Kann man Wasser von der Klimaanlage trinken?

Ja, kann man, es schmeckt aber nicht.

Im Gegensatz zu Behauptungen im Netz ist weder destilliertes Wasser noch Kondenswasser giftig. Dieses Ammenmärchen wird aus reiner Sensationslust und für Click-Baiting (das Anlocken von Webbesuchern durch reißerische Titel) weitererzählt.
In einigen südostasiatischen Ländern wird destilliertes Wasser völlig selbstverständlich als besonders „reines“ Trinkwasser zu sogar recht hohen Preisen getrunken.
Das Trinken von destilliertem Wasser in üblichen Mengen bewirkt keine akuten gesundheitlichen Schäden. Wie bei normalem Wasser besteht bei zu hoher Trinkmenge die Gefahr einer sogenannten Wasservergiftung.

Wer natürlich ausschließlich destilliertes Wasser trinkt und sich dann auch noch unausgewogen ernährt, kann nach längerem Konsum eine Unterversorgung des Körpers mit Elektrolyten herbeiführen.

Michael Fromm von der Charité meint zur maximalen Trinkmenge destillierten Wassers, über mehrere Tage verteilt, relativierend:

„Die Niere kann den Harn maximal bis auf 50 mOsmol/l verdünnen, Ausscheidung also weniger als 25 mmol NaCl pro Liter Harn. Die Na+-Konzentration im Plasma darf bis etwa 120 mmol/l sinken, ehe Symptome auftreten, also eine Verringerung um 25 mmol/l. Cl− ist vergleichsweise unwichtig. Das Verteilungsvolumen für NaCl im Plasma plus Interstitium ist 25 % des Körpergewichts, also 17 Liter bei 70 kg. Ein nierengesunder Mensch könnte also theoretisch insgesamt 17 Liter Wasser ohne Zufuhr von Elektrolyten trinken.

Destilliertes Wasser ist also erst bei unnatürlich großen Trinkmengen gefährlich und nur dann, wenn auch über die Nahrung die dadurch fehlende Elektrolytmenge nicht ausgeglichen wird. Eine akute Gefahr für den Körper ist destilliertes Wasser – allerdings ebenso wie normales Trinkwasser – jedoch, wenn es direkt ins Blut gelangt wie durch eine Infusion. Dann können Körperzellen wegen des Osmosevorgangs zerplatzen.

Ähnliches gilt auch für das Kondensat, das beim Betrieb von Kondensat-Wäschetrocknern und Klimaanlagen in mehr oder weniger großer Menge anfällt.
Eine Split-Klimaanlage kann bei Dauerbetrieb im Laufe eines Tages einen Putzeimer füllen.

Die Frage, die häufig gestellt wurde: Kann man dieses Kondenswasser bedenkenlos trinken?

Nun, auch hier tummeln sich die Dümmsten der Dummen und behaupten im Netz entweder, das sei tödlich für den menschlichen Organismus, oder sie machen sich angeblich seit Jahren ihren Kaffee damit und sprudeln es sogar mit Geschmackssirup auf.

Wir haben den Selbsttest gemacht.

Wir haben im Redaktionsraum keinen Wasseranschluss, müssen also das Kaffeewasser in Behältern herbeischaffen. Da wäre es ja praktisch, wenn wir das Wasser gleich hier oben von der Klimaanlage abzapfen könnten.
Versuch macht klug, heißt es. Also haben wir unsere Kaffeemaschine mit dem Kondenswasser gefüllt und Kaffee damit gekocht.

Einhellige Meinung aller fünf Tester*innen: Kotz! Fürchterlich! Ungenießbar!

Das Wasser hat einen „technischen“, metallischen Geschmack, fühlt sich erstaunlicherweise trocken und zusammenziehend im Mund an und hinterlässt ein rauhes Gefühl im Mund.
Den Versuch, Kondenswasser aus dem Wäschetrockner zu verwenden, haben wir gar nicht erst in Angriff genommen, da dieses Wasser stark nach Weichspüler roch.
Übrigens: Auch pur schmeckt das Kondenswasser nur grottig.

Bildquellen

(©co-si)

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