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  • Erika Steinbach – mit Windhund, Leder und Krupp-Stahl

    erika steinbach

    Ach, Erika,

    kannst einem wirklich leid tun in dieser unübersichtlichen Zeit. Juli 1943 in Rahmel, Reichsgau Danzig-Westpreußen, da war die deutsche Welt noch übersichtlich, will sagen: in Ordnung. Da gab es die Guten – die Volksgenossen – und die Bösen – alle alle anderen. Die Mädchen trugen blonde Zöpfe, wahlweise zu lustigen Schnecken über den Ohren gerollt, und häkelten, ein fröhliches Lied auf den Lippen beim BdM; lernten kochen, waschen, putzen – was ein Mädchen nun mal so können musste, und die Jungs übten bei der HJ, wie man ein richtiger Nazi wird – so mit Krupp-Stahl, Windhunden, Leder und dem ganzen Zinnober. Die gute alte Zeit eben, wo alles noch besser war. OK, es war Krieg, das war jetzt nicht so der Bringer. Musste aber sein, um den Schandvertrag von Versailles auf dem Felde zu überprüfen und dem Volk ohne Raum einen selbigen abzustecken.

    Heutzutage trägt auch Erika Klamotten aus Pakistan und Schuhe aus Italien, hat sie ein Smartphone aus China, futtert Äpfel aus Chile, Paprika aus Marokko, Tomaten aus Spanien, Haselnüsse aus der Türkei und leidet still darunter.

    Allerdings hatte sich, wie sich zwei Jahre später herausstellte, der österreichische Gefreite ob seiner Führungsqualitäten doch etwas überschätzt und das tausendjährige Reich mit Schmackes an die Wand gefahren – mitsamt Rahmel, Reichsgau Danzig-Westpreußen, das seither wieder Rumia heißt und in Polen liegt.

    Tja und die Volksgenossen mussten nun das Claim wieder verlassen, siedelten zurück ins Rest-Reich und nannten sich fortan „Bund der Vertriebenen“, von 1988 bis 2014 mit der guten Erika Steinbach, geborene Hermann – nicht zu verwechseln mit Eva Hermann, der anderen Volksgenossin – an der Spitze.

    Allerdings hatte sich, wie sich zwei Jahre später herausstellte, der österreichische Gefreite ob seiner Führungsqualitäten doch etwas überschätzt und das tausendjährige Reich mit Schmackes an die Wand gefahren – mitsamt Rahmel, Reichsgau Danzig-Westpreußen, das seither wieder Rumia heißt und in Polen liegt.

    Und in diesen 26 glorreichen Jahren, in denen unsere gute Erika sudentendeutscher Folklore auf das Heftigste frönte, in vollbesetzten Kongresshallen die Gau-Fahnen schwingen und volksdeutsches Liedgut schmettern ließ, mit glänzenden Augen an die gute alte Zeit erinnerte und die böse Neue dämonisierte und mit den Volksdeutschen Kowalski, Nowak, Malinowski, Kwiatkowski, Sienkiewicz etc. vor der Überfremdung deutschen Blutes warnte, in diesen glorreichen Jahren musste die von schwerem Leid Geprüfte erfahren, welche Schmach es bedeutet, von einem schwulen Aussenminister und einem asiatischen Wirtschaftsminister regiert zu werden. Früher, also in der guten alten Zeit, hätte man dieses Gesindel in den nächstbesten Güterwaggon verfrachtet und…. Aber heutzutage?

    Heutzutage trägt auch Erika Klamotten aus Pakistan und Schuhe aus Italien, hat sie ein Smartphone aus China, futtert Äpfel aus Chile, Paprika aus Marokko, Tomaten aus Spanien, Haselnüsse aus der Türkei und leidet still darunter. Das wäre ja alles noch irgendwie zu verkraften. Aber dass ausgerechnet ihre Parteifreundin, die evangelische Pastorentochter aus der Täterä, nun diese ganzen nicht arischen Untermenschen nach Deutschland holt, also da muss man doch etwas gegen tun. Das geht doch nicht.


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    Erika ist da aber nun mal ganz und gar von der alten Sorte. Sie mag keine Neger, oder Araber in Deutschland, und als fundamentalistische Christin und überhaupt kann sie diesem ganzen Muslimkram sowieso nichts abgewinnen.

