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Warum mir Götz Alsmann nackt in meinen Träumen erscheint

Warum mir Götz Alsmann nackt in meinen Träumen erscheint

Ich sitze noch am Rechner und arbeite, Anke zappt durch die Kanäle des Fernsehers und bleibt bei einem Programm hängen.

Der Bühnentroll Götz Alsmann stürmt vor die Kamera und begrüßt das tobende Publikum zu einer neuen Ausgabe von „Zimmer frei“. Seine Co-Moderatorin Christine Westermann steht steif daneben und sagt mit monotoner Stimme: „Hier ist Götz Alsmann!“
Tänzelnd setzt Götz zu einem angedeuteten Hechtsprung über den Tisch in der Bühnenmitte an, um den Gast der aktuellen Sendung zu begrüßen. Frau Westermann dreht sich mit roboterhaften Bewegungen ebenfalls in die Richtung der Tür, durch die der Gast gleich kommen wird. Ohne jegliche Betonung sagt sie, wie auswendig gelernt: „Und mit unserem heutigen Gast möchten 54 % aller deutschen Frauen schlafen.“ Das ist die Stelle, an der ich aufmerksam werde und interessiert hochschaue. Wer könnte das sein?

Warum mir Götz Alsmann nackt in meinen Träumen erscheintWarum mir Götz Alsmann nackt in meinen Träumen erscheint

Welcher Mann hat eine solche Anziehungskraft, daß mehr als die Hälfte der weiblichen Bevölkerung sein Geschlechtsteil in sich spüren möchte? Das kleine schwule Mädchen, das sich als Sänger von Tokio Hotel verkleidet hat, kann es nicht sein und George Clooney kommt auch nicht in Frage, der kann kein Deutsch und würde gar nicht zu „Zimmer frei“ eingeladen. Also wer?
Der quirlige Götz lüftet das Geheimnis und brüllt: „Hier ist TIL SCHWEIGER!“

Til Schweiger? Ist das nicht der mit der etwas quäkigen, weinerlichen Stimme, der früher in der Lindenstraße mitgespielt hat? Spielte der da nicht einen Schwulen und wurde hinterher als Kaplan verkleidet von Else Kling mit einem Bus überfahren? Ich weiß es nicht mehr, das ist ja auch schon so lange her und Else Kling ist ja auch schon tot.

Na mir soll es egal sein. Sollen doch die Frauen auf den abfahren. Anke wird den sicherlich nicht toll finden. Schließlich steht sie auf große Männer, auf so große Männer wie mich und Til Schweiger ist doch eher klein, oder? Auf der anderen Seite, so kommt mir in den Sinn, findet Anke ja auch Peter Maffay toll und der ist ja noch viel kleiner. Aber den Maffay wird sie sicherlich nur mögen, weil er so toll singt. Moment, die Scorpions findet sie ja auch Klasse und Klaus Meine, der Sänger von den Scorpions ist bekanntlich so klein, daß der sogar in einem SMART stehen kann. Hmmm…
Vorsichtshalber sage ich: „So klein, wie ich dachte, ist der Schweiger gar nicht.“

Anke reagiert nicht, sie guckt bloß auf die Mattscheibe. Ist da ein leichtes Glänzen in ihren Augen?
In diesem Moment sagt Götz Alsmann: „Und die anderen 46 % der Frauen stehen auf mich!“

Aua! Ich will aber nicht, daß Anke zu den 46 % gehört, die auf den witzigen Musikdoktor mit der albernen Haartolle stehen. Ich will aber auch nicht, daß sie auf Til Schweiger steht!

Warum nur geht diese Prozentrechnerei mit 54 % und 46 % glatt auf? Hätte man nicht wenigstens ein Prozent unentschlossene Frauen mit einbauen können? Eine Frechheit sowas! Ich überlege schon die ganze Zeit, ob ich nicht beim Fernsehen anrufen und mich beschweren soll.

Im Vergleich mit Götz Alsmann wäre es mir ja schon lieber, wenn Anke nun doch Til Schweiger gut fände, aber ich will nicht, daß sie außer mir überhaupt irgendeinen Typen toll findet.
Warum gähnt Anke jetzt? Die ist um diese Zeit nie müde! Nie! Dieses Gähnen kann doch nur bedeuten, daß sie damit ihr gesteigertes Interesse für Till Schweiger überspielen will. Das Gähnen als solches ist ja in der Psychologie als Ersatzhandlung und Verlegenheitszeichen hinlänglich bekannt. Menschen, die mitten in einem Satz gähnen und den Rest des Satzes leicht gähnend vortragen, sind schon allein dadurch der Lüge überführt. Das weiß doch jeder.

Til Schweiger nuschelt, finde ich, und ich finde auch, daß er immer noch diese weinerliche Stimme hat, die er schon hatte, als er noch in der Lindenstraße der Sohn von dem Taxifahrer war. Vorsichtshalber sage ich mal was, damit Anke meine wohltönende, tiefe und männliche Stimme hört.
„Der ist aber heute wieder witzig, der Götz Alsmann, oder?“ frage ich sie.

