Gesundheit / Haushalt

Die Wahrheit über Ventilatoren, Luftkühler und Klimaanlagen

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Vor 43 Jahren gab es einen historischen Hitzerekord in Deutschland. Am 27. Juli 1983 wurde in Gärmersdorf (Oberpfalz) ein neuer deutscher Hitzerekord von 40,2 °C gemessen. Das war das erste Mal überhaupt, dass in Deutschland die 40-Grad-Marke geknackt wurde.1

Ich bin damals mit meiner Frau gerade in unsere erste Wohnung eingezogen, direkt unter dem Dach. Das war eine wunderschöne Wohnung und die Miete war sehr günstig. Aber unterm Dach wurde es sauheiß.
Damals bin ich von Geschäft zu Geschäft gefahren und konnte keinen einzigen Ventilator kaufen, alles ausverkauft.
Und dann, dann entdeckte ich doch noch einen .

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In einem großen, damals sehr stark beworbenen Elektromarkt in Mannheim gab es ganz einfache, billige Tischventilatoren. Normalerweise kostete so etwas zwischen 25 und 35 D-Mark.
Der Händler hatte noch eine Palette davon im Lager entdeckt und in den Laden geschoben. Verkaufspres: 129 DM.

So kann man in der Hitzekrise auch die „Not“ der Leute ausnutzen.
Und diese Not ist real: Extreme Hitze birgt große gesundheitliche Risiken2.

Wer in diesen heißen Tagen, die jetzt gerade auf uns einwirken, etwas abkühlen möchte, hat mehr Möglichkeiten, als nur einen Ventilator aufzustellen.

Zur Auswahl stehen heute ganz unterschiedliche Geräte:

  • Ventilatoren
  • Ventilatoren mit Wasser- oder Nebelfunktion
  • Mobile Klimaanlagen
  • Fest installierte Split-Klimaanlagen
  • Verdunstungs-Luftkühler

Ich habe im Laufe der Jahre alle diese Lösungen ausprobiert. Manche haben mich begeistert, andere eher enttäuscht. Deshalb möchte ich erklären, wie die einzelnen Geräte funktionieren, welche Vor- und Nachteile sie haben und für wen sie geeignet sind.

Der klassische Ventilator

Der gewöhnliche Ventilator ist die einfachste und günstigste Möglichkeit, sich etwas Erleichterung zu verschaffen. Entgegen einer weit verbreiteten Annahme kühlt er die Luft überhaupt nicht ab.

Er bewegt lediglich die vorhandene Luft. Der kühlende Effekt entsteht dadurch, dass der Luftstrom den Schweiß auf der Haut schneller verdunsten lässt. Diese Verdunstung entzieht dem Körper Wärme. Deshalb fühlt man sich deutlich kühler, obwohl die Raumtemperatur unverändert bleibt.

Ein Ventilator eignet sich besonders gut, wenn man sich in seinem Luftstrom aufhält. Für einen ganzen Raum bringt er dagegen kaum eine Verbesserung. Er ist sparsam im Stromverbrauch, leicht transportierbar und bereits für wenige Euro erhältlich.

Außerdem sind diese Geräte günstig in der Anschaffung und extrem leise.

Ventilatoren mit Wasser- oder Nebelfunktion

Diese Geräte sehen zunächst wie normale Ventilatoren aus. Zusätzlich besitzen sie jedoch einen Wassertank und versprühen einen feinen Wassernebel.

Der Nebel verdunstet teilweise in der Luft und sorgt unmittelbar auf der Haut für einen stärkeren Kühleffekt als ein gewöhnlicher Ventilator. Die tatsächliche Raumtemperatur sinkt dadurch jedoch kaum.

Im Freien, auf der Terrasse oder dem Balkon können solche Geräte durchaus angenehm sein. In geschlossenen Räumen erhöhen sie allerdings die Luftfeuchtigkeit. Gerade an ohnehin schwülen Sommertagen kann das den Raum sogar unangenehmer machen.

Wer ein solches Gerät verwendet, sollte außerdem regelmäßig den Wassertank reinigen. Andernfalls können sich Keime oder Schimmel bilden.

