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    Bye, Pad!
    ein Gastbeitrag von Frank Mischkowski

    Ich habe mein iPad verkauft. Und es war ganz einfach. Die ganze digitale Revolution mit aufregendem Zubehör, einfach weg. Und ich vermisse nichts. Schon die letzten Wochen lag die Zukunft der Medienbranche ungenutzt als Hightech-Zierde auf dem Schreibtisch und begann eine veritable Staubschicht anzusetzen. Keine „Killer-App“, die mich noch vom Hocker reißen konnte, kein iOS 4.2, was den Zauber der ersten iPad-Momente wieder zurück brachte. Dafür kam die Einsicht, dass ein Mobiltelefon-Betriebssystem auf einem Touch-Computer nicht zu gebrauchen ist, auch wenn er „for the rest of us“ ist. Und: Das Printinhalte aufgewertet durch ein paar Videos nicht als „premium Digitalcontent“ durchgehen.

    Ich bin kein großer Computernerd, ich benutze Macintosh-Computer weil sie funktionieren wie ein Toaster – und sie ihre Sache extrem gut machen. Ich benutze ein iPhone, weil es wiederum hervorragend mit meinen Macs zusammenarbeitet und ich Termine, Notizen und Adressen drahtlos in Sekunden synchronisieren kann, als ob ein Exchange-Serverpark dies erledigen würde. Und so erwarb ich das iPad des Computerherstellers, der das Wort Computer nun nicht mehr in seinem Namen führen will, im Vertrauen, etwas wirklich Großartiges zu kaufen.

    Tatsächlich ist das iPad alles andere als großartig. Es ist groß ¬– wie ein großes iPhone – aber eben ohne Telefon. Das Betriebssystem hat viele Schwächen, die schwerwiegendste ist wohl, dass Apple mit dem App-Konzept keine systemweite Dateiverwaltung zulässt. Dateien werden pro Programm gespeichert, nicht an einem zentralen Ort. Auch die logische Verbindung mit einer iTunes-Mediathek ist in Zeiten, in denen ich einen iMac, ein MacBook Pro sowie einen guten alten PowerMac G5 besitze ein Witz. Ich kann noch nicht mal einen simplen USB-Stick anschließen um Daten „zu Fuß“ zu übertragen. Dies alles ist bei einem Smartphone tolerierbar, nicht aber bei einem Gerät, das zwischen Net- und Notebook positioniert ist. Das iPad will ein smarter, mobiler Begleiter sein, ist aber so dumm wie ein iPod. Das iPad will das Tor zum Internet auf einem mobilen Endgerät öffnen, scheitert aber an Adobes Web-Standard Flash – und mittlerweile lässt sich nicht einmal mehr Bild.de mit dem Apple-Browser aufrufen, weil Cäsar Springers Nachfahren dies verbieten. „Bild geht App“ – kauf die App! Die digitale Sofa-Revolution hatte ich mir anders vorgestellt.

    Aber auch bei den käuflichen Inhalten zeigen sich die führenden Medienkonzerne dieses Landes von der konzeptlosen Seite. Alle digitalen Zeitungs- und Magazinkonzepte garnieren die gleichen für Print entsprechend gekürzten Texte mit ein paar wahllos zusammengesuchten Videos und verkaufen dies als die Medienrevolution. Auch die Budgets für iPad-Entwicklungen werden in vielen Medienhäusern eher kompakt gehalten – viele Branchengespräche lassen hier wahrlich nichts Gutes vermuten. Die vielzitierte Kostenlos-Kultur im Netz kann nur mit Angeboten aufgehoben werden, die hochwertige Inhalte bieten: Interessant, auf den Nutzer zugeschnitten, gut recherchiert und medienadäquat aufbereitet. Ein befreundeter Chefredakteur berichtete mir kürzlich von einem amerikanischen Online-Magazin, dessen Inhalte er nun kostenpflichtig abonniert hätte. Dieses Webangebot wäre wirklich unfassbar gut, sagte er, gab aber gleichzeitig freimütig zu, dass seine Redaktion mit der zur Verfügung stehenden Manpower beziehungsweise dem nach mehreren Sparrunden übrig gebliebenen Redaktionsbudget so ein Konzept gar nicht umsetzen könne.


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    Dies zeigt deutlich: Die Medienrevolution findet nicht mit der Markteinführung eines Produkts statt – sie erfordert vor allem Umdenken in den Köpfen, das entwickeln von neuen, innovativen Geschäftsmodellen ist notwendig. Hochwertige Inhalte zählen natürlich, aber in einer adäquaten Verpackung. Die Möglichkeiten, die ein neues Geräte-Genre bietet, sollte genutzt werden – Copy&Paste alter Konzepte hilft hier wenig.
    Es wird ein langer, steiniger Weg der Medienbranche, an dessen Ende eine Erkenntnis steht, die hoffentlich nachhaltig profitable Geschäftsmodelle zulässt und so die Zukunft der vierten Macht im Staat sicherstellt. Hier sind die Verleger gefragt, die gerade nachhaltig an der Zerstörung ihrer Geschäftsgrundlage arbeiten.

    Aber auch der Hardware-Hersteller hat seine Hausaufgaben nicht gemacht. Was ihn solange nicht stört, bis die Verkaufszahlen nicht mehr befriedigen und er mit einem besseren Produkt aufwartet, was meine Bedürfnisse befriedigt.

    Bis dahin brauche ich kein iPad.

     

     


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