Die Allerliebste nickt nur und gähnt wieder. So! Wenn sie jetzt noch ein drittes Mal gähnt, dann steht es fest, daß auch sie zu den 54 % gehört, die des Tils weinerliches Zipfelchen in sich spüren möchten! Das hätte ich nie von ihr gedacht, bin innerlich zutiefst enttäuscht und werfe einen sehnsüchtigen Blick auf die Fernbedienung. Im anderen Kanal läuft „Terminator III“ mit Arnold Schwarzenegger. Den kann sie meinetwegen gut finden, der ist wenigstens groß und hat eine tiefe Stimme…

Irgendwie muß ich herausfinden, wie sie zu Til Schweiger steht. Es sind nämlich schon zehn Minuten vergangen und sie hat bisher kein drittes Mal gegähnt. Hat Anke nicht früher sogar die Lindenstraße geguckt? Und fällt das Nichtmehrlindenstraßegucken eventuell mit dem Ausscheiden des Heulsusen-Tils aus der Serie zusammen? Mann, das ist ja unerträglich!

„Der ist ja jetzt auch in Amerika sehr erfolgreich, der Til Schweiger“, sage ich mal und blicke meine Frau unverwandt an. Wenn überhaupt, dann wird sie sich jetzt verraten, soviel ist sicher.
Anke nickt nur.
Aha! Das ist doch der Beweis! Hätte sie nicht insgeheim den Wunsch, von Til Schweiger bestiegen zu werden, hätte sie jetzt irgendwas gesagt. Aber ihr Schweigen spricht doch Bände.

Sicherheitshalber setze ich noch einen obendrauf: „Früher spielte der in der Lindenstraße mit.“

Anke zuckt nur mit den Schultern und sagt: „Kann sein.“

Kann sein? Mehr nicht? Ich muß jetzt wissen, wie es um den Fortbestand meiner Ehe steht. Wenn meine Vermutung stimmt, wird mich meine Frau noch an diesem Abend wegen des Weineheinis verlassen.

„Findest du den nicht gut, den Schweiger?“ frage ich.

„Ach, er ist kein schlechter Schauspieler.“

„Ja und so als Mann? Ist der nicht besonders attraktiv?“

„Der?“

„Ja, der Til Schweiger.“

„Schlecht sieht der nicht aus.“

„Der gefällt dir also.“

„Irgendwie schon.“

„Dann gehörst du also zu den 54 Prozent?“

„Zu welchen 54 Prozent?“

„Hast du nicht gehört, daß 54% aller Frauen mit dem schlafen wollen?“

„Nein, woher weißt du das?“

„Das hat Christine Westermann am Anfang gesagt.“

„Ach die! Was die sagt, da höre ich sowieso nicht hin, ich kann die nicht leiden. Die macht mich schläfrig, ich muß schon die ganze Zeit gähnen.“

„Ja aber wenn du es gehört hättest, würdest du dann zu diesen 54% gehören?“

„Was?“

„Ob du mit Til Schweiger schlafen möchtest?“

„Nee.“

Sie sagt ‚Nee‘, nimmt die Fernbedienung und schaltet einen Kanal weiter.
Ihr Gesicht ist vollkommen desinteressiert und ausdruckslos. In meinem Kopf arbeitet es. Will sie ihre wahren Gefühle für den Til nur nicht zeigen, ist sie wirklich nicht an ihm interessiert oder was?

Ich werde es vermutlich nie erfahren.

In dieser Nacht wache ich schweißgebadet auf. Ich hatte geträumt, Götz Alsmann wäre nackt hinter meiner Allerliebsten hergelaufen und hätte versucht sie zu fangen. Man stelle sich das einmal vor: Ich träume von einem nackten Götz Alsmann! Grauenvoll!

Am nächsten Morgen beim Frühstück bringe ich das Gespräch noch einmal vorsichtig auf Til Schweiger. Ich sage: „Hat dich die Sendung mit Til Schweiger gestern nicht interessiert?“

Da dreht sich Anke zu mir um und sagt: „Also, pass mal auf. Du brauchst gar nicht so scheinheilig zu fragen. Meinst du, ich hätte nicht gemerkt, was dir im Kopf herumgegangen ist. Dich hat doch den ganzen Abend nur der Gedanke beschäftigt, ob ich vielleicht auch Lust hätte mit diesem Til Schweiger rumzumachen. Die Antwort lautet: Ich weiß es nicht! Ich bin mit dir verheiratet und habe dich nicht geheiratet, weil ich bei der nächstbesten Gelegenheit einem anderen hinterherlaufen möchte. Wenn mir der Til Schweiger vor 20 Jahren begegnet wäre, hätte ich vielleicht darüber nachgedacht. Aber erstens ist der mir nicht vor 20 Jahren begegnet und zweitens kenne ich dich schon dreißig Jahre. Was willst du eigentlich?“

„Nix.“

„Mann, das sind doch bloß so Zahlen. Da werden ein paar Frauen auf der Straße anonym gefragt, ob sie mal dem Schweiger was haben wollten. Da sagt man dann schnell mal ja. Das kostet nichts, verpflichtet zu nichts und ist doch bloß so dahergesagt. Wenn die Frauen dann dem Schweiger begegnen würden, sähe das ganz anders aus. Und ob der Till Schweiger so gut Regale anschrauben kann, wie du, das steht noch auf einem völlig anderen Blatt!“

Bis zum Abend habe ich das halbe Wohnzimmer mit wunderschönen, niegelnagelneuen Bücherregalen versehen und bin wahnsinnig stolz darauf, daß ich ihm was voraus habe, dem Til Schweiger.

Was ich ihm voraus habe? Na, meine Frau! Die schönste Frau der Welt, bei der es sich lohnt, ab und zu mal etwas eifersüchtig zu sein und für die es sicht lohnt, auch mal von einem nackten Götz Alsmann zu träumen.

 

(reloaded vom alten Dreibeinblog)

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
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peter wilhelm autorenlesung
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