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Das höchste Glück auf Erden

Das höchste Glück auf Erden

Einkaufen ging ja früher anders als heute. Unsere Ahnen kannten weder Zalando, noch Ebay, noch Amazon. Und diese Riesensupermärkte gab es auch noch nicht. Ja, für uns fast unvorstellbar, die Konsumtempel Saturn und Mediamarkt, und den Männerglückladen Conrad gab es auch noch nicht.
Für meine Großmutter war es schon ein Einkaufserlebnis der besonderen Art, wenn mal ein Hausierer mit einem Bauchladen vorbei kam, und Rasierklingen, Heftpflaster, Bürsten und Kämme wohlfeil bot.

Später kam dann für die Frauen die AVON-Beraterin hinzu. Die baute ihre Tiegelchen, Tuben und Töpfchen auf und nahm sich eine Stunde Zeit, um der Dame des Hauses Schönheitstips zu geben.
Kann mir einmal jemand sagen, warum nicht mal ein CONRAD-Berater zu mir nach Hause kommt und mir eine Stunde lang blinkende und piepsende, batteriebetriebene kleine Helferlein anbietet?

Für Frauen gibt es außerdem noch die Tupperpartys und die Thermomix-Vorführungen, auch der Hara-Microfaser- und Putzkram war wohl eher für die Damen.

Was bitteschön haben wir Männer eigentlich davon?

Ich werfe mal das Wort ‚Männerglückladen‘ in den Raum, multipliziere ihn mit dem Begriff sexistisch und bekomme ‚Frauenglück‘ heraus.
Denn zum Thema Frauenglück ist Frau Buselmann unterwegs. Und Frau Buselmann veranstaltet Dildo-Partys. Und so eine Dildoparty fand neulich bei uns statt.

Das höchste Glück auf ErdenDas höchste Glück auf Erden

„Hallo, ich bin die Elisabeth, aber meine Freundinnen nennen mich alle Poppy!“, zirpte die Vertreterin in höchstem Falsett und öffnete ihren Showkoffer.

In unserem Wohnzimmer hatte sich eine illustre Runde von Frauen beinahe jeglichen Alters versammelt. Aus verständlichen Gründen waren keine Minderjährigen dabei, aber sonst war unter den acht anwesenden Hühnern alle Altersklassen vertreten.
Während ich mich noch fragte, wie man aus dem Namen Elisabeth nicht etwas Elli, Else, Lisbeth, Lisa oder Betty ableitet, sondern ausgerechnet Poppy, stupst die Allerliebste mich an: „Du willst aber jetzt nicht den ganzen Abend hierbleiben, oder?“

„Ich, nein, nicht die Bohne, ich will nur mal kurz hören, dann bin ich auch schon wieder weg.“

„Nee, nee, Du gehst in die Küche, Du wolltest doch an Deinem Modellauto basteln.“

Also werde ich von der Allerliebsten in die angrenzende Küche bugsiert, von wo ich hinter Poppy durch die Essensdurchreiche den Geschehen folgen kann.

„So, zum Aufwärmen trinken wir jetzt erst mal alle einen Secco-Spritz!“, flötet Lisbeth-Poppy und legt einen dicken schwarzen Negerlümmel aus Plastik weg.

Ich muß glucksen und mein Lachen unterdrücken, denn ich habe Säckel-Spritz verstanden und irritiert auf den 40 Zentimeter langen schwarzen Prügel gestarrt.

Die Hühner gurgeln sich mit Prosecco ins Lustige und ich nippe an meinem Kaffee. Wenn der liebe Gott gewollt hätte, daß wir Sekt trinken, hätte er das Rülpsen nicht erfunden.
Dann wende ich mich meinem Automodell aus Metall zu, das aus über 800 Teilen zusammengesetzt wird, Männerglück!