    Unsere gute Erika kommt eben auf ihre alten Tage nicht mehr von den früheren Denkschemata los und kriegt die Enden nicht zusammen zwischen unserer Freiheit, unserem überbordenden Warenangebot, unserer Konsumfreudigkeit und der globalen Vernetzung. Ohne unsere High-End-Kanonen könnte zum Beispiel der Untermensch aus dem Nahen Osten seine Städte nicht zerbomben, oder den anderen Arabern die Birne wegballern, derweil wir nonchalant dort für lau unsere Rohstoffe abräumen, oder am Hindukusch unsere Reichsgrenzen verteidigen. Hängt eben alles irgendwie zusammen.

    Jetzt fliehen diese abgerissenen Hungerleider vor dem hochgerüsteten Mob aus den rauchenden Trümmern zu uns, wo ihre Rohstoffe – an erster Stelle natürlich ihr Erdöl – zu unseren Reichtum beitragen, und wollen ihr Stück vom Kuchen abhaben. Kann man verstehen, wenn man in Zusammenhängen denkt und sein Weltbild nicht aus den Überschriften der Deutschen Nationalzeitung bezieht.

    Erika ist da aber nun mal ganz und gar von der alten Sorte. Sie mag keine Neger, oder Araber in Deutschland, und als fundamentalistische Christin und überhaupt kann sie diesem ganzen Muslimkram sowieso nichts abgewinnen.

    Also liebe Freude: hört bitte auf, Erika zu piesacken. Die kann aus ihrer Haut einfach nicht mehr heraus. Ist ja auch schon über 70, die Gute. Lasst ihr die Erinnerungen an früher, wo noch alles besser, einfachere, klarer war und gebt ihr eine Aufgabe, damit sie am Ende nicht geifernd zusammenbricht.

    Deshalb schlage ich vor, wir betreiben massives Fundraising, wie es auf neudeutsch heißt und sammeln weltweit alle Nazidevotionalien, deren wir habhaft werden können, ein. Dann kaufen wir das Gelände des ehemaligen Senders Gleiwitz und bauen dort für Erika ein Museum. Dann kann sie ungestört in Erinnerungen schwelgen. Ab und an bekommt sie dann Besuch von Horst Seehofer, Frauke Petry, Thilo Sarrazin und Eva Hermann aus der Heimat – z. B. am 20. April. Dann trinken sie Kaffee und essen böhmischen Hefezopf, und Erika muss sich als Deutsche in Polen fortan nicht mehr vor Überfremdung fürchten.

    Bild: Von Deutscher Bundestag, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31884889


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    3 Kommentare

    1. Kenntkeinenschmerz

      13. März 2016 at 19:31

      Sudentendeutsche Folklore

      Hallo Peter,

      Dein Artikel über Erika ist einfach grandios geschrieben. Er gehört zu Deinen allerbesten und selten habe ich so gelacht.

      Es hat allerdings etwas gedauert, bis ich „sudenten“ verstand.
      Neee, kein Tuppfehler …

      Das N in der Mitte ist mit Absicht reinmanövriert worden!
      N wie Nazi.
      Bravo.

      Antwort

      • Peter Wilhelm

        13. März 2016 at 19:40

        @Kenntkeinenschmerz: Danke für Deinen Kommentar. Peter Grohmüller wird sich sicher darüber freuen. ich schätze seine spitze Zunge und Feder auch sehr.

        Antwort

    2. Peter Grohmüller

      23. März 2016 at 18:07

      @ Kenntkeinenschmerz:
      danke für die Blumen. Ich hatte beim Schreiben selbst ein Dauergrinsen bis an die Ohren. Aber auch beim x-ten Korrekturlesen habe ich zwei Fehler übersehen – und einer davon ist eben jenes „sudenten“. Deine Idee hat natürlich ihren Charme, das „n“ könnte für Nazi stehen und ist bei besagter Dame auch nicht wirklich zu weit hergeholt. Ich werde jedenfalls versuchen, die Qualität meiner Orthographie zu steigern. Aber eigentlich bin ich eher Freizeitsatiriker als Germanist und bitte für weitere Beiträge um Nachsicht.

      Antwort

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