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  • Comedy, eine Welle läuft sich tot

    Comedians, das sind im weitesten Sinne Spaßmacher, die nach deutschem Verständnis aus dem Bereich der Kleinkunst kommen und eher unpolitische Programme darbieten. Damit grenzt sich der Comedian, der häufig Situationen des Alltags in überspitzter Form zum Thema seines Vortrags macht, von den eher politisch kommentierenden Kabarettisten ab.

    Comedy bedeutet zunächst nichts anderes als Komödie, doch verstehen wir Deutschen, durch das Fernsehen geprägt, darunter in erster Linie Sitcom-Sendungen, sogenannte Standup-Comedy und ins Spaßige verdrehte Formen bekannter Sendeformate.

    quatsch_comedy_club_berlin

    Für das Genre Sitcom mag hier stellvertretend die Reihe „Pastewka“ stehen, während der „Quatsch Comedy Club“ fast ausschließlich Standup-Comedy präsentiert. Die spaßigen Sonderformen werden durch zwei Arten von Sendungen besonders vertreten: Das sind zum einen Sendungen, die das ganze Jahr ohne einen Anspruch auf komödiantische Inhalte laufen, aber gelegentlich als Teilnehmer Comedians präsentiert. Als Beispiel seien hier die zahlreichen „Promi-Specials“ z.B. bei „Wer wird Millionär?“ genannt. Zum anderen sind dies Sendungen, die zwar ein bekanntes Format aufgreifen, aber von vornherein durch die Auswahl von Kandidaten, Moderator und Spielablauf auf humorvolle Einlagen setzen. Hier kann als Beispiel die Ratesendung „Genial daneben“ genannt werden, die vom Ansatz her durchaus eine gewöhnliche Quizsendung sein könnte und schon allein durch die Auswahl der Fragen auch mit normalen Kandidaten ihren Reiz haben könnte, bei der aber vorwiegend sogenannte Comedians als Rater zum Einsatz kommen.

    Die Riege derer, die heute hierzulande Comedians genannt werden, ist lang. Sicher haben die Übertragungen aus dem „Quatsch Comedy Club“ (Pro7) von Thomas Hermanns ganz wesentlich dazu beigetragen, daß viele bisher unbekannte Spaßmacher einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurden.
    Auch die WDR-Sendung „NightWash“ von Klaus Jürgen ‚Knacki‘ Deuser bietet Talenten eine erste und bekannteren Comedians eine immer wiederkehrende Bühne.

    Berichte aus dem angeblichen Alltag, Kommentare zum Zeitgeschehen oder eine gespielte immer wiederkehrende Rolle, das sind die Themen, denen sich die Comedians hauptsächlich zuwenden, einige besser, einige schlechter.

    Viele der sogenannten Talente, die in solchen Sendungen oder auf solchen Bühnen (nicht alles wird gesendet) auftreten, liefern direkt bei den ersten Auftritten sensationelle Kabinettstückchen ab, die oftmals Lust auf mehr machen. Doch leider kann man aus einem gespielten Witz, aus der dreiminütigen Schilderung einer lustigen Begebenheit kein abendfüllendes Programm machen und so ist es gut, daß viele dieser Talente auch wieder in der Versenkung verschwinden.

    Bei manchen ist mehr Luft in der Hose und sie sind so voll von Ideen und witzigen Formulieren, ja scheinen jahrelang auf eine passende Gelegenheit gewartet zu haben, daß man ihnen mehr Sende- und Auftrittszeit zur Verfügung stellt, oft in Form von Specials oder längeren Gastauftritten, bis hin zum eigenen abendfüllenden Programm.

    Doch hier offenbart sich dann sehr schnell, daß die zum Star oder gar Superstar hochgejubelten Quatschmacher dann doch nur etwas Luft in der Hose hatten und am Ende tatsächlich nicht mehr dabei herauskommt als heiße Luft. Was kurz und knapp, im Rahmen einer Sendung mit vielen wechselnden Künstlern, noch lustig, knackig, witzig war, das reicht bei weitem nicht für 90 Minuten.

