Sprache

Ich liebe Malapropismen

Sprechblase

Die Faszination der Sprachverwirrung: Malapropismus in all seinen Facetten

„Man soll den Tag nicht über den grünen Tee loben!“
Jeder kennt solche Verballhornungen von Sprichwörtern. Sie können versehentlich passieren, sind aber oft auch beabsichtigt, wie das allgegenwärtige „zum Bleistift“ anstelle von „zum Beispiel“.

Ich muss sagen, ich liebe solche Wortverwechslungen vor allem dann, wenn sie unbeabsichtigt über die Lippen rutschen. Bei den beabsichtigten Wortvertauschungen ist es leider oft so, dass ihre Verwendung fast schon inflationär geschieht.

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Die Sprache birgt zahlreiche Kuriositäten, die nicht nur Linguisten, sondern auch den durchschnittlichen Sprachliebhaber, wie mich faszinieren können. Eine besonders amüsante und zugleich intelligente Erscheinung bei den Wortspielereien ist der Malapropismus. Dieser Begriff bezeichnet die Verwendung von ähnlich klingenden, aber in ihrer Bedeutung unterschiedlichen Wörtern oder Wortbestandteilen. Ob bewusst als Wortspiel eingesetzt oder durch unabsichtliche Verhörer entstanden, Malapropismen verleihen der Sprache eine unerwartete Wendung, die nicht selten in Lachanfällen resultiert.

Die witzige Verwechslung von Worten

Malapropismen sind oft das Resultat von Wortverwechslungen, bei denen ein Wort durch ein anderes ersetzt wird, das ähnlich klingt, aber eine gänzlich andere Bedeutung hat. Dieser sprachliche Stolperstein kann bewusst für humorvolle Effekte eingesetzt werden, aber auch unbeabsichtigt in alltäglichen Gesprächen auftreten. Der Reiz liegt dabei nicht nur im klanglichen Aspekt, sondern auch in der semantischen Veränderung des Ausgangswortes.

Im Gegensatz zu bloßen Verballhornungen, bei denen Wörter oft nur lautlich verändert werden, erfahren Malapropismen eine tiefgreifendere Transformation. Die Bedeutung des ursprünglichen Wortes wird nicht nur durch ein ähnlich klingendes, sondern oft auch durch ein völlig unpassendes Wort ersetzt. Dies führt zu Situationskomik und kann die Sprache in einem neuen, überraschenden Licht erscheinen lassen.

Malapropismus als literarisches Stilmittel

Der Malapropismus ist nicht nur auf humoristische Gespräche oder alltägliche Verwirrungen beschränkt, sondern findet auch seinen Platz in der Literatur. Schriftsteller nutzen diese Form der Sprachverwechslung, um ihre Charaktere mit einer gewissen Komik oder Absurdität zu versehen. Ein prominentes Beispiel dafür findet sich in Richard Brinsley Sheridans Stück „Die Rivalen“ aus dem Jahr 1775.

Die Namensgeberin des Phänomens, Mrs. Malaprop, ist eine Figur, die durch den gewollten Einsatz von komplexen und gelehrt klingenden Wörtern den Eindruck der Bildung erwecken möchte. Leider scheitert sie aufgrund ihrer unzureichenden Sprachbeherrschung regelmäßig an der korrekten Verwendung dieser Begriffe. Ihr Name selbst ist ein cleveres Wortspiel, abgeleitet vom französischen „mal à propos,“ was so viel bedeutet wie „unangemessen.“ Die Ironie des Namens verstärkt die Komik der Figur zusätzlich.

Vom Theater auf die Straße: Malapropismen im Alltag

Nicht nur in der Literatur haben Malapropismen ihren Platz gefunden, sondern auch in der Alltagssprache. Zahlreiche dieser sprachlichen Verwirrungen haben sich als Floskeln und Anti-Sprichwörter fest in unseren Sprachgebrauch eingefügt. Menschen zitieren unbeabsichtigt witzige Versprecher oder nutzen bewusst Malapropismen, um humorvolle Effekte zu erzielen. Dies zeigt, wie tiefgreifend und nachhaltig diese Form der Sprachveränderung in unserer Kultur verankert ist.

Die Vielseitigkeit des Malapropismus macht ihn zu einem faszinierenden Phänomen. Er kann in formellen Diskussionen ebenso auftauchen, wie in entspannten Gesprächen unter Freunden. Die Unberechenbarkeit und Kreativität, die mit dieser sprachlichen Spielart einhergehen, machen sie zu einem beliebten Element in der Unterhaltung.