„Und den hier nennen wir den kleinen Strolch“, gurrt das Poppy-Täubchen und hebt einen lippenstiftgroßen Minivibrator in die Höhe. Die Damen sind begeistert, lachen und diskutieren.
„Der paßt in jede Handtasche“, fügt Lisbeth noch hinzu und ich denke: „Jau, der Zwerg mag ja in jeder Handtasche passen, aber …“

Ich grinse in mich hinein und ziehe eine etwas schwergängige Schraube mit meinem großen giftgrünen Schraubenzieher fest. Und während Poppy noch die Vorzüge des winzigen Beglückers preist, spiele ich gedankenverloren mit meinem Schraubenzieher und sehe, daß einige der anwesenden Frauen gar nicht mehr Poppy, sondern meinem Schraubenzieher ihre Aufmerksamkeit schenken. Lächelnd hebe ich das Werkzeug mit dem dicken genoppten Gummigriff in die Höhe und als Poppy „Neunundreißig Euro“ sagt, forme ich mit den Lippen stumm die Worte „5 Euro bei Obi!“

Poppy fährt schwereres Geschütz auf. „Das hier ist Hugo der Penetrator“, ruft sie und die Damen klatschen vor Begeisterung, als sie den Vibrationsmotor eines hellblauen Gummidings einschaltet und in ihre Hand schmiegt.“

Ich habe längst erkannt, daß die Damen, an Poppy vorbei schauend, mir längst ebensoviel Aufmerksamkeit schenken und wie der selige Beinahe-Bundespräsident Walter Freiwald präsentiere ich im kleinen Schaufenster meiner Essensdurchreiche meinen Akkuschrauber, in den ich einen 19er Schraubenzieher mit dickem roten Griff eingespannt habe und auf Stufe 1 langsam rotieren lasse.
Ein Seufzen geht durch die Menge im Wohnzimmer.

Poppy ist aber längst noch nicht fertig. Flutschi das Einhorn, Patrick der lustige Zipfel und der zweiohrige Hasi für die Frauen, die eher eine schnelle Hasennummer gewöhnt sind, wechseln sich im Verkaufsangebot ab.
Dann kommt Poppy endlich zu Samson. Samson ist das schwarze Riesenteil vom Anfang. Anatomisch gesehen eher etwas für die reifere Frau nach mehreren Geburten ohne Rückbildungsgymnastik oder so.
Der habe es voll drauf, meint Poppy und ich präsentiere hinter der Durchreiche Black & Decker, die Schlagbohrmaschine mit rotierendem 25er Plättflanschhobel!

Und da ich angesichts des schwarzen Riesendings und des Namens Black & Decker wieder lachen muß, fehlt meiner Darbietung auch nicht die gebotene Freundlichkeit.

„Mit die Bizzli-Puzzli Vaseline gerät die ganze Sache zu einem tollen Vergnügen!“

Ich präsentiere zu Poppys Worten eine Riesentube Schmierfett und reibe diese ein wenig.
Ich glaube, das war der Zeitpunkt, an dem die erste der Stuten nebenan in Ohnmacht fiel!

Poppy hat noch mehr in ihrem Köfferchen und führt nun das Highlight ihrer Kollektion vor, den 200 Euro teuren Watzmann, ein Teil mit LED-Beleuchtung, 20 chipgesteuerten Wollustprogrammen und integrierter Beheizung.

Das ist für mich der Moment, in dem ich hinter der Durchreiche ein Kondom mit Bauschaum aufblase.

Stöhnend, lechzend und ächzend überrennen die Hühner Poppy, den Watzmann und das Tischchen mit dem Prosecco-Spritz und stehen, mit Geldscheinen wedelnd an meiner Durchreiche Schlange.

Ich habe alles verkauft, sogar die alte Gartenspritze und einen Fleischwolf, bei dem die Kurbel abgebrochen war. 748 Euro habe ich am Ende des Abends in der Tasche.

Nur Poppy muß ihrer Popper leider woanders verkaufen.

Und ich? Ich mache mich jetzt selbständig, lauter Produkte aus dem Baumarkt. Man muß es den Chicks eben nur richtig präsentieren.

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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peter wilhelm autorenlesung
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  1. Big Al
    Big Al 16 März, 2015, 13:17

    Lachtränen abwischend sitze ich hier. Demnächst werde ich kein Werkzeug anfassen können ohne an diesen Text denken zu müssen.

    Antwort auf diesen Kommentar
  2. Lochkartenstanzer
    Lochkartenstanzer 16 März, 2015, 16:18

    Und was ist mit Kabelbindern? Die sollen doch essentiell sein.

    Antwort auf diesen Kommentar

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