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Es lag an der Uhr

Es lag an der Uhr

„Unverschämtheit!“

So drang es gestern an mein Ohr, als ich bei dem kleinen Mini-McDonalds im Einkaufszentrum an die Theke trat, um mir eben eine Käsewanze zu kaufen. Meine Mutter hat ja immer schon gesagt, daß man nicht mit leerem Magen einkaufen gehen soll, sonst kauft man mehr, als man eigentlich wollte. Diesen guten Rat beherzige ich seit Jahren, auch gestern, denn ich wollte ins BAUHAUS.

Aber vor meine Käsewanze hatte der liebe Gott eine Frau gestellt, die weit und breit, außer mir, die einzige Kundin in diesem Mc-Donalds-Mini war. „Unverschämtheit!“, tönte sie wieder die beiden Mitarbeiter dort an. Es stellte sich alsbald heraus, daß die Gute im Besitz eines Gutscheines ist. Diese Gutscheine verschickt McDonalds an die Kinder, die im Junior-Club angemeldet sind und man bekommt da ein leckeres Kaltgetränk oder auch mal eine heiße Abfalltasche Apfeltasche ganz umsonst.
Der Gutschein der etwa 35jährigen war aber schon einen Tag zuvor abgelaufen, lautete ganz eindeutig auf ein Kind von 8 Jahren und hatte noch den Makel, daß er nur in einer Filiale in Mettmann bei Düsseldorf eingelöst werden konnte.

Folgerichtig kratzten sich die beiden Mc-Männer am Kopf und lehnten freundlich, aber bestimmt, die Einlösung des Gutscheines für ein Eisbecherchen ab. Sie dürften das gar nicht, es täte ihnen aber sehr leid.

„Wegen dem einen Tag?“

„Ja und weil sie nicht die kleine Nicole sind und weil wir gar nicht wissen wo Mettmann überhaupt liegt.“

„Sehen Sie, meine Uhr ist Schuld! Da war das Datum falsch eingestellt und ich dachte gestern wäre heute und morgen wäre erst jetzt, verstehen Sie?“

„Ich verstehe Sie, aber der Gutschein gilt nur in Mettmann.“

„Jetzt seien Sie aber mal nicht päpstlicher als der Papst, das sind nur 300 Kilometer, oder meinen Sie der Gutschein weiß, wo er eingelöst wird.“

„Der Gutschein vielleicht nicht, aber mein Chef!“

„So, einen Chef haben Sie auch? Na, dann holen Sie den mal bitte, dem werde ich was erzählen!“

„Unser Chef ist in der anderen Filiale.“

„So! Sie locken also die Kunden mit solchen Gutscheinen an und dann wollen Sie die vertraglich zugesicherte Leistung nicht erbringen? Das wird ein Nachspiel haben!“

„Tut uns leid, aber wir dürfen das nicht. Abgelaufen ist abgelaufen und hier ist nicht Mettmann.“

An dieser Stelle des Gespräches mischte ich mich vorlauterweise und unzulässigerweise in das Gespräch ein. In der mir eigenen höflichen und sehr diplomatischen Art sagte ich zu einem der beiden Pommesverkäufer: „Wäre es vielleicht möglich, mir einen Cheeseburger zu geben, bevor diese Aktion noch in einen Sitzstreik ausartet?“

Die Tussi fährt herum und keift mich mit hochrotem Kopf an: „So und Sie wollen sich jetzt vordrängen, was?“

„Nein, ich möchte nur einen Cheeseburger, das geht blitzschnell und dann können Sie mir ihrer Kinderkacke hier weitermachen.“

Das ist doch diplomatisch, oder?
Sie sah das anders und pumpte wie ein Maikäfer, um genügend Luft für die nächste Tirade zu haben: „Und ihr dämlicher Schißbörger soll jetzt wichtiger sein, als mein Anliegen? Das ist ja eine Unverschämtheit, ich werde mir weitere Schritte gegen Sie vorbehalten!“

Ich zeige mit dem Daumen über die Schulter auf die Allerliebste und sage: „Beschwerden bitte gleich an meine Frau, die hat mich so gemacht!“
Im gleichen Moment bekomme ich meinen Cheeseburger, drücke dem Hamburger-Mann meinen Euro in die Hand und will gehen.
Da schlägt mir die Mettmann-Hyäne meinen Cheeseburger aus der Hand und kreischt: „Sie essen hier überhaupt nichts! Ich war vor Ihnen dran!“

Dreht sich um und verlangt vom anderen Pommes-Mann: „Und Sie rufen jetzt sofort ihren Chef an. Ich will den Gutschein eingelöst haben!“

Der Typ macht das auch und währenddessen hat der andere schon klein beigegeben und will der blöden Kuh ein Eis zapfen. Die Eismaschine macht aber nur ein furzendes Geräusch und gibt damit zu erkennen daß sie sich der Meinung der nunmehr etwa 25 versammelten Leute anschließt: Diese Alte bekommt kein Eis!

„Dann nehme ich eben einen Cheeseburger!“

Und während Ali1 noch mit dem Chef telefoniert, gibt Ali2 ihr einen Cheeseburger. Der wird sich gedacht haben: Besser ich gebe der irgendwas und zahle es aus meiner Tasche, bevor die noch explodiert und ich die ganze Scheiße wegwischen muss!

Kaum hat die Tussi ihren Cheeseburger bekommen, dreht sie sich triumphierend zu mir um und zeigt ihn mir grinsend.
Aber leider konnte sie sich nicht besonders lange daran freuen. Ich war selbst erstaunt, wie weit so ein Cheeseburger fliegen kann!

Während sie dem Frikadellenufo mit offenem Maul nachstarrt, drückt mir der eine McDonalds-Mann grinsend einen neuen Cheeseburger in die Hand, den ich sofort an die Allerliebste weiterreiche. Der andere zerreißt genüßlich den Gutschein der Tussi und ganz zaghaft beginnt hinter mir Applaus. Da stehe ich also vor dem Mini-McDonalds im Einkaufszentrum und rund zwei Dutzend Leute klatschen mir Beifall, weil ich einen Cheeseburger etwa 35 Meter weit werfen kann.

Mal sehen, wann das olympische Disziplin wird!

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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