Start Produkte Fakeuhren – Uhrenreplikas – so erkennt man die Fälschungen – China-Uhren im Luxusdesign
  • Fakeuhren – Uhrenreplikas – so erkennt man die Fälschungen – China-Uhren im Luxusdesign

    Allzu verlockend scheinen die Angebote, die einem da immer wieder per Mail unterbreitet werden.
    Uhren, die zu 100% so aussehen, wie echte Rolex, eine echte Lange & Söhne oder eine diamantbesetzte Breitling. „Selbst der Uhrmacher kann unsere hochwertigen Replikas nur auf den zweiten Blick vom Original unterscheiden“, heißt es da vollmundig in den Werbemails.

    Nun, vielleicht kann man es nicht auf den zweiten Blick, aber jeder Depp kann es auf den ersten Blick:

    china-watch02

    Der chinesische Kopist wußte nicht einmal, wie man „Steel“ schreibt und bei dieser „echten“ Uhr kommt er auch beim Wort „stainless“ in Bedrängnis:

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    An echten Uhren fehlen auch keine Zeiger, zumindest nicht ab Werk:

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    Und echtes Roségold blüht auch nicht aus, wie schlechter Chrom:

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    Ein untrügerisches Zeichen, daß es sich um eine chinesische Uhr handelt, bietet diese sogenannte offene Unruh:

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    Es ist ein Schmuck für manche Uhr und sicherlich ein schönes Gimmick, die Unruh beim Arbeiten betrachten zu können. Aber in genau der oben abgebildeten Form, mit genau dem gleichen Muster auf dem Steg und denselben gebläuten Schrauben, bauen die Chinesen diese Unruh in alle möglichen Automatikuhren ein, die von Tchibo bis Krone & Söhne und von ähnlichen Anbietern zu durchaus attraktiven Preisen (zw. 30 und 50 Euro) angeboten werden.
    In einer teuren Uhr wird man so etwas in der Form nicht finden.

    Und deshalb ist diese angeblich von einer echten Breitling-Uhr nicht zu unterscheidende Fakeuhr auch leicht als Fake zu erkennen:

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    Allgemein gilt, je überladener das Design und mit je mehr angeblichen Komplikationen die Uhr ausgestattet ist, desto skeptischer darf man sein.

    Gerade die Uhren von A. Lange & Söhne aus Glashütte sprechen eine Sprache, die sich in Klarheit der Linien und in einer gewissen Reduziertheit ausdrücken.
    Die ganzen Replikas, die angeboten werden, ähneln den Originalen nicht einmal, sondern sind mit falschen (weil nicht funktionierenden) Komplikationen ausgestattete Zirkusstücke.
    Da werden Mondphasen, retrograde Datumsanzeigen, dezentrale Sekunde, Tages-, Monats- und Wochenanzeigen bunt durcheinander auf das Ziffernblatt gebracht, nur weil das verwendete Chinakaliber es hergibt.
    Oder eben nicht. Dann hat man zwar jede Menge kleiner Zeigerlein auf dem Ziffernblatt, aber diese werden sich nicht regen, weil sie nur aufgeklebt sind.

    Doch worauf sollte man achten?

    1. Das Äußere

    Hersteller hochwertiger Uhren verwenden edelste Materialien, angefangen beim Gehäuse, über das Uhrenglas bis hin zu den Armbändern.
    Dellen und Ausblühungen am Gehäuse? Eine Krone, die nicht dicht anliegt? Kleinste Kratzer auf dem Uhrenglas? Das muß eine Fälschung sein.
    Beim Uhrenglas setzen die Luxushersteller auf kratzfestes Saphirglas. Die Nachbauer verwenden meist nur günstigeres Mineralglas oder gar Bauglas oder Plastik.
    Beim Saphirglas muß ein aufgebrachter Wassertropfen rückstandlos abperlen.

