Haariges

Ich bin ja von Natur aus ein wunderschöner Mann und deshalb muß man an mir auch nicht viel machen.
Das bedeutet, daß kein Friseur an mir reich wird, ich trage mein üppig wallendes Haupthaar für gewöhnlich extrem kurz geschnitten und das erledigt zu Hause die Allerliebste mit so einer prima funktionierenden Haarschneidemaschine.

Vor geraumer Zeit kam dann aber zwischen mir und der Allerliebsten eine nicht enden wollende Diskussion über die Definition von „üppig wallendem Haupthaar“ auf. In deren Verlauf verstieg sie sich in die abscheuliche Formulierung: „Die paar Fransen?“

Auf Jahre wären zahlreiche Arbeitslose beschäftigt, würden sie meine Haare zählen müssen. Doch die Allerliebste beharrt darauf, daß es angeblich immer weniger werden.
Ich sage: „Es ist völlig normal, daß da ab und zu mal ein ausgeht, jeder Mensch verliert soundsoviel Haare pro Tag.“

„Aber bei anderen wachsen sie nach!“

Ratte!

Also beschloß ich, um den Gegenbeweis anzutreten, mein Haar wieder etwas länger zu tragen und verweigerte forthin jedweden Einsatz der Haarschneidemaschine. Nach einen zugegebenermaßen struppigen Übergang gelang es mir dann nach einigen Wochen, einen Scheitel zu ziehen und mußte, innerlich grinsend, feststellen, daß das spöttische Maul meiner Allerliebsten verstummte und nichts Haarbezügliches mehr herausließ.

Es wogte und wallte und selbst die kleine etwas ausgelichtete Stelle an meinem oberen Hinterkopf wurde immer mehr von Haaren überdeckt. Nichts mehr würde die spottende Frau sagen können.

Doch sie wäre nicht meine Frau, wenn sie nicht auch an meiner langen Haartracht etwas auszusetzen hätte. „Mann, laß Dir die Haare schneiden, Du machst Deine Kragen fettig.“

Kragen? Fettig? Was soll das jetzt schon wieder?


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Nun gut, an meinem Rasierapparat ist so ein ausklappbarer Langhaarschneider, mit dem könnte ich ja dem hinteren Haarsaum etwas zu Leibe rücken und ihn dergestalt einkürzen, daß er meine Hemdkragen nicht mehr berührt.

Gut, ich gebe zu, es ist irgendwie blöd, sich selbst im Spiegel, über die Schulter und unter Verrenkungen hinten die Haare zu schneiden, aber es gelang mir trotzdem. Wozu hat man schließlich Abitur?
Und weil ich schon im Nacken so erfolgreich war, machte ich mich gleich auch noch an die Partie über den Ohren und den vorderen Haaransatz her.

„Mein Gott, wie siehst Du denn aus?“ lautete der einzige Kommentar meiner Frau und mein Sohn fiel mir in erbärmlicherweise in den Rücken, indem er sagte: „Ach? Ist schon wieder Karneval?“
Noch bevor ich mich wehren konnte, hatte die Allerliebste bei Uschi, der Friseuse, angerufen und einen Termin für mich gemacht.

„Das trägt man jetzt in Mailand so“, versuchte ich das Gespräch in für mich günstige Bahnen zu lenken, doch die Allerliebste erwiderte nur: „Dann mußt Du eben nach Mailand gehen, ich jedenfalls gehe so mit Dir nicht auf die Straße!“

Heute Morgen war ich dann bei Uschi und sie meine anerkennend: „Das sieht aber aus, als wenn Ihnen ein Hamster die Haare vom Kopf genagt hätte. Da kann man ja kaum noch was retten!“. Dann griff sie zur elektrischen Haarschneidemaschine und verpasste mir einen superkurzen, aber sehr modischen Haarschnitt.

34 Euro….

Naja, das hätte ich auch selbst hinbekommen. Schuld hat, wie immer, nur die Allerliebste. Hätte sie nicht meinen üppigen und dichten Haarwuchs in Frage gestellt, hätte ich mir manche Verrenkung und Peinlichkeit erspart.


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