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Die meisten sind sowieso zu blöd – Vorratsdatenspeicherung

Die meisten sind sowieso zu blöd – Vorratsdatenspeicherung

Es ist ja allgemein bekannt, daß ich nicht zu denen gehöre, die ständig und überall vor dem „Großen Bruder“ warnen. Der ist nämlich, da wo wir es gar nicht vermuten, schon lange da und dort wo es sinnvoll wäre, unsere Datensätze miteinander zu verknüpfen, wird er auch in 30 Jahren noch auf sich warten lassen. Nicht, daß unsere Behörden nicht ein veritables Interesse an unseren kompletten Daten, inkl. Bewegungsprofil und Mail- und Internetdaten hätten. Nein, sie würden das alles schon gerne haben und zwar am liebsten lückenlos und grundsätzlich von jedem Bürger. Doch stehen dem derzeit glücklicherweise noch unsere Grundrechte im Weg, die kurz formuliert aussagen, daß erst wenn ein begründeter Verdacht vorliegt, auch ermittelt werden darf. Die Ordnungsmacht darf also nicht pauschal ein ganzes Volk unter Vorverdacht stellen und Daten erheben, so wie sie das gerne hätte.
Und solange nicht alle Deutschen in Permanenz Straftaten verüben, besteht auch überhaupt kein Grund für so etwas wie die Vorratsdatenspeicherung.

Gerne wird ja diese Vorratsdatenspeicherung auf der einen Seite sofort als Wunder- und Allheilmittel gepriesen und gefordert, wenn irgendwo eine Straftat geschieht, die sich auch nur im Entferntesten auf das Internet zurückführen lässt. Jedoch wird übersehen, daß heute wahrscheinlich auch Adolf Hitler eine Homepage hätte und daß auch Jack the Ripper irgendwo unter seinem richtigen Namen ein Facebook-Profil haben würde. Jeder ist heutzutage irgendwie, irgendwo im Netz auffindbar.
Auf der anderen Seite werden die Ängste der Internetnutzer und Telefonierer geschürt, mit der Vorratsdatenspeicherung käme die sofortige Gesamtkontrolle über ein ganzes Volk.

Die meisten sind sowieso zu blöd - VorratsdatenspeicherungDie meisten sind sowieso zu blöd - Vorratsdatenspeicherung

Beides ist Dummfug, Quatsch und zeugt von politischem Sachverstand auf Thekenniveau.
Aktuell wird ja die Wunderwaffe Vorratsdatenspeicherung wieder ins Gespräch gebracht, weil in Norwegen jemand einen schrecklichen Amoklauf veranstaltet hat. Und dieser jemand war auch noch vorher im Netz aktiv und hat sich und seine Ansichten dort in Szene gesetzt.
Nur hätte eine Vorratsdatenspeicherung hier überhaupt nichts bewirkt.

Denn man muß sich zunächst einmal vor Augen halten, was Vorratsdatenspeicherung überhaupt bedeutet.
Im Grunde ist das erst einmal nichts anderes, als die Verpflichtung der Diensteanbieter, Informationen über das Nutzerverhalten ihrer Kunden über einen gewissen Zeitraum für die Strafverfolgungsbehörden verfügbar zu halten.
Gespeichert würde beispielsweise wer an wen wann eine E-Mail geschickt hat und wer wann von wo nach wo mit wem telefoniert hat. Die Inhalte von Mails und Telefonaten hingegen sollen (jetzt!) gar nicht festgehalten werden.
Da auf diese Weise die Inhalte von den Verbindungsdaten losgelöst wären, sagten die erhobenen Daten selbst in Falle einer aktuellen Strafverfolgung alleine für sich gar nicht viel aus. Sie gäben allenfalls Hinweise darauf, mit wem der Verdächtige Kontakt hatte.
Und die Betonung liegt auf „hatte“, denn für die aktuelle, jetzt gerade stattfindende Ermittlung könnten sich die Behörden sowieso einen richterlichen Beschluss holen und damit dann auch die Inhalte ausspionieren.
Wirklich bringen würde diese Vorhaltung von Verbindungsdaten also niemandem etwas.

