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Warum manche Sekundenzeiger „stottern“ und andere butterweich gleiten

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Du schaust auf eine Uhr – und merkst sofort: Da stimmt etwas nicht. Der Sekundenzeiger springt. Tick. Tick. Tick. Und bei einer anderen Uhr? Da gleitet er fast lautlos, als würde er schweben.

Viele halten das für eine reine Designfrage. Ist es aber nicht. Dahinter steckt ein spannendes Stück Technik – und ein Thema, das tief in die Welt der Uhrwerke führt.

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„Hi Peter, klasse Serie über Uhren! Bin ein Fan von ETA-Uhrwerken geworden. Du hast Dir ein bestimmtes ETA-Uhrwerk 2824-2 in eine Uhr einbauen lassen, weil das schneller läuft, oder was? Du wolltest den Sekundenzeiger ohne Springen? Wie geht das?“

Der große Unterschied: Quarz gegen Mechanik

Fangen wir mit dem Offensichtlichen an. Die meisten Menschen kennen nur zwei Arten von Sekundenzeigern:

Bei Quarzuhren springt der Sekundenzeiger im Sekundentakt. Ein klarer Schritt pro Sekunde. Tick. Tick. Tick.

Bei mechanischen Uhren hingegen bewegt sich der Sekundenzeiger scheinbar fließend.

Und genau hier liegt das Missverständnis: Auch mechanische Uhren „springen“ – nur eben sehr schnell.

Die Frequenz macht den Unterschied

Das Zauberwort heißt Frequenz. Gemeint ist die Anzahl der Schwingungen der Unruh pro Stunde.

Typische Werte sind:

  • 18.000 Halbschwingungen pro Stunde (2,5 Hz)
  • 21.600 Halbschwingungen (3 Hz)
  • 28.800 Halbschwingungen (4 Hz)
  • 36.000 Halbschwingungen (5 Hz)

Das von mir erwähnte Uhrwerk ETA 2824-2 läuft beispielsweise mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde. Das bedeutet: Der Sekundenzeiger macht nicht einen Schritt pro Sekunde, sondern acht kleine Schritte pro Sekunde. Das sind zwar auch einzelne Sprünge, aber unser Auge kann diese einzelnen Schritte nicht mehr sauber auflösen – und deshalb wirkt die Bewegung „fließend“.

Ab wann wirkt ein Sekundenzeiger „schleichend“?

Das menschliche Auge nimmt Bewegungen ab etwa 6 bis 8 Einzelschritten pro Sekunde als kontinuierlich wahr. Deshalb wirken Uhren mit 28.800 A/h (also 4 Hz) für uns bereits sehr ruhig und gleichmäßig. Uhren mit niedrigerer Frequenz – etwa 18.000 A/h – zeigen dagegen ein deutlich sichtbares „Ruckeln“.

Und genau das empfinden viele als weniger hochwertig.

Natürlich ist das Quatsch und sagt noch nicht viel über die Qualität des Uhrwerks oder die Genauigkeit der Uhr aus. Aber ich persönlich empfinde das ruckfreie Gleiten des Sekundenzeigers einfach als sehr ästhetisch.

Warum manche Uhren noch schneller laufen

Es gibt auch sogenannte Hochfrequenz-Uhren, die mit 36.000 Halbschwingungen arbeiten. Sehr schöne Uhren in diesem Bereich baut Grand Seiko. Der Sekundenzeiger bewegt sich dort noch feiner – fast schon wie ein Gleitzeiger.

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Die Seiko wird von dem mechanischen Hi-Beat Kaliber 9S86 angetrieben, das mit einer Frequenz von 36.000 Schwingungen pro Stunde arbeitet. Dies sorgt für eine hohe Ganggenauigkeit und ermöglicht eine präzise Zeitmessung.

Aber: Mehr Frequenz bedeutet auch mehr Verschleiß und höheren Energiebedarf. Die Feder als Energiespeicher läuft natürlich auch etwas schneller ab. Deshalb ist 28.800 A/h ein sehr guter Kompromiss zwischen Laufruhe, Haltbarkeit und Ganggenauigkeit.

Und was ist mit den „30.000 Hz“ von Grand Seiko?

