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Ohne Ratzingers Unterhose hast Du nie wieder Sex!

Ohne Ratzingers Unterhose hast Du nie wieder Sex!

Sie sitzt in ihrem bequemen Ohrensessel im Wohnzimmer, hat drei Paar dicke Wollsocken übereinander an und trägt meine alte Strickjacke. Vor ihr auf dem Tisch ein Glas mit Rotwein, in der Hand hält sie ein Buch. Anke, die Allerliebste hat Urlaub, sie will es sich mal ganz gemütlich machen, es mal auskosten, daß die Kinder in den Ferien bei den Großeltern sind und der Mann den größten Teil des Tages in seinem Arbeitszimmer sitzt.

Kurzum, es könnte alles wunderschön sein.

Wäre da nicht dieses „Schahaaatz?!“ mit dem sie mich meint und ruft.
„Ja?“ rufe ich zurück und begebe mich, folgsam und brav wie ich nunmal bin, gleich zu ihr. „Was ist denn? Fehlt Dir irgendwas? Kann ich was für Dich tun?“

„Nö, es ist soooo gemütlich, nicht wahr?“

„Ja, das ist es“, sage ich, lächele und will mich gerade umdrehen, da sagt sie: „Was ist denn eigentlich mit dem Rolladenkasten im großen Kinderzimmer? Wolltest Du den nicht richten?“

„Ja, mach ich“, sage ich und hänge noch hintendran: „…irgendwann.“

Ohne Ratzingers Unterhose hast Du nie wieder Sex!Ohne Ratzingers Unterhose hast Du nie wieder Sex!

„Irgendwahannn?“ Ihre Stimme bekommt so eine leichte Spitze und sie guckt so komisch über ihre Brille. „Du hast doch jetzt nichts zu tun, Du könntest es also auch jetzt gleich machen, dann kann ich nämlich die Gardinen endlich aufhängen.“

„Och, ich hab jetzt keine Lust.“

„Du hast immer keine Lust, das schiebst Du jetzt schon wiiiiiie lange vor Dir her und ich kann wegen Dir die Gardinen nicht aufhängen.“

Ich habe jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder ich erschlage dieses Weib auf der Stelle oder ich tue ihr den Gefallen und repariere eben den Rolladenkasten. Ich könnte sie auch an die nächste Straßenecke führen, sie würde den Weg nach Hause niemals finden…

Grummelnd gehe ich in den Keller, suche mein Werkzeug zusammen und mache mich ans Werk. In vielen Jahre Ehe habe ich gelernt, daß es besser ist, solche „Bitten“ der Frau zu erfüllen, sonst hat man nie wieder Sex.
Die Arbeit geht mir gut von der Hand, bis zu dem Moment, als die Allerliebste beschließt, sie müsse mir jetzt helfen. Die und helfen!
Um Gottes Willen! Bloß das nicht!

„Doch, lass mich doch! Warum soll ich Dir nicht helfen? Ich sehe doch, wie Du Dich mit dem langen Brett da quälst, das könnte ich doch halten.“

Gut, mir wäre es zwar lieber, sie würde ihre Klappe halten und in ihren dicken Socken weiter ein Buch lesen, aber meinetwegen. Das Brett ist wirklich lang und ich wäre schneller fertig, würde es jemand an der anderen Seite halten. Ich gehe also in den Keller, hole noch eine Leiter und baue sie auf. Kurz darauf stehen wir beide auf der Leiter und ich sage: „So, jetzt rechts ein bißchen höher!“
Und was macht sie? Sie hebt es LINKS hoch.

„Halt!“ rufe ich: „Rehechts! Nicht links!“

„Du bist das Schuld“, sagt sie mit mauligem Unterton: „Du bringst mich mit dem ganzen rechts und links völlig durcheinander. Ich habe das noch nie in meinem ganzen Leben verwechselt, erst seitdem Du Dich darüber immer lustig machst, verwechsle ich das.“

„Ich kann mich ja nur drüber lustig machen, WEIL Du es verwechselst“, sage ich, grinse und stelle fest, daß sie das Brett nun auf der richtigen Seite höher hebt.
Bei der Leiste ergibt sich die gleiche Diskussion, wie auch beim Ziersockel und bei der Holzkante. Immer verwechselt die Rechts und Links und gibt mir dafür die Schuld. Bei der Blende bin ich aber vorgewarnt und schlau sage ich von vornherein statt links gleich rechts und was mein ungarisches Teufelsweib? Sie macht es exakt so, wie ich es sage und das ist natürlich verkehrt…

Es ist zwar noch jede Menge zu tun, aber mittendrin beschließt die Allerliebste, daß ihr das jetzt mit dem links und rechts alles viel zu viel wird und sie ja schließlich Urlaub hat. Sie trollt sich… Auch nicht schlecht!
So werkele ich an meinem Rolladenkasten weiter und auf einmal dringt Hämmern an mein Ohr. Was macht die?
‚Die‘ steht im Wohnzimmer auf einem Turm aus Stuhl und Hocker, balanciert auf einem überaus langen und durchaus reizvollen Bein und versucht die Gardinenleiste an der Decke zu befestigen. Dazu müßte man zwei Schrauben in Dübel drehen. Dübel hat sie keine, braucht sie auch nicht, sie hat Kinderknetmasse in die Löcher gestopft: „Warum mußt Du die Löcher auch immer so groß machen?“

