausradiert haben. Zum ersten Mal sind wir geflohen, als nachts unser Dorf überfallen wurde. Dreihundert Kilometer auf dem Lastwagen. Wir haben alles verloren. Dann wurde es auch am neuen Ort zu gefährlich und wir sind zum zweiten Mal geflohen. Als dann bei einem Milizangriff fast die ganze Familie ausgerottet wurde, sind meine Frau, meine Schwägerin und ich nach Europa…“

„Die meisten kommen ja, weil sie hier Sozialhilfe kriegen. Dann klauen die noch, und schicken das Geld dann in die Heimat. Wie gesagt, wenn die wieder gehen, dann is‘ ja alles gut. Unser Land is‘ ja auch irgendwann mal voll, und noch ’ne Moschee brauchen wir auch nich‘. Ich mein‘, ich geh ja nich in die Kirche, wir sind ausgetreten, wegen der Kirchensteuer, aber unsere katholischen Kirchen dürfen nicht mehr läuten und von Euren Moscheen schreit den ganzen Tag der Muezzin!“

„Wir sind Christen.“

„Schwule, ja, Schwule, das ist ja auch so’ne Sache. Ich bin ja tolerant. Kann ja jeder machen watt er will. Aber bei manchen is eben watt in der Erziehung falsch gelaufen. Die haben eben keine Frau abgekriegt und dann werden sie zum Hinterlader. Watt so Leute zu Hause machen, das geht mich ja nix an und das is mir auch egal. Aber wenn’se so beim Street Day sich zur Tunte machen und so angemalt und mit Stöckelschuhen… Nee, da könnt‘ ich kotzen! Einfach an die Wand stellen, sach ich immer.“

„An die Wand stellen?“

„Ja, jetzt nicht so! Ich bin ja friedlich, ich bin ja tolerant, also ich hab ja nicht mal ein Luftgewehr. Aber wenn’se an Kinder gehen, ich mein jetzt die Abartigen, dann sofort den Schwanz abschneiden und an die Wand stellen. Mit schwul fängt das an und dann gehen’se an die Kinder. Schlimm sowas!“

„Alle Schwulen an die Wand stellen? Oder in die Gaskammer?“

„Nee, natürlich nich! Das war beim Hitler so. Das wollen wir ja nich, datt so Zeiten nochma‘ kommen. Bloß nicht. Mein Opa hat auch den Juden geholfen. Der hat einem Juden sogar mal ein Silberbesteck abgekauft, bevor der weggekommen is‘. Der hat denen geholfen, kann man nich‘ anders sagen. Nee, nee, das mit den Juden war schon schlimm. Aber so ein starker Mann, so einer, der sagt, wo es lang geht, das bräuchte Deutschland mal wieder. Das war gar nicht so schlecht, da gab es keine Arbeitslosen und da wurden auch die Autobahnen gebaut. So gesehen war die Zeit ja gar nicht so schlecht, die hatten schon gute Ideen. Nur datt mit den Juden, das hätten’se anders machen müssen. Da bin ich natürlich dagegen, is‘ ja klar. Aber wenn man datt schon macht, ich mein, das war ja damals Gesetz, dann eben richtig. Guck ma, bei dem Zigeuner zum Beispiel, da sind ja doch viele übrig geblieben….
Ey, wo willste denn hin? Ich bin doch gerade so schön mit Dir am Erzählen! Bleib doch mal stehen!
Sach mal, wo gehste hin?“

„Nach Hause.“

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    Satire ist eine Kunstform, mit der Personen, Ereignisse oder Zustände kritisiert, verspottet oder angeprangert werden. Typische Stilmittel der Satire sind die Übertreibung als Überhöhung oder die Untertreibung als bewusste Bagatellisierung bis ins Lächerliche oder Absurde.

    Üblicherweise ist Satire eine Kritik von unten (Bürgerempfinden) gegen oben (Repräsentanz der Macht), vorzugsweise in den Feldern Politik, Gesellschaft, Wirtschaft oder Kultur.

    Lesezeit ca.: 8 Minuten | Tippfehler melden | © Revision: 17. August 2015 | Peter Wilhelm 17. August 2015

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