    2. Ziffernblatt

    Sehr sauberer Aufbau, klare Linien bis ins Detail, dadurch kennzeichnen sich die Ziffernblätter hochwertiger Originale.

    china-watch03

    Achten Sie bei diesem Bild, das Sie oben schon einmal gesehen haben, nun einmal auf die Stelle über 2 Uhr, dort wo die kleine 10 aufgedruckt ist. Solche Unsauberkeiten, wie fehlende Sekundenstriche, nicht gerade aufgesetzte Indexe usw. deuten einwandfrei auf eine Fälschung hin. Oft sind die Ziffernblätter aus Teilen verschiedener billiger Uhren zusammengfrickelt. Auch das ist sichtbar.

    3. Gewicht

    Ein gutes Uhrwerk und ein gutes Uhrgehäuse bringen, trotz der Verwendung leichter und edler Materialien ein gewisses Gewicht auf die Waage. Ist die Uhr, trotz entsprechender Größe vom Gefühl her viel zu leicht, dann tickt im Inneren wahrscheinlich kein hochwertiges Automatikkaliber, sondern nur ein billiges Quarzuhrwerk.


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    Fettes Gehäuse, schlappes Innenleben. Großer Werkhalter aus Plastik,kleines Quarzuhrwerk.
    Fettes Gehäuse, schlappes Innenleben. Großer Werkhalter aus Plastik,kleines Quarzuhrwerk.

    4. Boden

    Ein Blick auf den Boden der Uhr lohnt immer. Oben haben wir bereits einige Beispiele für fehlerhafte Beschriftungen.
    Viele Luxusmarken produzieren gar keine Uhren mit Glasboden, chinesische Uhrmacher aber lieben den Effekt, durch den Boden einen Blick auf das Uhrwerk freizugeben.
    Auch wird bei gefälschten Uhren insbesondere die Rückseite mit zahlreichen Phantasiegravuren versehen, die es beim Original gar nicht gibt. Eine kleine Lupe offenbart oft sehr schnell Abweichungen zwischen den Schriftzügen auf der Rückseite und dem Ziffernblatt.
    Einen Blick sind auch die Schrauben wert, mit dem so mancher Boden zugeschraubt zu sein scheint. Manchmal sind sie nur in den Bodendeckel eingeprägt und ohne Funktion.

    5. Datumslupe

    Viele Uhrmodelle, vor allem von Rolex, einer der meistkopierten Marken, haben über dem recht kleinen Datumsfenster eine aufgesetzte Lupenlinse.
    Hier lohnt sich ein Blick! Bei echten Modellen sind Datumsfenster und Lupe exakt aufeinander abgestimmt.
    Das Datum steht vereinfacht gesagt auf einer drehbaren Scheibe oder einem Kranz. Das Fenster im Ziffernblatt ist zunächst etwas größer als notwendig ausgestanzt und dann durch den Überzug mit Lack oder anderen Materialien wiederum exakt so groß wie die Zahlen darunter. Unter der Lupe müssen die Datumszahlen das Fenster sauber ausfüllen, dürfen nicht schräg stehen und schon gar nicht (beispielsweise nachmittags um drei) zwischen zwei Daten stehen.

    6. Zeiger

    Die Zeiger ergeben mit dem Ziffernblatt das Gesicht der Uhr. Stimmen die Proportionen? Passen die Zeiger zueinander? Oft werden Fakeuhren aus verschiedenen Modellen zusammengesetzt, nicht selten mit dem Ergebnis, daß die Zeiger nicht harmonieren.
    Beim Sekundenzeiger sieht man bei hochwertigen Uhrwerken die so genannte schleichende Sekunde. Der Sekundenzeiger scheint ohne zu ruckeln, über das Ziffernblatt zu schweben.
    Bei den Uhrwerkskalibern von mechanischen Uhren werden die Schwingungen pro Stunde angegeben. Die Schwingungen kann man in Schritte pro Sekunde umrechnen. 28.800 Halbschwingungen sind 8 Schritte pro Sekunde (z.B. ETA 2824-2), 21.600 wären 6 Schritte (z.B. Seiko 5).
    21.600 Halbschwingungen nimmt man noch als leichtes Zittern beim Voranschreiten des Sekundenzeigers wahr, 28.800 Halbschwingungen empfinden wir als durchgehendes Gleiten.
    Bei Quarzuhrwerken springen die Sekundenzeiger im Sekundentakt weiter.
    Es ist also leicht, ein Quarzuhrwerk zu identifizieren.