Hier wird es spannend – und ein bisschen missverständlich. Grand Seiko baut sogenannte Spring-Drive-Uhren. Diese arbeiten nicht wie klassische mechanische Uhren.

Die hier genannten Uhren darfst Du aber nicht mit den o.g. schnell laufenden rein mechanischen Uhren von Grad Seiko verwechseln.

Statt einer tickenden Hemmung gibt es bei den Spring-Drive-Uhren eine Kombination aus:

  • mechanischem Antrieb
  • elektronischer Regelung
  • Quarzreferenz

Die Angabe von rund 30.000 Hz bezieht sich dabei nicht auf die Unruh, sondern auf den elektronischen Regelkreis.

Das Ergebnis ist spektakulär:

Der Sekundenzeiger gleitet absolut ruckfrei. Kein Tick. Kein Schritt. Sondern ein kontinuierliches Schweben. Das ist tatsächlich das, was viele Menschen sich unter „perfekter Bewegung“ vorstellen.

Warum gibt es Uhren mit umschaltbarer Frequenz?

Einige moderne Uhrwerke können ihre Frequenz verändern.

Das Prinzip ist einfach:

Hohe Frequenz: bessere Genauigkeit bei Bewegung
Niedrige Frequenz: weniger Verschleiß und längere Gangreserve

Das bedeutet: Wenn die Uhr aktiv getragen wird, läuft sie schneller und präziser. Liegt sie herum, schaltet sie herunter und spart Energie. Das ist technisch sehr aufwendig – aber ein interessanter Ansatz.

Warum bleibt der Sekundenzeiger bei Bahnhofsuhren stehen?

Vielleicht ist Dir das schon einmal aufgefallen: Bei vielen Bahnhofsuhren läuft der Sekundenzeiger normal schnell vor – und bleibt dann kurz auf der 12 stehen.

Das ist kein Defekt, sondern Absicht. Diese Uhren sind zentral gesteuert. Jede Minute wird ein Signal gesendet, das die Uhr synchronisiert. Der Sekundenzeiger läuft daher etwas schneller als 60 Sekunden – und wartet dann oben auf das nächste Signal.

So gehen alle Uhren exakt gleich.

Was sonst noch spannend ist

Ein „stotternder“ Sekundenzeiger ist also kein Qualitätsmangel – sondern ein Hinweis auf das zugrunde liegende System.

Quarzuhren ticken bewusst im Sekundentakt, um Energie zu sparen.

Mechanische Uhren arbeiten in vielen kleinen Schritten, die unser Auge als fließend wahrnimmt.

Und High-End-Systeme wie Spring Drive zeigen, was technisch möglich ist, wenn man klassische und moderne Technik kombiniert.

Fakes auf einen Blick erkennen?

Ein Bekannter von mir, Flugbegleiter bei der Lufthansa, und recht erfahren mit Luxusdingen, rühmte sich immer, dass er eine falsche Rolex auf den ersten Blick entlarven könne.
Das hat früher auch immer ganz gut funktioniert. Einmal davon abgesehen, dass er mehrere typische Merkmale gefälschter Uhren kannte, schaute er immer zuerst auf den Sekundenzeiger.
Viele Fake-Rolex hatten minderwertige mechanische Uhrwerke oder sogar nur Quarzuhrwerke. Und während echte Rolex-Uhren einen gleitenden Zeiger hatten, ruckten die nachgemachten immer deutlich sichtbar.
Heute ist das nicht mehr so einfach. Auch im günstigen Preissegment gibt es inzwischen Automatikuhrwerke mit schleichender Sekunde.

Fazit

Der Sekundenzeiger ist viel mehr als nur ein beweglicher Zeiger. Er verrät sofort, was in der Uhr passiert.

Tickt er – ist es meist Quarz.
Gleitet er in kleinen Schritten – ist es Mechanik.
Schwebt er perfekt – ist es Hightech.

Und genau deshalb lohnt es sich, beim nächsten Blick auf die eigene Uhr einmal genauer hinzusehen.

Bildquellen:

  • grand-seiko_800x500: GS
  • IMG_2714_800x500: Peter Wilhelm

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(©si)