Mobile Klimaanlagen

Wenn viele Menschen von einer „mobilen Klimaanlage“ sprechen, meinen sie meist ein Monoblockgerät. Dabei befinden sich Kompressor, Wärmetauscher und Ventilator in einem einzigen Gehäuse.

Diese Geräte können einen Raum tatsächlich herunterkühlen. Die dabei entstehende Wärme muss jedoch über einen dicken Abluftschlauch nach draußen geleitet werden, meist durch ein Fenster.

Genau hier liegt das größte Problem: Durch das geöffnete Fenster strömt gleichzeitig warme Außenluft wieder nach innen. Dadurch arbeitet das Gerät deutlich ineffizienter. Mit guten Fensterabdichtungen lässt sich dieses Problem zwar reduzieren, ganz vermeiden lässt es sich aber nicht.

Hinzu kommt, dass Monoblockgeräte relativ laut sind. Wer dabei schlafen möchte, wird den Kompressor oft als störend empfinden.

Fest installierte Split-Klimaanlagen

Eine Split-Klimaanlage ist technisch die mit Abstand beste Lösung.

Sie besteht aus einer Inneneinheit und einer Außeneinheit. Der laute Kompressor befindet sich draußen. Dadurch arbeitet die Anlage im Raum angenehm leise.

Moderne Geräte arbeiten mit Luft-Luft-Wärmepumpen und sind auch am Außengerät sehr leise.

Split-Geräte können die Raumtemperatur tatsächlich deutlich senken und konstant halten. Moderne Anlagen arbeiten sehr effizient und verbrauchen trotz ihrer hohen Kühlleistung oft weniger Strom als viele mobile Klimageräte.

Viele Modelle können zusätzlich heizen, entfeuchten und die Luft filtern. Der Nachteil sind die deutlich höheren Anschaffungskosten sowie die notwendige Montage durch einen Fachbetrieb.

Wer regelmäßig unter heißen Sommern leidet und langfristig denkt, erhält hier die komfortabelste Lösung.

Ich habe mir vor ein paar Jahren ein solches Gerät gekauft. Den Einbau habe ich selbst mit ein paar Freunden vorgenommen. Das war aber eine Herausforderung.

Verdunstungs-Luftkühler

Verdunstungs-Luftkühler werden häufig mit Klimaanlagen verwechselt. Tatsächlich arbeiten sie nach einem völlig anderen Prinzip.

Ein Ventilator bläst Luft durch feuchte Filtermatten oder Kühlpads. Dabei verdunstet Wasser und entzieht der Luft etwas Wärme.

In trockenen Regionen kann dieses Verfahren durchaus funktionieren. In Mitteleuropa mit seiner oft ohnehin hohen Luftfeuchtigkeit fällt der Effekt jedoch meist deutlich geringer aus. Gleichzeitig steigt die Luftfeuchtigkeit im Raum weiter an.

Viele Hersteller werben mit Begriffen wie „Klimagerät“ oder „Luftkühler“. Tatsächlich handelt es sich aber nicht um echte Klimaanlagen.

Trotzdem habe ich solche Geräte, die ja günstig in der Anschaffung sind, für zwei Räume angeschafft. Gerade in schwülen Tropennächten, wenn sowieso alles feucht, schwitzig und heiß ist, empfinde ich den kühlen Luftzug als sehr angenehm. Die Steigerung der Luftfeuchtigkeit kann man dann auch mal vernachlässigen, der angenehme Effekt überwiegt.

Vergleich der verschiedenen Systeme

Gerät Kühlt den Raum wirklich? Stromverbrauch Lautstärke Anschaffungskosten Empfehlung
Klassischer Ventilator Nein Sehr gering Leise bis mittel Gering Für kurze Erfrischung im direkten Luftstrom
Ventilator mit Wasser/Nebel Kaum Sehr gering Leise bis mittel Gering bis mittel Vor allem draußen sinnvoll
Verdunstungs-Luftkühler Nur gering Gering Mittel Mittel Nur bei trockener Luft empfehlenswert
Mobile Klimaanlage Ja Hoch Laut Mittel bis hoch Gute Übergangslösung ohne Festeinbau
Split-Klimaanlage Ja, sehr gut Mittel Sehr leise Hoch Beste Dauerlösung

Mobile Split-Geräte

Noch recht neu sind mobile Split-Klimaanlagen.
Diese ähneln den Monoblock-Klimaanlagen, nur ist hier der Kompressorteil mit seiner Abwärme in einem separaten Gerät verbaut, das man außen aufstellen muss. Innen- und Außengerät sind durch eine Schlauch-/Kabelwurst verbunden.