„Weil da noch Dübel rein müssen, dann sind sie nicht mehr zu groß.“

„Männer! Immer müßt ihr alles mit Dübeln machen.“

„Das muß man so machen, weil es sonst nicht hält.“

„Bei mir hat bis jetzt noch immer alles gehalten, auch ohne Dübel“, sagt mein Weib und dreht die Schrauben mit einer Nagelfeile in die Knetmasse. Das kann gar nicht halten! Diese Gardinenleiste, da bin ich mir sicher, wird innerhalb von Sekunden wieder herunterfallen. Tut sie aber nicht, jetzt nicht und wie sich später herausstellen wird, auch nach Jahren nicht. Vermutlich werden meine Urenkel eines Tages schweres Gerät benötigen, um diese Leiste irgendwann einmal zu entfernen…

Nun hat die Allerliebste mich also mit ihrer Gardinenleiste von meinem Rolladenkasten weggelockt, eine zweite Baustelle aufgemacht, denn sie will jetzt noch die Fensterbank verschrauben und abdichten. Das kann sie gar nicht und das weiß sie. Also steht sie da, tippt mit den dick besockten Füßen und guckt immer abwechselnd mich und die Fensterbank an.

„Nee, nee, nee“, sage ich: „So haben wir nicht gewettet! Jetzt mache ich erst den Rolladenkasten fertig und dann, wenn ich noch Lust habe, kümmere ich mich um diese Fensterbank hier.“
Ich erwarte einen Schmollmund, schlimmstenfalls Kullertränen, aber nichts dergleichen passiert, sie nickt es ab. SIE NICKT ES AB!
Ja, wo hat es das denn schon mal gegeben?
Wieder zurück an der Arbeit mit dem Rolladenkasten wähne ich meine Frau in dicken Socken hinter ihrem Buch, da tönt es aus dem Badezimmer scheppernd an mein Ohr. „Hiiilfe!“ ruft die Allerliebste, „Schahaaaaatz, schnell, komm mal eben!“

Wenn sie irgendwo feststeckt und nicht mehr aus eigener Kraft loskommt… ich lasse sie stecken, ich schwöre es, ich lasse das verfluchte Weib stecken!
Nein, sie steckt nicht fest, sie hat bloß das Abflussrohr vom Waschbecken abmontiert, aber vorher den Wasserhahn etwas aufgedreht und das Wasser läuft nun, infolge fehlenden Abflussrohres direkt auf den Fußboden. „Kannst Du mir mal eben den Eimer geben?“

„Was um alles in der Welt macht Du da?“ frage ich leicht ungehalten und wohl auch mit voller Berechtigung. Schließlich hat sie damit Baustelle Nummer Drei aufgemacht und ich weiß jetzt schon, daß sie diese Arbeit nicht wird zu Ende führen können.

„Ich wollte mal den Abfluss sauber machen.“

„Der IST sauber, der ist so sauber wie die Unterhose vom Papst!“

„Woher willst Du wissen, ob dem seine Unterhose sauber ist?“

„Dessen!“

„Was?“

„Dessen Unterhose, nicht dem seine.“

„Trägt der nicht seine eigenen Unterhosen?“

Eigentlich hat sie Urlaub, eigentlich habe auch ich Urlaub… und jetzt habe ich drei Baustellen im Haus und muß mich über Ratzingers Schlüpfer unterhalten. Ich will in ein Heim, in ein ganz gemütliches Irrenhaus, wo ich den ganzen Tag nackig herumlaufen und grinsen darf. Bitte!

Mit dem Fuß schiebe ich ihr einen Eimer hin, drehe mich auf dem Absatz um, doch sie ruft: „Kannst Du das mal eben fertigmachen?“
„Okay“, sage ich, „aber nur unter einer Bedingung: Du setzt Dich jetzt unten hin und liest. Du fängst keine andere Arbeit mehr an, okay?“

„Ja sicher, ich hatte sowieso nichts anderes vor, schließlich habe ich Urlaub und will mich erholen.“

Sie verschwindet und ich stehe noch einen kleinen Moment im Treppenhaus, nur um sicher zu sein, daß sie nicht doch irgendwo irgendwas ab- oder anschraubt. Aber nein, sie tut es nicht, ich höre nur das leise Klicken der Telefonanlage im Keller, sie telefoniert, Gefahr gebannt, das kann Stunden dauern, prima!

So verbringe ich also den an und für sich als geruhsamen Tag geplanten Tag damit, den Abfluss zu säubern, die Dichtung zu wechseln, die die Allerliebste abgerissen hat, die Fensterbank anzubringen und abzudichten und den Rolladenkasten endlich fertigzumachen. Ich hätte mir was Schöneres vorstellen können. Doch trotzdem bleibe ich gutgelaunt, ich liebe dieses Weib, obwohl -nein weil!- sie so ist.
Das heißt, ich hätte mir diese Stimmung, des verständnisvollen Liebens bewahrt, hätte ich nicht folgende Fetzen ihres Telefonates mitbekommen: „…und ich wollte ja nur in Ruhe was lesen und so umständlich wie er ist, fängt er tausend Sachen gleichzeitig an. Männer sind ja soooo umständlich!“

Zum wiederholten Male frage ich mich: Was bekommt man eigentlich dafür, wenn man seine Frau auf ein Brett tackert und ihr den Mund mit Klebeband zuklebt?

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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