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    Schon gewusst? Am 13. August wäre der Godfather of Suspence, Sir Alfred Joseph Hitchcock, geboren im Londoner Stadtbezirk Leytonstone, 110 Jahre alt geworden. Nun ja, kaum ein Vertreter der Gattung Homo Sapiens erreicht ein solch hohes Alter. Hitchcock wurde aber immerhin 81 Jahre alt. Das ist für einen anno 1899 Geborenen schon beachtlich, da zwischen 1914 und 1945 die Mortalitätsrate bekanntermaßen gleich zweimal extrem hoch war.

    Den bisherigen, urkundlich beglaubigten Rekord hält Margaret Ann Neve. Sie wurde am 18. Mai 1792 in St. Peter Port auf der britischen Kanalinsel Guernsey geboren und verstarb am 4. April 1903, ebenda. Mithin wurde sie 110 Jahre und 321 Tage alt. Ob die weltberühmte britische Küche ihren Teil zu Margarets biblischem Alter beitrug, oder ob sie einfach nur extrem robuster Natur war…wer weiß?

    Aber bevor ich mich im kulinarischen Outback zwischen Fish & Chips und Lammbraten an Pfefferminz-Jus verliere, ohne mit dem eigentlichen Thema begonnen zu haben, mache ich an dieser Stelle einen Cut.

    Worauf ich nämlich hinaus wollte, und weshalb ich dieses Traktat mit Sir Alfred Joseph Hitchcock begonnen habe, ist, dass der berühmte Britische Regisseur auf die Frage, wann er einen Porno-Film drehen würde, meinte, wenn ein drittes Geschlecht entdeckt würde.

    Ach Alfred: Du hast ein bewegtes Leben gelebt und Deinen Zeitgenossen, sowie den Nachgeborenen ein unbeschreibliches Œuvre hinterlassen, immer gespickt mit kleinen verschmitzten Cameos. Danke dafür! Aber sei froh, dass Du es hinter Dir hast. Nicht, dass die Cineasten Dein Genie nicht vermissen würden. Ganz im Gegenteil. Aber hättest Du Dir vorgenommen, Margaret Ann Neve altersmäßig zu toppen, befändest Du Dich heute, anno 2019, mit Deiner Aussage über einen hypothetischen Pornodreh nämlich ganz schön in der Bredouille.

    Denn angesichts von Transgender, Intersexueller, Zwitter und weiß der Geier, was zu Frauen und Männern als Darstellerinnen und Darstellern in diesen wirren Zeiten noch hinzukäme, müsstest Du unter Umständen sogar eine TV-Serie in epischer Länge á la Lindenstraße drehen…

    Nun gut, wie wir alle wissen, hat Alfred Hitchcock längst das Zeitige gesegnet, und jemand anders müsste sich dieser Produktion annehmen, sofern überhaupt Bedarf an ihr bestehen sollte. Aber damit ist die Sache beileibe noch nicht vom Tisch. Denn wer nun denkt, die Problematik beträfe lediglich die Darstellung zeitgenössischer, sexueller Aktivität, der irrt sich gewaltig.

    Denn was die Geschlechter betrifft, steuert das 21. Jahrhundert geradewegs auf eine veritable Inflation zu. 1899 in Leytonstone, war die Welt noch überschaubar. Da gab es einfach nur Männlein und Weiblein. Ende. Mehr hatte die Evolution für die Arterhaltung der Spezies nicht vorgesehen. Hat ja auch 80.000 Jahre lang besten funktioniert, und wenn man den Homo Erectus bereits als Mensch klassifiziert, sogar 280.000 Jahre.


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    Das ist im noch jungen 21. Jahrhundert vollkommen anders. Es ist geschlechtermäßig dermaßen kompliziert, dass schon die bloße Verwendung des Wortes „Zeitgenossen“, ohne zumindest die Variante „Zeitgenossinnen“ voranzustellen, einen unbotmäßigen Affront darstellt. Nichts liegt mir näher, als mich mit Sir Alfred Hitchcock zu vergleichen. Aber eines hatten wir gemeinsam: Als ich 80 Jahre nach ihm, also 1959, in Mannheim das Licht der Welt erblickte, war die Welt geschlechtermäßig auch noch überschaubar.

    Heute blicke ich nicht mehr durch. Klar gibt es noch Männlein und Weiblein, und die Fortpflanzung funktioniert prinzipiell noch nach dem gleichen Prinzip…ihr wisst schon. Aber „Männlein“ und „Weiblein“ geht garnicht mehr. Auch wenn sich die Geschlechter aus Gründen der Arterhaltung via Sexualität unterscheiden mögen, soziokulturell ist eine solch einseitige Feststellung das totale No-Go. Ich weiß zwar nicht, wie sich die Damen und Herren…Scheiße, so kann man das ja nicht mehr schreiben…Dann eben andersrum:

    Ich habe wirklich keinen blassen Schimmer, was sich an der ungerechten Behandlung der verschiedenen Geschlechter durch die hanebüchene Verschlimmbesserung des deutschen Sprachschatzes über ein geradezu ausuferndes Gendering ändern sollte.

    Aber die in missionarischem Übereifer zu Schnappatmung neigenden Dichterinnen und Dichter, Denkerinnen und Denker in ihren vor geistigem Firlefanz berstenden Elfenbeintürmen, überschlagen sich derart mit Scheingefechten, dass man bei Rudi Cernes Aktion Mensch vermutlich bald auf die Nachhaltigkeit der nächsten politisch korrekten Wortkreation einen Fuffi setzen, somit en passant einen pekuniären Beitrag zur Inklusion leisten, oder auf dem heimischen Chaiselongue einen Furz darauf lassen kann.

    Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an ausufernden Talkrunden, Radiodiskussionen, Workshops, Veranstaltungen der orthographischen Freimaurer, so es sie geben sollte, und sonstigen Arbeitskreisen, überbieten sich mit hanebüchenen Forderungen nach Schrägstrichen mit adaptiven Silbenderivaten, Gendersternen, verkopften Pluralismen und, und, und…die sie mit apokalyptischen Drohungen und hysterischem Eifer den Duden-Redakteurinnen und Duden-Redakteuren in die Bücher zu oktroyieren suchen.

    Ich, als Denker und Schreiber längst vergangener Zeiten, kann nur hoffen, dass die Art und Weise, meine Sicht der Dinge in Worte zu fassen und niederzuschreiben, nicht eines Tages justitiabel wird. Denn wenn all das eintreffen sollte, was am Horizont so dräut…

    Ach Alfred, sei froh, dass Du es hinter Dir hast.

    Bild von skeeze auf Pixabay


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