Wenn Worte zu einem Vergnügen werden

Es gibt es unendlich viele Möglichkeiten, die Sprache zu formen, zu verändern und mit ihr zu spielen. Der Malapropismus ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie kreative Verwechslungen von Wörtern nicht nur zu amüsanten Missverständnissen führen können, sondern auch einen tiefgehenden Einfluss auf die Art und Weise haben, wie wir miteinander kommunizieren. Von literarischen Meisterwerken bis hin zu alltäglichen Plaudereien – der Malapropismus hat sich seinen Platz erobert und erinnert uns daran, dass Sprache nicht nur ein Mittel der Kommunikation ist, sondern auch eine unerschöpfliche Quelle der Freude und des Lachens sein kann.

Malapropismus

Ein Malapropismus bezeichnet die Verwendung eines ähnlich klingenden, aber auf andere Bedeutungen zielenden Wortes oder Wortbestandteils. Es handelt sich zumeist um bewusste Wortspiele, kann aber auch auf unabsichtliche Verhörer zurückgehen. Oft handelt es sich dabei um Fremdwörter, wobei das Ersatzwort keinen im Zusammenhang stehenden Sinn ergibt und das Ergebnis in der Folge witzig, absurd oder komisch wirken kann. Im Gegensatz zur Verballhornung wird das Ausgangswort nicht nur lautlich, sondern auch in seiner Semantik verändert. Im Gegensatz zum Schnodderdeutsch sind Malapropismen nicht einem bestimmten Jargon zugehörig.

Malapropismen stehen der Situationskomik nahe, werden aber auch literarisch gezielt verwendet. Zahlreiche Malapropismen haben inzwischen als Floskeln und Anti-Sprichwörter Eingang in die Umgangssprache gefunden.

Etymologie
Das Wort „Malapropismus“ leitet sich von der Figur der Mrs. Malaprop aus Richard Brinsley Sheridans Stück Die Rivalen (1775) ab. Diese verwendet gezielt lange und umständliche Wörter, um so den Eindruck der Gelehrsamkeit zu erwecken, gebraucht sie aber aufgrund fehlender Sprachbeherrschung ständig falsch. Der Name der Mrs. Malaprop ist vom französischen Ausdruck mal à propos („unangemessen“) abgeleitet und ist demnach ein sprechender Name. Quelle: Wikipedia

Beispiele

„Meine Güte, ist das eine Syphilisarbeit.“ (statt: Sisyphosarbeit)
„Er hat sich geschickt aus der Atmosphäre gezogen.“ (statt: Affäre)
„Die Maßnahmen werden mit Bronchialgewalt durchgesetzt.“ (statt: Brachialgewalt)
„Ich tu’s ja nicht wegen des schnöden Mammuts.“ (statt: Mammons)
„Wir sollten da ein Exemplar stationieren.“ (statt: ein Exempel statuieren)
„Diese Ausgaben reißen ein riesiges Loch ins Bidet“ (statt: Budget)
„Das ist ein Präsidentsfall.“ (statt: Präzedenzfall)
„Er war eine Konifere seines Faches.“ (statt: Koryphäe)
„Das Publikum erwies dem Redner stehende Ovulationen.“ (statt: Ovationen)
„Da darf man sich keine falschen Isolierungen machen.“ (statt: falsche Illusionen)
„Das wurde von den Medien hochsterilisiert!“ (statt: hochstilisiert; Bruno Labbadia)
„Über mir schwebte das Damenkloschwert. Ich hatte mich in der Tür geirrt.“ (statt: Damoklesschwert; von Rattelschneck)
„Man siezt sich.“ (statt: sieht)
„Morgens um sieben ist die Welt noch in Dortmund.“ (statt: Ordnung; Sepp Maier)
„Räuber und Gedärm (Album von Die Sterne) statt Räuber und Gendarm“
„Das schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht.“

Welche Malapropismen kennst Du? Was hältst Du von Leuten, die ständig „zum Bleistift“ oder „schönes Loche im Hemde“ sagen?

Bildquellen:
  • schmetterline: Peter Wilhelm mit KI generiertem Bild


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Die schöne deutsche Sprache unterliegt sehr vielen Einflüssen. Die beobachten und kommentieren wir in dieser Rubrik.

Lesezeit ca.: 7 Minuten | Tippfehler melden | © Revision: 29. Mai 2024 | Peter Wilhelm 29. Mai 2024

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