    7. Gravuren / Beschriftungen

    Bei sorgfältiger Betrachtung (am besten mit einer Lupe) sieht man bei aufgetragenen Linien bei Fälschungen Ungenauigkeiten. Sie haben winzige Lücken oder sind sogar an der falschen Stelle angebracht. Die meisten Rolexmodelle haben beispielsweise gar keine Gravur an der Rückseite, viele Fälschungen weisen sie dort aber dennoch auf.

    8. offene Unruh

    Ich schrieb es oben schon: Weil es ein hübscher optischer Effekt ist, werden sehr viele asiatische Nachbauten mit einer offenen Unruh gebaut. Diese gibt es bei Luxusuhren in der Regel nicht. Mir ist jetzt ein Modell bekannt, eines von Baume & Mercier. Von Breitling, Rolex, Panerai, Omega usw. ist mir keine Uhr mit offener Unruh bekannt.
    Wenn hochwertige Luxusuhren in einem Fenster einen Blick auf die Unruh gewähren, dann handelt es sich meist um ein Tourbillon. Hierbei dreht sich, vereinfacht gesagt, die Unruh noch einmal innerhalb eines Käfigs und soll so noch genauer gehen.
    Auch wenn die Ausführung einer Uhr mit Tourbillon meist keinen nennenswerten Einfluß auf die Ganggenauigkeit hat, zeugt eine solche Arbeit doch von höchster Uhrmacherkunst. Solche Uhren kosten zumeist über 10.000 € oder noch viel mehr.

    9. Uhrwerk

    Nur die edelsten Uhrenmanufakturen leisten sich den Luxus ganze Uhrwerke selbst zu bauen. Viele Luxushersteller setzen auf altbewährte Schweizer Kaliber und veredeln diese. Auch von Miyota, einer Citizen-Tochter, kommen ordentliche Kaliber.
    Ja selbst die chinesischen Kaliber aus dem Hause Seagull, die es sogar mit Tourbillon zu halbwegs erschwinglichem Preis gibt, müssen nicht unbedingt schlecht sein.
    Der vorher beschriebene und oft fälschlicherweise angebrachte Glasboden läßt uns einen Blick auf das Innenleben werfen. Hier muß alles sauberst verschliffen sein, rohe Kanten, unbearbeitete Stege, Fingerabdrücke oder Flecken auf den Rotoren, so etwas kommt bei echten Luxusuhren nicht vor.

    10. Der Preis

    Abgesehen davon, daß man den Namen und die Werbung mitbezahlt, bezahlt man im oberen Segment auch für eine gehobene Qualität. Schon die eingesetzten Uhrwerke haben ihren Wert, so wie auch die verwendeten Materialien, was sich vom Glas bis hin zum Armband einfach in der gediegenen Ausfertigung zeigt. Liegt der Preis einer Uhr drastisch unterhalb dessen, was man normalerweise bezahlen müßte, so ist der Verdacht, es könne sich um eine Fakeuhr handeln, naheliegend.

    Diese Liste könnte man noch fortsetzen, aber ich denke diese zehn wichtigen Punkte reichen schon, um nicht auf jeden Schwindel hereinzufallen.

    Mir geht es nicht nur darum, Fakeuhren zu entlarven. Denn ich finde, daß auch die Fakeuhren durchaus ihre Berechtigung haben. Die Aussage, den großen Herstellern würden dadurch Umsätze entgehen, mag ich nicht teilen. Denn die allermeisten, die sich vom Türkeiurlaub so einen Blender mitbringen, kämen niemals in Verlegenheit, eine echte Rolex oder Lange & Söhne kaufen zu können.
    Aber manch einer liebt die Aufmachung und möchte doch gerne einmal wenigstens ein nachgemachtes Exemplar tragen können. Ich weiß, daß das hinkt, aber ich verstehe die Beweggründe.

    Nur wenn man schon so einen Blender kauft, dann kann man anhand meiner Liste auch überprüfen, ob die Kopie wenigstens halbwegs ordentlich gemacht ist.

