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Die Lösung der weltweiten Entsorgungskrise

Die Lösung der weltweiten Entsorgungskrise

Wenn man an der Tankstelle hier eine ganze Stange Zigaretten kauft, bekommt man von der freundlichen Kassenkraft ein Einwegfeuerzeug geschenkt. Ich kaufe nie ganze Stangen Zigaretten, sondern immer nur so ein paar Schachteln. Aber die Verkäufer dort schenken mir trotzdem immer mal wieder so ein Feuerzeug. Nun sagt man ja, daß man einem geschenkten Gaul nicht ins Maul schauen soll. Das bedeutet, daß man angesichts der Tatsache, daß man irgendetwas kostenlos bekommen hat, es mal bitteschön nicht so genau mit der Qualität zu nehmen habe.

Ist doch geschenkt, also sei nicht undankbar!

Die Lösung der weltweiten EntsorgungskriseDie Lösung der weltweiten Entsorgungskrise

Jedoch: Diese Feuerzeuge sind Mist. Sie funktionieren unzuverlässig und spenden in den meisten Fällen keine Flamme. Nun könnte man ja, würde man dem Gaul dann doch einen Blick ins Maul gönnen, zum Beispiel anhand des Zustandes der Zähne etwas über das Alter und den Gesundheitszustand des Pferdes feststellen. Zumindest könnte man das, wenn man genügend Pferde(sach)verstand besitzen würde. Ich habe diesen Sachverstand nicht und finde, daß alle Gäule irgendwie komische Zähne haben, auf jeden Fall wollte ich keine solchen Zähne haben, obwohl die bei manchen Menschen sogar ganz gut aussehen, man denke da nur an Stefan Raab.

Was wollte ich eigentlich sagen? Ach so, die Feuerzeuge!

Nun bekommt man diese Dinger also geschenkt und selbst wenn man sich vornimmt, die nicht zu verwenden, liegt irgendwann eins davon auf dem Wohnzimmertisch oder im Auto oder auf dem Tisch auf der Terrasse.
Und, egal wieviele Feuerzeuge da herumliegen, und wieviele davon funktionieren, man erwischt immer dieses Billig-Mist-Feuerzeug von der Tanke. Da drückst Du, da drehst Du, da kommt keine Flamme. Man hört das Gas zischen, man sieht den Funken fliegen, aber es entsteht kein Flämmchen zum Entzünden der Zigarette.

Ich will die Feuerzeuge jetzt nicht mehr und das habe ich der Inhaberin von der Tanke dann auch mal gesagt.

„Warum denn nicht? Wollen Sie eine andere Farbe?“

„Nein, die Dinger funktionieren nicht. Deshalb will ich lieber keins mehr, das können Sie sich sparen.“

„Ich hab auch Grüne, Sie sagten doch mal, daß Sie Grün mögen.“

„Es geht nicht um die Farbe, die funktionieren nicht, egal, welche Farbe die haben.“

„Warten Sie mal, ich guck mal, ob da noch grüne sind.“

„Nee, wirklich nicht, lassen Sie mal, ich will keins.“

Die Frau ließ sich aber nicht beirren, verschwand irgendwo unter bzw. hinter der Theke und kam dann mit angestrengt, hochrotem Kopf wieder hoch und hielt triumphierend vier grüne Feuerzeuge in der Hand: „Da, Sie haben Glück!“

„Ich will doch gar keine, die funktionieren nicht.“

„Aber die sind doch grün, Sie mögen doch grüne.“

„Schon, aber hier ist die Farbe doch egal, die taugen nichts.“

„Was? Warum sagen Sie das denn nicht gleich? Erst lassen Sie mich die ganzen grünen raussuchen und jetzt sagen Sie, daß die nicht funktionieren; warten Sie mal…“ Und dann probierte sie alle vier grünen Feuerzeuge durch und jedes zündete gleich beim ersten Mal und jedes einzelne hatte eine wunderschöne, gleichmäßig brennende Flamme. „Sehen Sie, die gehen doch. Ich weiß gar nicht, was Sie haben. Die anderen Kunden sind alle zufrieden, da hat bisher noch keiner gemeckert.“

„Ach du meine Güte! Ich wollte doch keinesfalls meckern! Ich finde nur, daß die Feuerzeuge nicht viel taugen und wollte Ihnen deshalb nur sagen, daß Sie mir keine mehr schenken müssen. Ich benutze sie nicht und wir werfen sie nach ganz kurzer Zeit immer weg, weil sie eben nicht gehen.“

„Die gehen doch aber, ich hab’s doch gerade ausprobiert.“

„Ja DIE, DIE gehen jetzt zufälligerweise mal.“

„Was wollen Sie denn dann?“

„Nix, ich wollte nur diese Zigaretten hier und kein Feuerzeug.“

„Die gibt’s doch aber umsonst.“

„Trotzdem, es geht doch darum, daß ich nur vermeiden will, daß Sie mir immer so Feuerzeuge schenken und ich die dann wegwerfe, das ist doch unnötig.“

„Dann behalten Sie sie doch, die sind doch umsonst.“

„DIE GEHEN ABER NICHT!“

„Die sind aber schön grün, Sie wollten doch Grüne.“

Ich breche die Wiedergabe dieses Dialoges an dieser Stelle ab. Die arme Frau und ich drehten uns in diesem Gespräch noch dreimal im Kreise und schließlich nahm ich dann die Feuerzeuge doch, nur um meine Ruhe zu haben.
Im Auto zündete ich mir dann eine Zigarette an, das heißt, ich wollte mir eine Zigarette anzünden, jedoch war dieses Vorhaben zunächst nicht von Erfolg gekrönt, denn keines der vier grünen Feuerzeuge funktionierte. Sie zischten Gas heraus, der Funken sprang, jedoch kam keine Flamme…

Daheim wollte ich die Feuerzeuge eigentlich gerade in den Papierkorb werfen, da kam mir dann die Idee des Tages. Ich beklagte mich ja schon des öfteren darüber, daß meine Allerliebste dazu neigt, Kugelschreiber und Feuerzeuge versehentlich an sich zu nehmen und in ihrer Handtasche zu bunkern.

Also, so lautete mein Plan, mußte ich die Feuerzeuge nur geschickt nacheinander auf dem Wohnzimmertisch drapieren und tatsächlich trat genau das ein, was ich vorhergesehen hatte. Die Allerliebste sieht das erste grüne Feuerzeug da liegen und ganz gedankenverloren behält sie es in der Hand. Wenige Sekunden später ist es verschwunden, das macht ihr kein David Copperfield nach! Ich weiß nicht, ob sie die Gegenstände in ihrer Hand verdampfen lassen kann oder ob sie Telekinese anwendet. Jedenfalls sind sie weg und wie von Geisterhand in ihrer Handtasche verschwunden.

So nach und nach legte ich alles, was ich nicht mehr haben wollte, wie in Gedanken auf den Tisch und mein Plan ging auf. Neben den vier grünen Feuerzeugen verdampften auch noch zwei blaue, ein rotes und eine LED-Taschenlampe von EDEKA, ein altes Hundehalsband und sechsundzwanzig Kassenbons von real,-, die ich aus meinem Geldbeutel ausgeräumt hatte.

Es eröffnen sich ganz neue Perspektiven hinsichtlich der Entsorgung. Auf diese Weise könnte man vielleicht das weltweite Entsorgungs- und Recyclingproblem aus der Welt schaffen…

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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1 Kommentar auf "Die Lösung der weltweiten Entsorgungskrise"

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Ach was werden Microsoft, sein Gründer Bill Gates und die Mitarbeiter dieses Unternehmens immer gescholten....

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