Die Geräte haben logistische Nachteile. Um den Schlauch nach außen zu führen, muss wieder ein Durchlass an einer Balkontür oder einem Fenster gebaut werden, mit allen damit verbundenen Nachteilen.

Mein persönliches Fazit

Ob nun ein Klimawandel3 vorliegt oder ob wir es nur mit einer ganz normalen Auf- und Ab-Bewegung der Temperaturen zu tun haben, spielt bei meinen Betrachtungen letztlich keine Rolle: Fakt ist, es ist heiß.

Nach vielen Jahren des Ausprobierens bin ich zu einer recht klaren Einschätzung gekommen: Wer lediglich am Schreibtisch sitzt oder abends auf dem Sofa etwas Erleichterung sucht, ist mit einem guten Ventilator oft bestens bedient.

Wer dagegen die Raumtemperatur tatsächlich senken möchte, kommt um eine echte Klimaanlage nicht herum. Mobile Monoblockgeräte können durchaus helfen, haben aber konstruktionsbedingt einige Nachteile. Die beste Lösung bleibt eine fest installierte Split-Klimaanlage. Sie ist zwar in der Anschaffung am teuersten, bietet aber den höchsten Komfort, arbeitet leise und kühlt den Raum wirklich effektiv.

Von Verdunstungs-Luftkühlern und Nebelgeräten sollte man hingegen keine Wunder erwarten. Sie können das persönliche Wohlbefinden verbessern, ersetzen aber keine echte Klimaanlage.

Habe ich noch eine Kühllösung vergessen?
Wie hilfst Du Dir durch die heißen Tage?


Tipps zum Weiterlesen:

  • Winklmayr, C., Muthers, S., Niemann, H., Mücke, H-G, an der Heiden, M (2022): Hitzebedingte Mortalität in Deutschland zwischen 1992 und 2021. Dtsch Arztebl Int 2022; 119: 451-7; DOI: 10.3238/arztebl.m2022.0202
  • Bunz, M. & Mücke, H.-G. (2017): Klimawandel – physische und psychische Folgen. In: Bundesgesundheitsblatt 60, Heft 6, Juni 2017, S. 632-639.
  • Friedrich, K. Deutschländer, T., Kreienkamp, F., Leps, N., Mächel, H. und A. Walter (2023): Klimawandel und Extremwetterereignisse: Temperatur inklusive Hitzewellen. S. 47-56. In: Guy P. Brasseur, Daniela Jacob, Susanne Schuck-Zöller (Hrsg.) (2023): Klimawandel in Deutschland. Entwicklung, Folgen, Risiken und Perspektiven. 2. Auflage, 527 S., über 100 Abb., Berlin Heidelberg. ISBN 978-3-662-6669-8 (eBook): Open Access.

Bildquellen:

  • klima_800x500: Peter Wilhelm KI
  • vent09_800x500: Peter Wilhelm

Fußnoten:

  1. https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag-hitzerekord-deutschland-100.html (zurück)
  2. https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltzustand-trends/umwelt-gesundheit/gesundheitsrisiken-durch-hitze (zurück)
  3. Der Begriff des Klimawandels bzw. der anthropogenen Klimaänderung bezieht sich in erster Linie auf die aktuelle vom Menschen verursachte Veränderung des globalen und regionalen Klimas. Allgemein umfasst eine Klimaänderung die langfristigen Veränderungen des Klimas, unabhängig davon, ob dies auf natürliche oder anthropogene Ursachen zurückzuführen ist. Quelle: ARL (2013): Glossar Klimawandel und Raumentwicklung (zurück)
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(©si)