    Allerdings muß ich auch sagen, daß die allermeisten Kopien nichts taugen. Gerade vor dem Bestellen im Internet möchte ich ausdrücklich warnen.
    Je seriöser die Fakeuhrenseite aufgemacht ist, desto unseriöser sind oft die Geschäftspraktiken.
    Wo Vorkasse, Bezahlung per Western Union oder Paysafe verlangt wird: Finger weg! Sicherheit bietet einem fast nur Nachnahmelieferung.
    Und selbst da kann man nicht sicher sein, ob auch wirklich exakt die bestellte Uhr im Karton ist.
    Vielfach wurde schon berichtet, daß zwar eine Uhr geliefert wird, aber meist nicht die edle Ausführung, die auf der Seite abgebildet war. Und außerdem sind auf den Fake-Seiten auch oft die Originale abgebildet und die Fälschungen unterscheiden sich dann drastisch.

    Man kann schauen, ob es dort die Lange 1 von A. Lange & Söhne gibt. Wird diese Uhr als verfügbar anzeigt, könnte man Glück haben, gute Exemplare zu bekommen. Heißt es ausgerechnet bei dieser Uhr, die ein besonderes Kaliber auch als Fälschung benötigt, weil Stunden- und Minutenzeiger nicht in der Mitte des Ziffernblattes sitzen, daß sie derzeit nicht lieferbar ist, dann darf man annehmen, daß man vor diesem Laden nur die billigen Exemplare mit offener Unruh und Glasboden bekommt.

    Die Enttäuschung ist vorprogrammiert!

    Und noch etwas: Mit dem ETA 2824-2 kommt ein super Uhrwerk aus der Schweiz. Gute Uhren mit diesem Uhrwerk sind schon zwischen 500 und 900 Euro zu haben.
    Warum nicht einfach etwas sparen und sich dann eine ordentliche Uhr mit einem tollen ETA 2824-2 zulegen?

    Die ist dann wenigstens echt.

    Übrigens: Man kann auch mit Uhrwerken von Miyota und Seagull sehr ordentliche Uhre bekommen.

    Lesen die die diversen Uhrenforen!

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    2 Kommentare

    1. Peter Grohmüller

      2. Mai 2015 at 10:52

      Tja, was will man als Nachwuchs-Gangsta-Rapper tun, wenn das Budget nur für einen tiefergelegten Dacia reicht und eine Monster-Rolex am tätowierten Mucki-Buden-Arm ein Muss auf der Bühne ist? Da kannst Du noch so finster dreinschauen, nach jedem Wort ein Fuck rausbellen und die Base-Cap in alle Richtungen drehen. Ohne Klunker beißen die Tussen nicht an. Man kauft sich eben eine dicke Fake-Schüssel aus Asien. Sieht eh keiner, wenn die Nebelmaschine auf Hochtouren läuft.

      Antwort

      • Peter Wilhelm

        2. Mai 2015 at 11:18

        Ach, so kann man das nicht sagen. Der eine hat einen Faible für Schuhe, der nächste für besondere Saiten aus Mäusedarm für seine Gitarre, der andere eben für Uhren.
        Und es gibt da nunmal sehr schöne Exemplare, die man sich auch bei intensivstem Sparen nicht leisten können wird.
        Was spricht dagegen, daß man sich beim Türkeiurlaub beispielsweise eine Replika dieses Zeitmessers zulegt, um wenigstens mal ein bißchen was zu haben, was nach Cartier, Rolex oder Omega aussieht. Das müssen ja nichtmals diese großen Brilliantprotzer sein, sondern können auch ganz unauffällige Zeitmesser sein. Ebenso unauffällig und eher auf Understatement gebürstet, wie die Uhren von A. Lange & Söhne aus Glashütte.

        Es geht ja nicht darum, den Angeber und Hochstapler mit Fakes auszustatten, sondern ich spreche den Uhrenliebhaber an, der sich vielleicht Uhren im Bereich von 500-1.500 Euro leisten kann, aber auch mal eine Fake-Breitling tragen möchte, weil ihm Form und Ziffernblatt gefallen.

        Den Herstellern entsteht da meiner Meinung nach kein Schaden, denn die Träger dieser Uhren, die zu dem von mir beschriebenen Typus gehören, werden sich entweder sowieso keine echte kaufen oder die gefakte eines Tages durch eine echte ersetzen.

        Antwort

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