    Atze Schröder, Mario Barth, das sind nur zwei Namen, die hier, ohne die beiden Herren herabwürdigen zu wollen, genannt werden müssen, wenn man über die spricht, die im Grunde nur eine Idee, eine Masche verkörpern und dies über Jahre hinweg nur mit wechselnden Versatzstücken tun. Neues vermag man da kaum zu entdecken, es wird im Grunde die immer gleiche Situation bzw. die immer gleiche Rolle mit leicht wechselnden Inhalten gefüllt.


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    Ganze Abendprogramme solcher ‚Künstler‘ mag sich der halbwegs gebildete Zuschauer kaum antun, geschweige denn eine, oft dem Zuschauerinteresse geschuldete, komplette Serie mit diesen Herren oder Damen im Fernsehen.
    Was in aller Kürze einmal lustig war, entpuppt sich in dieser gedehnten Form, angereichert mit zugelieferten Witzen von professionellen Gagschreibern, oft als müder Daueraufguß.

    Doch haben diese Sendungen ihr Publikum. Sowohl die immer wieder ausgestrahlten Live-Auftritte des Mario Barth, als auch die zur Fernsehserie „Alles Atze“ verwurstete Spaßwurst Atze Schröder haben ordentliche Einschaltquoten und vielen Zuschauern erscheinen die flachen wie klischeebehafteten Späße als Gipfel des intelligenten Spaßmachertums.

    Gern wird in Weblogs über die dünnen Späße eines „Hausmeister Krause“ oder über das humorvoll vorgetragene Hartz-IV-Gejammer einer „Cindy aus Marzahn“ als Unterschichten-Fernsehen geschrieben und der Eindruck erweckt, diese -nicht von besonderer Intelligenz geprägten- Sendungen ohne jeglichen Anspruch an die Denkzipfel der Zuschauer würden für ein unintelligentes und eben anspruchsloses Publikum gemacht.

    Das mag, besonders im Zusammenspiel mit den dümmlichen Richter-, Zoo-, Talk- und Kochsendungen, auch teilweise wirklich so der Fall sein. Es sitzt sicherlich zu einem großen Teil bei diesen Sendungen ein Publikum vor dem rechteckigen Leuchtauslass, das mehr gar nicht verstehen würde.
    Doch wäre es zu stark vereinfacht, würde man annehmen, das sei ausschließlich Fernsehen für Blöde.

    Das Leichte, Unbeschwerte, Alberne, ja die gewollte Anspruchslosigkeit fesseln auch durchaus gebildete und kulturinteressierte Zuschauer, die solche Programme zum Abschalten nach einem langen Arbeitstag oder als leise Unterhaltung ohne Anspruch anschauen.

    Letztlich krankt aber die gesamte Szene an der Überhäufung des Zuschauers mit entsprechenden Formaten und immer neuen Protagonisten auf der immer größer werdenden Comedy-Bühne. Diese Masche wird sich rapide totlaufen und bald schon wird man sich anderem Blödsinn zuwenden.

    Besser wäre es, wenigen aber guten Comedians im Rahmen beispielsweise der öffentlich-rechtlichen Sender eine Plattform zu bieten, als diese in Masse zwischen Dirk Bach und Hella von Sinnen im Privatfernsehen zu zerreiben.
    Doch die öffentlich-rechtlichen Anstalten wissen mit guten Talenten gar nichts anzufangen. Der angekündigte Weggang von Oliver Pocher zu Sat1 ist hier exemplarisch. Er wolle dort im Grunde das selbe machen, wie jetzt bei der ARD gemeinsam mit Harald Schmidt, nur eben so, daß er auch seine Ideen verwirklichen könne.

    Sender, die Florian Silbereisen, Stefan Mross und Cherno Jobatey als spaßig empfinden, haben es nicht besser verdient, als daß man sie nicht -zumindest nicht in den von diesen Herren dargebotenen Sendungen- beachtet.

    Weniger wäre hier mehr.

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