Spott + Hohn

So wird man Helene Fischer los!

Atemlos

Ach ja, der unschuldige Partykracher „L’amour toujours“ von Gigi D’Agostino, veröffentlicht im Oktober 2001, den viele so geliebt haben. 22 Jahre lang diente er als Hintergrundmusik für Teenager-Romanzen und alkoholgetränkte Tanzeinlagen.

Doch dann kam der große Moment: Rechtsradikale und Betrunkene – oder beides gleichzeitig – entdeckten ihn für ihre Parolen „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!“ Wie poetisch.

Der Sylter Club Pony hat das Ganze dann wirklich ins Rampenlicht katapultiert. Junge Menschen, die mit „L’amour toujours“ im Hintergrund ihre rassistischen Parolen brüllen. Ein gefundenes Fressen für die „Bild“ und die „Tagesschau“. Der Skandal war perfekt und schwupps – der Song hat einen ausführlichen Wikipedia-Eintrag. Jetzt wollen sogar Veranstalter von Oktoberfesten und Dorfpartys das Abspielen des Songs verbieten. Weil das ja so viel Sinn macht.

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Was für ein brillanter Plan: Ein Lied wird „verboten“, weil ein paar Idioten es missbrauchen? Genial. Da frage ich mich doch gleich, was man sonst noch alles verbieten könnte. Muss dann jeder Rechtsradikale nur noch zu bestimmten Songs grölen, um sie zu verbannen? Die ultimative Waffe gegen Partyhits. „Cancel Culture“ erhält so eine ganz neue Bedeutung. Aber keine Sorge, das läuft natürlich völlig richtig: Verfassungsfeindliche Sprüche brüllende Menschen sollen von der Justiz verfolgt werden, aber bitte lasst uns „L’amour toujours“ weiter genießen. Aus Prinzip, versteht sich.

In den sozialen Netzwerken tobt die Diskussion. Der „Bild“-Artikel „L’Amour tojours – Stadtfest hat kein Problem mit D’Agostino-Hit“, der den Songtitel konsequent falsch schreibt, dominiert mit rund 38.000 Facebook-Likes, -Reactions, -Shares und -Kommentaren die Social-Media-News-Charts. Und was findet man in den Kommentaren? Rechtsradikale Parolen? Fehlanzeige. Stattdessen gibt es nostalgische Liebesbekundungen: „Höre ich immer noch sehr gerne!“, „Mit diesem Song sind wir groß geworden.“ Und natürlich die logische Schlussfolgerung: „Richtig so! Man kann jedes Lied umschreiben! Werden dann alle verboten?“ Ja, das wäre wirklich der Höhepunkt des Irrsinns.

Und jetzt, liebe Leser, kommen wir zu den praktischen Anwendungen dieser wunderbaren neuen Methode! Stellen Sie sich vor, Sie könnten die Musiktitel, die Ihnen so richtig auf die Nerven gehen, einfach verschwinden lassen. Wie wäre es, wenn wir Helene Fischers „Atemlos“ loswerden könnten? Ganz einfach: Schnappen Sie sich ein Megafon und fangen Sie an, während des Songs irgendwelche unerträglichen Parolen zu grölen. Keine Sorge, es muss nicht einmal Sinn ergeben. Hauptsache, es klingt so richtig schockierend.

Das gleiche Spiel funktioniert natürlich auch mit dem gesanglichen Charme von Florian Silbereisen. Warten Sie einfach, bis er seine Schmonzetten zum Besten gibt, und dann legen Sie los mit den wüstesten Sprüchen. Wenn genug Leute mitmachen, können wir vielleicht bald diese „Schlager-Schätze“ aus dem öffentlichen Raum verbannen.

Stellen Sie sich die Möglichkeiten vor! Endlich könnten wir den musikalischen Müll, den wir seit Jahren ertragen müssen, aus unseren Ohren verbannen. Alles, was es braucht, ist ein bisschen lautes Geschrei und die Bereitschaft, das nächste Skandälchen zu provozieren. Also, liebe Freunde des guten Geschmacks, vereinigt euch! Lasst uns die Macht der Parolen nutzen und für eine bessere, leisere Welt kämpfen. Wer hätte gedacht, dass ein bisschen Gegröle so befreiend sein könnte? Satirisch gesehen, natürlich.

Bildquellen:
  • atemlos: Peter Wilhelm ki


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Spott + Hohn

Spott (Verb: spotten oder verspotten) ist ein Stilmittel der Kommunikation. Mit Spott macht man sich lustig über einen Menschen, eine bestimmte Gruppe oder deren tatsächliche oder vermeintliche Werte. Spott ist scherzhaft gemeint und dem Hohn ähnlich.
Der Hohn soll wehtun, Spott dagegen nicht immer.

Lesezeit ca.: 4 Minuten | Tippfehler melden | © Revision: | Peter Wilhelm 7. Juni 2024

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