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Geschmackloser Spaß mit dem Foto einer Geschändeten, Mannheimer Morgen

Geschmackloser Spaß mit dem Foto einer Geschändeten, Mannheimer Morgen

Der „Mannheimer Morgen“ macht 20-jähriges Mordopfer zum Gegenstand eines Spaßrätsels.

Immer wieder mal veranstaltet der Mannheimer Morgen, eine Tageszeitung im Süden, heitere Rätselrunden. Mal müssen die Leute auf alten Fotografien bestimmte Stellen in Mannheim wiedererkennen, mal gibt es den „Spaß für Kreuz- und Querdenker“.
Bei der in mehreren Teilen erscheinenden Serie „Spaß für Kreuz- und Querdenker“ handelt es sich um ein Kreuzworträtsel, in dessen Felder man neben „2 senkrecht: holländische Käsestadt“ und „55 waagerecht: gefrorenes Wasser“ auch in sechs Felder die Lösung aus etwas längeren, teils bebilderten Textaufgaben einfügen soll.

Das Rätsel widmet sich jedes Mal einem anderen Thema, am 14. August 2015 war das „Schlagzeilenträchtige Prozesse an Mannheimer Gerichten“.
Daß da die pikante Geschichte um den prominenten Wettermann Jörg Kachelmann nicht fehlen darf, ist klar. Schließlich hat der weithin bekannte Fernsehmann in Mannheim eingesessen und es wurde hier gegen ihn prozessiert.
Nun ist Kachelmann aber so etwas wie ein Prominenter, sein Fall um Liebschaften, Eifersucht und Drama, durchaus geeignet um in die Klatschspalten und in so ein Rätsel zu rutschen.

Anders ist das bei Gabriele Z.

Geschmackloser Spaß mit dem Foto einer Geschändeten, Mannheimer MorgenGeschmackloser Spaß mit dem Foto einer Geschändeten, Mannheimer Morgen

Gabriele wurde 2013 im Alter von nur 20 Jahren das Opfer eines Mörders. Ein Verbrecher hatte die junge Frau überfallen, erdrosselt und sich dann an ihr vergangen.
Eine brutale Tat, eine Tat, die schwer auf den Angehörigen des Opfers lastet und die auch für die Mannheimer mit vielen schrecklichen Gefühlen und Gedanken verbunden ist.
Nun, keine zwei Jahre nach der grausamen Tat, Gabriele Z. zum Teil eines „Rätselspaßes“ zu machen, ist geschmacklos. Hier läßt der Mannheimer Morgen deutlich an Fingerspitzengefühl vermissen.
Es fehlt der räumliche und vor allem der zeitliche Abstand zum Ereignis. Lange zurückliegende Kriminalfälle (nehmen wir die Morde von Jack the Ripper) bleiben einem nur noch als schreckliche Greueltat in Erinnerung, meist lebt niemand mehr, der die Opfer kannte oder eine Beziehung zu ihnen hat; die Tat ist historisch, ja fast archäologisch geworden.

Aber ein schrecklicher Vergewaltigungsmord oder andersherum gesagt, eine grausame Leichenvergewaltigung mit Mord, nein, das ist nach weniger als zwei Jahren, wenn überhaupt, nicht für einen fröhlichen Rätselspaß geeignet.

Der Mannheimer Morgen, sonst eher für höfliche kommunale Hofberichterstattung bekannt, hat hier ganz gezielt auf Sensation, Schlagzeile und „Die ganze Stadt im Schock“ gesetzt, ein großer Fehler!
Mit einer Sensationslust, die man sonst nur von Boulevardblättern kennt, druckt er zum Rätsel auch noch keck das Foto der Geschändeten ab.

Hoffentlich nehmen das einige Leser zum Anlaß, um sich beim Mannheimer Morgen zu beschweren.
Das war auf jeden Fall ein Griff ins Klo.

Titelbild: Original Zeitungsausrisse aus dem Mannheimer Morgen vom 14.8.2015

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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peter wilhelm autorenlesung
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  1. twl
    twl 20 August, 2015, 21:35

    Man, man.
    Als nächstes werden die Redakteure des MM jetzt wohl lernen, dass es den „Shitstorm“ auch als regionales Wetterphänomen geben kann…
    Zu recht.

    Antwort auf diesen Kommentar
  2. Christians Ex
    Christians Ex 22 August, 2015, 18:22

    Das glaub ich ja nicht, wie pervers ist das denn??
    Ich hätte nicht gedacht, dass es unter Bild-Niveau noch was gibt.

    Antwort auf diesen Kommentar

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