• Dekadent

    Gestern habe ich meiner Kleinen einen langgehegten Wunsch erfüllt. Sie bekam endlich so einen Nintendo CS, das ist sowas wie ein Gameboy nur teurer, aber man kann ohne das Teil auf gar keinen Fall leben. Da die Kinder von den Großeltern speziell zu den Geburtstagen und zu Weihnachten ohnehin übermäßig bedacht werden, haben wir uns überlebt, dieses Geschenk mal völlig außer der Reihe zu machen.

    An der einzig geöffneten Kasse hatte ich drei ältere Herren vor mir. Der erste kaufte eine Videokamera für 1.398 Euro. Nach dem Einscannen sagt die Kassiererin, als Aufforderung zur Zahlung: „1.398 Euro.“

    Rentner: „Das weiß ich selbst, oder glauben Sie ich kann keine Preisschilder lesen?“ (Knallt seine EC-Karte auf den Tresen.)

    Kassiererin: „Einmal die PIN-Nummer eingeben, dann zweimal bestätigen, bitte!“ (Dreht ihm das EC-Dings hin.)

    Kasse: „Piep, Piep, Piep!“

    Kassiererin: „Oh, Ihre Karte gibt nur 1.000 Euro frei, da ist bestimmt aus Sicherheitsgründen eine Sperre drauf.“

    Rentner: „Kann gar nicht sein, ich habe nur ein Fünftel meiner Pension angehoben, genau 1.500 Euro, da ist also genug drauf.“

    Kassiererin: „Schon möglich, aber man kann mit vielen EC-Karten nur 500 oder 1000 Euro abheben, damit nicht soviel weg ist, wenn sie mal abhanden kommt.“

    Rentner: „Habe ich meine Karte, oder habe ich sie nicht? Sieht das so aus, als sei sie abhanden gekommen? Also los, machen Sie schon!“

    Kassiererin: „Ich kann nichts machen, Sie müssten den Rest bitte bar bezahlen.“

    Rentner: „Ich will sofort den Geschäftsführer sprechen!“

    Kassiererin ins Mikrophon: „Herr Matzke bitte Kasse 3, Herr Matzke bitte Kasse 3.“


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    Telefon: Klingelt

    Kassiererin telefoniert mit Herrn Matzke und der kommt dann auch.

    Rentner: „Eine Unverschämtheit ist das, wie ich hier behandelt werde, wie ein Russe!“

    Geschäftsführer: „Wir könnten Ihnen anbieten, dass Sie 1.000 Euro jetzt per Karte abbuchen lassen und wir die restlichen 398 Euro als Lastschrift in den nächsten Tagen einziehen.“

    Rentner: „Das sehe ich ja gar nicht ein. Ich bin ein ehrlicher Mann und habe mein Geld auf anständige Weise verdient. Ich WILL jetzt diese Kamera.“

    Geschäftsführer: „Dann unterschreiben Sie doch einfach hier.“

    Rentner mault und unterschreibt.

    Der nächste Rentner ist an der Reihe. Er hat Computerzubehör für insgesamt 3.882 Euro gekauft, möchte das ebenfalls mit Karte bezahlen, aber bitte auf vier verschiedene Rechnungen. Dann fängt er umfangreich an, die Waren in vier Haufen zu sortieren und muss für jeden Haufen immer die PIN eingeben und bestätigen, nochmals bestätigen usw. Klasse, das dauert ziemlich lang.

    Der dritte und letzte Rentner hat nur einen Zettel in der Hand. Er erzählt der Kassiererin, daß er und seine Frau gerade von einer Reise nach Kuba zurückgekommen seien und er mit seiner über 2.000 Euro teuren Videokamera so tolle Filme gedreht habe, die sein Sohn gerade auf DVD brenne. Damit sie die dann richtig genießen können, hat er heute einen Plasma-Fernseher gekauft, für 8.245 Euro. Den wolle er jetzt bezahlen und ob ihm an der Warenausgabe jemand beim Einladen helfe.
    Die Kassiererin fragt ihn, ob er denn auch ein genügend großes Auto habe.

    Rentner entrüstet, mit Zornesadern an der Schläfe: „Was erlauben Sie sich eigentlich, ich habe einen BENZ!“

    Und da soll ich mir Gedanken darüber machen, wenn ich meiner Tochter mal eben für 129 Euro einen Nintendo-Dingsda kaufe?
    Nö!

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