• Erbschaft

    Gestern schrieb ich zum Tode von F.K. Flick, dass der mir sowieso nichts vererbt. Daran hat sich nichts geändert, es braucht sich also niemand melden, dem jetzt auf einmal einfällt, er sei mit mir verwandt.

    Ich habe überhaupt noch nie etwas geerbt und werde es vermutlich auch nie. Das liegt daran, dass ich ein sogenannter Nachkömmling bin. Ich habe noch einen 16 Jahre älteren Bruder und als ich geboren wurde, waren meine Großeltern alle schon verstorben. Das waren alles keine reichen Leute und ich glaube nicht, dass die ausser Hausrat und Kleidung überhaupt irgendwas hinterlassen hatten.

    Meine Eltern waren zwar keine armen Leute, aber ihr Vermögen hat sich in Luft aufgelöst. Als mein Vater starb, wurde kurz darauf auch bei der Mutter Krebs festgestellt. Die Behandlung war langwierig, die Pflege aufwendig, da ist das meiste draufgegangen. Ausserdem wollte meine Mutter noch mehrfach nach Kanada fliegen, wo mein Bruder lebt, was ja auch nicht billig ist. Jedenfalls hat das, was da übrig blieb, nichtmals für die Beerdigung gereicht.

    Der einzige kinderlose Erbonkel, der mir immer eine hohe Erbschaft versprochen hatte, entdeckte hochbetagt noch seine Liebe zu einer begüterten Wiener Kunsthändlerin und sein Vermögen schrumpfte irgendwo zwischen der Kettenbrückengasse und der Wiener Neustadt, sodass auch da nichts zu erben war.

    Eine Chance, etwas zu erben, hat damals meine Mutter vereitelt. Mein Patenonkel hat bei uns ein Testament deponiert, in dem er mir zwei Häuser vermachte. Meine Mutter war wohl der Meinung, man könne oder dürfe so etwas nichts annehmen und hat das Testament geheim und unter Verschluss gehalten. Wir fanden es erst nach ihrem Tod, da war das Erbe des Patenonkels schon längst verteilt.


    Anzeige




    Ich habe da aber auch nichts großartig vermisst, zumal ich von eventuellen und nicht zustande gekommenen Erbschaften immer erst sehr viel später im Nachhinein erfahren habe. Gerechnet hatte ich sowieso niemals mit etwas.

    Anders sieht das bei meiner Frau aus. Ihr Vater hat ein Haus gebaut, eins geerbt und noch eins geerbt. Für meine Frau ist das kein Thema, das ist halt eben so. Mein sogenannter Schwiegervater sieht das aber anders. Seit seiner Pensionierung drehen sich offenbar alle seine Gedanken nur noch um das Erbe. Unter völliger Ausserachtlassung irgendwelcher gesetzlichen Erbfolgeregeln, hat er in seinem Kopf das Erbe schon verteilt. In erster Linie liegt ihm das Wohl der Enkelkinder am Herzen.

    Es vergeht kein Besuch der Enkelkinder bei ihrem Großvater, ohne dass der es sich verkneifen kann, jedem ein Haus, ein Auto und einen Führerschein zu versprechen.
    Meine Frau und ich finden, dass Kinder im Alter von 8-12 Jahren noch zu klein sind, um sich über so etwas Gedanken zu machen.


    -Anzeige-

    Mehr verwandte Artikel laden

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

    Lies bitte auch

    Frohes neues Jahr

    Allen Leserinnen und Lesern des Dreibeinblogs wünsche ich ein frohes, gesundes und erfolgr…