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Schwitzende Griechen nehmen uns Türen weg

Schwitzende Griechen nehmen uns Türen weg

Wir bauen ja schon seit Wochen unser Wohnzimmer um, was mir graue Haare auf den Kopf und der Allerliebsten ein Dauerlächeln auf die Lippen gezaubert hat. Alle alten Möbel raus, komplett renovieren und dann alles wieder mit neuen Möbeln, in ganz anderer Stellweise bestücken.

Und diese andere Stellweise ist es, die so ihre Tücken hat. Dadurch daß jetzt alles an einem anderen Platz steht, bzw. einmal stehen soll, müssen auch sämtliche elektrischen und elektronischen Installationen abgeändert und verlegt werden. Inbesondere bei meiner PC-Ecke war das eine Heidenarbeit, aber das Ergebnis kann sich sehen lassen, außer den Kabeln, die vom Monitor wegführen und dann in der Tischplatte verschwinden, ist kein einziges Kabel zu sehen. Das heißt: So ganz stimmt das nicht, es gibt noch in der PC-Ecke eine Handy-Ladestation, bei der die Netzkabel für die div. Handys ein paar Zentimeter aus der Ablage ragen. Aber alles in allem eine saubere ziemlich kabelfreie Sache.

IKEA lässt uns momentan im Stich. Wir hatten uns für ein Regal-/Schranksystem des „unmöglichen Möbelhauses“ entschieden. Billig sind die IKEA-Sachen ja nicht, wenn man nicht gerade die supergünstigen Wackelregale kauft. Aber uns hat überzeugt, daß das Ganze modular aufgebaut und somit flexibel an unsere Verhältnisse anpassbar ist. Außerdem gibt es diese Sachen bei IKEA immer, sodaß wir uns die einzelnen Teile über drei Monate verteilt kaufen konnte. Zuerst die wichtigen Basissachen, dann die weniger wichtigen Zusatzelemente und erst dann die Sachen, die nützlich, aber für die vorherige Arbeit unnötig sind. Einerseits entspannt das die finanzielle Belastung, andererseits kann man ja sowieso nicht 30 oder 40 Elemente gleichzeitig aufbauen.

Schwitzende Griechen nehmen uns Türen wegSchwitzende Griechen nehmen uns Türen weg

Wenn man bei IKEA ist, kann man an einem Touchscreen die benötigten Teile aufrufen und bekommt dann verraten, in welchem Regal und Fach diese Teile liegen. Lang war unsere Liste, aber bis auf einen Glaseinlegeboden war bei unserem ersten Besuch alles vorhanden.

Auf dem Weg von der Ausstellung im Obergeschoß hinunter in die Halle mit den Hochregalen, beißt sich meine Allerliebste aber sehr gerne an irgendwelchen Ständen mit nutzlosem Tand fest. Und wer hat mehr nutzlosen Tand für kaufwütige Weiber zu bieten, als IKEA?
So als Krönung haben die Schweden quer vor die Kassenzone auch noch einen Weihnachtsmarkt platziert. Das bedeutet, daß ich nach 30- bis 45-minütigen Überredungskünsten die Allerliebste endlich vom Trullbö und Lallbörg losgeeist habe und sie sich dann sofort wieder im Weihnachtsbazar festkrallen kann.

Ein Mann würde bei IKEA reingehen, feststellen wo die Teile gelagert sind, mit einem Wagen dahinfahren, die Teile aufladen, zur Kasse fahren, bezahlen und fertig!

Frauen machen das im Prinzip genauso, nur muß man überall da, wo im vorstehenden Satz ein Komma eingefügt ist, noch den Nebensatz „bleibt an 20 Ständern stehen, nimmt alles einzeln in die Hand, freut sich, lächelt, kauft es nicht, kauft es dann doch, legt es wieder hin, nimmt es dann doch, läuft nochmal zurück zum vorigen Stände, sagt 25 mal ‚ach wie süß‘ oder ‚ach wie praktisch‘ oder ‚ach wie billig‘, verplempert 20 Minuten“.

Das liest sich dann so: (der Absatz kann auch komplett übersprungen werden!)
Eine Frau muss bei IKEA reingehen,bleibt an 20 Ständern stehen, nimmt alles einzeln in die Hand, freut sich, lächelt, kauft es nicht, kauft es dann doch, legt es wieder hin, nimmt es dann doch, läuft nochmal zurück zum vorigen Stände, sagt 25 mal ‚ach wie süß‘ oder ‚ach wie praktisch‘ oder ‚ach wie billig‘, verplempert 20 Minuten, feststellen wo die Teile gelagert sind, bleibt an 20 Ständern stehen, nimmt alles einzeln in die Hand, freut sich, lächelt, kauft es nicht, kauft es dann doch, legt es wieder hin, nimmt es dann doch, läuft nochmal zurück zum vorigen Stände, sagt 25 mal ‚ach wie süß‘ oder ‚ach wie praktisch‘ oder ‚ach wie billig‘, verplempert 20 Minuten, mit einem Wagen dahinfahren und die Teile aufladen,bleibt an 20 Ständern stehen, nimmt alles einzeln in die Hand, freut sich, lächelt, kauft es nicht, kauft es dann doch, legt es wieder hin, nimmt es dann doch, läuft nochmal zurück zum vorigen Stände, sagt 25 mal ‚ach wie süß‘ oder ‚ach wie praktisch‘ oder ‚ach wie billig‘, verplempert 20 Minuten, zur Kasse fahren und bezahlen und fertig!

Jetzt könnte man ja meinen, ich würde den Einkaufswünschen meiner Frau nicht genügend Beachtung schenken. Das mag ja vielleicht sein und liegt dann hauptsächlich daran, daß ich mir bei den meisten Sachen, die sie kaufen will, überhaupt nicht vorstellen kann, wofür man sowas braucht.
In diesem konkreten Fall allerdings hat uns das Stöbern, Verzögern und Trödeln in echte Probleme gestürzt. Denn obwohl der Computer im Obergeschoss alle benötigen Möbelbauteile als vorrätig angezeigt hatte, war dann -als wie endlich unten ankamen- nur noch ein Teil tatsächlich vorhanden. Ein schwitzender Grieche hatte beispielsweise sämtliche Türen der von uns gewählten Möbelserie aufgeladen.
Ich habe dann an der Informationsinsel nachgefragt, wann denn diese Teile wieder hereinkommen und dort hieß es, die kommen immer nach, das dauere oft nur wenige Tage, im ungünstigsten Fall mal eine Woche.
Tja, und diese Woche dauert jetzt schon zwei Monate!
Das heißt, die Schränke im Wohnzimmer haben (noch) keine Türen.
Und ich kann in der Online-Verfügbarkeitsprüfung nachsehen so oft ich will, es steht immer da: „Nicht verfügbar, schau doch demnächst mal wieder bei IKEA rein!“

Gut, wir haben dafür so ungefähr 651 neue Duftkerzen und Teile deren Funktion ich nicht kenne, aber ich kann nichtmal eine Tür zumachen, um die Sachen nicht zu sehen…

Ärgerlich!

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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