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Religion ist eine Beleidigung der Menschenwürde. Amokschwafler. Pierre Vogel.

Religion ist eine Beleidigung der Menschenwürde. Amokschwafler. Pierre Vogel.

Gedanken zur Religionsfreiheit in der Bundesrepublik

Nach siebzehn barbarischen Morden in Frankreich, begangen von eiligst identifizierten Islamisten, wahlweise auch radikalislamischen Terroristen, Salafisten oder auch Dschihadisten – es herrscht bei der Suche nach einer EN-ISO-Vokabel leider noch kein Europäischer Konsens – ist hektische Betriebsamkeit in den bräsigen Berliner Politikbetrieb eingekehrt. Es gilt, die Gunst der Stunde zu nutzen. Daher ist leider keine Zeit, innezuhalten und das Unfassbare mit den bekannten Mustern der Szene zu vergleichen.

Die Protagonisten überschlagen sich mit Verständnis für die Gefühle der Opfer und der heiligen Pflicht, die Muslime nicht pauschal mit den Tätern gleichzusetzen. Die rechtsstaatlich gebotene Sorgfaltsplicht der Behörden bis zu einer abschließenden forensischen und juristischen Klärung des Vorfalls musste ob der medialen Chancen auf weltweite Aufmerksamkeit leider außer Kraft gesetzt werden. Wir bitten hierfür um Ihr Verständnis.

Untergehakt in einer imposanten Reihe der schieren Macht, demonstrierten die eilends eingeflogenen Staatsoberhäupter aus aller Damen und Herren Länder geschlossene Betroffenheit, drängten sich als höchst überflüssige Speerspitze eines Millionen zählenden Demonstrationszuges in der französischen Hauptstadt in den Vordergrund und ließen den schockstarren Franzosen nicht mal die Gelegenheit zur stillen Trauer ohne Medienterror.

Zu Hause angekommen verschwendet die emsig wuselnde Bundes-Raute keine Minute Sendezeit und wärmt eine sinnfreie Verbalsoße des peinlichsten aller bisherigen Bundespräsidenten wieder auf, demzufolge der Islam zu Deutschland gehöre. Übertönt vom empörten Veto des erzkonservativen CDU-Flügels nebst chronologisch verdrehtem Hinweis auf die christlich-jüdische Kultur des Abendlandes, graben die Law-an-Order-Vollpfosten händereibend wieder den ranzigen Balg der Vorratsdatenspeicherung aus den politischen Schlachtabfällen, kurzum: man kann mit einer deftigen Prise Zynismus feststellen, dass die Morde gerade zur rechten Zeit kamen. Man muss die Ängste in der Bevölkerung jetzt unbedingt am Köcheln halten – dann hören die Bürger nämlich nicht richtig zu, sondern ziehen es vor, zu beten. Flankiert von Horrormeldungen in der medialen Endlosschleife lassen sich die großen Sauereien wie CETA, TTIP und das unablässige Schleifen der Grundrechte eventuell noch en passant und diskret in trockene Tücher bringen.

Aber was bitteschön hat dies denn alles mit der Religionsfreiheit in der Bundesrepublik Deutschland zu tun? Mal abgesehen davon, dass ausschließlich von Christen, Juden und Muslimen die Rede ist – die kleineren Anbieter des Seelenheils wie Jehovas Zeugen, Pfingstgemeinden, Hindus, Buddhisten etc. werden aus unerfindlichen Gründen ausgeklammert – sind Religionen ein geradezu geniales Instrument zur Manipulation der Massen. Man kann sie je nach Bedarf gegeneinander ausspielen, aufeinander loshetzen, oder mit ihnen gemeinsame Sache machen.

Der US-amerikanische Physiker und Nobelpreisträger Steven Weinberg hat diesen Umstand kurz und prägnant zusammengefasst. „Religion ist eine Beleidigung der Menschenwürde. Mit oder ohne sie würden gute Menschen Gutes tun und böse Menschen Böses. Aber damit gute Menschen Böses tun, bedarf es der Religion“.

Deshalb haben wohl die Verfasser unseres Grundgesetzes den Religionen einen privilegierten Status eingeräumt: als sakrosanktes Instrument für alle nur erdenklichen Unverschämtheiten. Ob unbeabsichtigt oder in weiser Voraussicht, sei dahingestellt. Dieser befremdliche Sonderstatus, in einer ansonsten eher säkularen Verfassung, geht in letzter pekuniärer Konsequenz so weit, dass die beiden christlichen Kirchen jährlich mit zig Milliarden alimentiert werden, und z. B. die Bischöfe ihren satten Salär aus dem allgemeinen Staatshaushalt beziehen – finanziert also auch von Atheisten, die sich dagegen nicht wehren können.

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Nun sollte es in einer pluralistischen Gesellschaft eine Selbstverständlichkeit sein, dass jeder nach Gusto glauben kann, an wen oder was er auch immer will. Jedem sollte es zugestanden sein, seine Fragen, sein schlechtes Gewissen und/oder seine Bequemlichkeit an ein höheres Wesen zu delegieren, oder aber an die Illusion eines schönen Lebens nach dem Tode zu glauben, wahlweise mit plätschernden Bächlein oder willigen Jungfrauen.

Wenn also nach Artikel 4 des Grundgesetzes in der Bundesrepublik Religionsfreiheit gilt, dann bitteschön für alle, die diesem sedierenden Zeitvertreib frönen wollen. Es ist deshalb völliger Nonsens, explizit darauf hinzuweisen, dass der Islam zu Deutschland gehört. Der Islam gehört nicht zu Deutschland, er ist in Deutschland – ein kleiner feiner Unterschied, der sich den Amokschwaflern im Berliner Zirkus allerdings völlig entzieht. Die Muslime, wie auch alle anderen Religionen, genießen selbstverständlich das Recht, ihre Religion auszuüben, solange sie sich auf dem Boden eben jenes Grundgesetzes bewegen. Ich habe zwar eine abweichende Meinung wenn es z. B. um Agitation und aggressives Werben a la Pierre Vogel und Genossen geht, aber ich respektiere unsere Verfassung. Besser fände ich es allerdings, ein für alle Mal zu festzustellen, dass alle Religionen Privatangelegenheit sind, und das deren Anhänger ihren Glauben frei und vor allen Dingen auf eigene Kosten praktizieren dürfen, können, sollen, solange sie nicht versuchen, ihrem Umfeld das jeweilige Weltbild aufzuoktroyieren. Spätestens hier sollte nämlich die Religionsfreiheit enden, nachhaltig, alternativlos, basta.

Bildnachweis:
Pierre Vogel: Schängel, Wikipedia, Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland“ lizenziert.
Titelbild: Pixabay, bngdesigns, public domain cc0

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Peter Grohmüller

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