Start Spitze Feder Ach Kevin – Gedanken zu Kevin Kühnert
  • Ach Kevin – Gedanken zu Kevin Kühnert

    Schön hast Du das gemacht. Mit ein paar lockeren Sprüchen aus dem sozialistischen Fundus an rosa Utopien dem Polit-Establishment mal ordentlich ans Bein gepinkelt. Chapeau! Die üblichen Verdächtigen aus dem Neo-Liberalen Lager schreien Zeter und Mordio, und die Berliner BLÖD-Postille stellt entrüstet fest, dass die SPD jetzt für die Arbeiter nicht mehr wählbar ist. Gegenfrage: Wann bitteschön war sie denn das zum letzten Mal?

    Aber im Ernst: Was hat Kevin Kühnert, der gerade mal 30 Jahre junge Chef der Jusos, denn so unbotmäßiges gesagt, dass ihn gar die eigenen Genossinnen und Genossen am liebsten Teeren und Federn würden? Oder machen sie sich, quasi vorauseilend, jetzt schon in die Hose, weil sie am Wahlabend des 26. Mai, Punkt 18:00 Uhr von dem Pfälzer Nahkampfarithmetiker Matthias Jung und der Journallisten-Darstellerin Bettina Schausten erklärt bekommen, weshalb es der SPD nicht gelungen ist, die 23,7%, die sie bei der letzten Europawahl 2014 eingefahren hatte, erwartungsgemäß zu halbieren, obwohl sie wirklich all das nicht lieferte, was man gemeinhin von sozialen Demokraten erwartet?

    Zugegeben: Dass mit der Vergesellschaftung von Großkonzernen wie BMW, mit der Kevin fröhlich flötend landauf landab die Gemüter erhitzte, ist ein uralter Hut aus der sozialistischen Klamottenkiste, in die die Genossin Andrea Nahles und der Genosse und Olaf Scholz schon vor vielen Jahren ihre Schlabberpullis und PLO-Schals entsorgt und gegen edlen Zwirn getauscht haben. Aber dreist war es irgendwie schon von Klein Kevin, kurz vor der Europawahl mit dem Unwort „Vergesellschaftung“ auf der Matte zu stehen, nicht wahr?

    Im Falle der bayrischen Autoschmiede hätte nämlich eine solche „Vergesellschaftung“, man könnte auch „Enteignung“ sagen, fatale Folgen. Insbesondere für die steinreiche Familie Quandt, die 46,7% der BMW-Aktien besitzt und auf ein Privatvermögen von 20 Milliarden € geschätzt wird. Dann hieße es für die Quandts eher: Leiden am Darben, statt Freude am Fahren.

    Sie könnte sich nämlich ihre schlanke Milliarde € an Dividende, die sie alleine 2018 kassiert hat, ohne auch nur ein einziges Schräubchen in eine der Blechkisten an den Fließbändern zu drehen, für alle Zeit abschminken. Aber mal im Ernst: Wäre es denn wirklich so schlimm, wenn die Quandts ihren Notgroschen von 20 Milliarden € für den Rest ihres superreichen Daseins verfrühstücken müssten, ohne jedes Jahr weitere zig Millionen einzusacken?

    Man könnte diese Frage, um nicht als einseitig gegen die Quandts zu gelten, natürlich noch auf solche Figuren wie die Oetkers, die Würths, die Schaefflers, die Reimanns, oder wie sie alle heißen, erweitern. Allesamt Multimilliardäre, die ihre sagenhaften Vermögen den Möglichkeiten eines Systems namens Kapitalismus verdanken.

    Und dieser Kapitalismus sei in viel zu viele Lebensbereiche vorgedrungen, stellt Kevin Kühnert fest. Das ist beileibe schon einigen vor ihm aufgefallen. Möglichweise sogar der einen oder anderen Genossin, oder dem einen oder anderen Genossen in der SPD. Allerdings impliziert eine solche Aussage, so sie denn ohne weitere Kommentare getätigt wird, einen veritablen Trugschluss: Nämlich den, dass es einen Kapitalismus geben könnte, der dies nicht tut; also in viel zu viele Lebensbereiche vordringen. Und das ist barer Unsinn.


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    Es ist schlicht und ergreifend systemimmanent, quasi die DNA des Kapitalismus, in alle Lebensbereiche vorzudringen und überall maximalen Profit zu erwirtschaften. Nur eben keinen Profit für die Allgemeinheit, sondern für diejenigen die sich an der Spitze der marktwirtschaftlichen Nahrungskette befinden, wie eben die Quandts, die Oetkers, die Würths, die Schaefflers, die Reimanns, oder wie sie alle heißen.

    Und deshalb sind die ganzen Aufregungen und die Schnappatmungs-Debatten, die jetzt um die Statements von Kevin Kühnert geführt werden, nur schafsdämliches Blabla der Nutznießer dieses Systems. Pure Scheingefechte. Nebelkerzen, um ja nix anbrennen zu lassen, und um alles so zu erhalten, wie es all die Jahre gut gegangen ist…also für manche, nicht für alle. Das ist im Kapitalismus aber ohnehin nicht vorgesehen. Schon mal gehört? Charles Darwin? Survival of the fittest? Eben!

    Kevin, den jugendlichen Heißsporn, lässt man für die „linken“ unter den netzaffinen Nonkonformisten vermutlich noch ein Weilchen an der langen Leine kläffen. Will meinen: Für all jene, die noch kein Niedrigenergiehaus nebst Carport aus nachhaltiger Holzwirtschaft auf Pump gekauft haben. Denn eines muss man ihm lassen: Er hat Charisma, das bis zum BRAVO-Starschnitt reichen könnte, seine überschaubare Rebellion ist trendy, riecht lecker nach Pluralismus und seine Follower auf Facebook und Twitter können derweil davon träumen, dass er und Greta als Doppel-Ikone für den alternativen Nobelpreis, oder für was auch immer…

    Irgendwann ist der Spuk dann vorbei und Kevin wird nach bewährter Methode auf den Boden der Tatsachen gestellt. Entweder durch die Leitmedien mit Dreck beworfen und dadurch in Mißkredit gebracht, durch die eigenen Genossinnen und Genossen in die Schmollecke gemobbt, oder mit einem gutdotierten Job von seinen jugendlichen Illusionen geheilt. Das hat bisher bei allen funktioniert, die in ihrer hormongeladenen Sturm-und-Drang-Zeit mit Wanderklampfe, Armee-Parka und heiserer Stimme gegen das Schweinesystem aufbegehrten. Wie bei Andrea Nahles, oder bei Olaf Scholz. Und am Ende sind aus denen schließlich auch gute Sozialdemokraten geworden, oder?

    Bild: Von © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=77151737


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