Auch der norwegische Attentäter wäre mit einer solchen Datenspeicherung überhaupt nicht zu stoppen gewesen.
Was er denkt und was ihn motiviert, ja das steht doch sowieso überall im Netz. Und was der Einzeltäter vor hatte, hätte er sich selbst kaum in einer Mail geschrieben. Und selbst wenn er das, bei existierender Vorratsdatenspeicherung getan hätte, dann wüßte man jetzt im Nachhinein, wann er an wen geschrieben hätte, aber man wüßte nicht WAS.

Nein, die Vorratsdatenspeicherung ist ein Horrorgolem, der nur als Schreckgespenst an die Wand gemalt wird und nur deshalb als Allheilmittel gepriesen wird, weil er die Tür für ganz andere Formen der Internetüberwachung aufmacht.
Und genau darauf kommt es den Hardlinern in den Parteien an!
Jetzt die Vorratsdatenspeicherung, dann die Speicherung der Inhalte und später vielleicht der vollautomatische Abgleich mit Staatsdatenbanken, um Unbequeme herauszufiltern.
Das ist die Gefahr, vor der gewarnt werden muß, denn noch nie ist irgendein Instrument, war es erst einmal da, ungenutzt geblieben und kleine Instrumente wecken Begehrlichkeiten nach größerem und gefährlicherem Besteck!

Deshalb sage ich, daß es Blödsinn ist, sich vor der Vorratsdatenspeicherung zu fürchten. Viele dieser Daten, die dann vielleicht ein halbes Jahr gespeichert würden, werden von den Anbietern sowieso 90 Tage zu Abrechnungszwecken gespeichert.
Aber man sollte trotzdem gegen die Vorratsdatenspeicherung sein, weil sie zwar ein derzeit stumpfes Schwert ist und uns in Wahrheit keinen Schaden zufügen kann, aber sie ist der Weg hin zur Überwachung. Und genau das ist die große Gefahr!

Wer halbwegs intelligent vorgeht und möchte, daß seine übermittelten Informationen geheim bleiben, der wird auch bei existierender Vorratsdatenspeicherung und Totalüberwachung leicht Wege finden, völlig ungestört und unüberwacht zu kommunizieren. Wegwerfhandys mit Prepaidkarten und Tages-E-Mail-Accounts sowie Verschlüsselung und Verschleierung machen es möglich.

Aber die meisten und hier sind vor allem die jungen Leute gemeint, gehen vollkommen sorglos mit ihren Daten um. Da wird in Facebook alles veröffentlicht, ohne groß darüber nachzudenken, was ein halbwegs intelligenter böser Mensch damit anfangen könnte.
Einmal mehr gilt übrigens die Binsenwahrheit: Was einmal ins Netz gestellt wird, ist IMMER im Netz. Da hilft auch kein späteres hektisches Löschen, Aufräumen und Aufwischen.
Alles taucht irgendwann irgendwo wieder auf!

Natürlich geben sich die Jugendlichen aufgeklärt und meinen, sie seien schon die Creme der Intelligenz, weil sie keine Saufbilder mehr bei Fratzbuch einstellen. Da könnte ja ein zukünftiger Chef oder Personalchef mal nachgucken, das wird ihnen von sorgsam uninformierten Lehrer in aufklärerischer Absicht so gepredigt. Soll ich mal ein paar Webseiten oder Fratzbuch-Profile dieser angeblich Bescheid wissenden Pädagogen hier präsentieren? Was wird gewünscht? Lehrerinnen oben ohne? Lehrer im Vollsuff auf Malle? Alles kein Problem!

Die Personaler der großen Firmen sind inzwischen viel zu abgeklärt, um sich noch mit dem Quatsch auf Fratzbuch zu befassen. Große Unternehmen haben psychologisch ausgetüftelte Verfahren, um die Spreu vom Weizen zu trennen, die brauchen da keine Profile aus „Wer-kennt-wen?“ auszuwerten, um herauszufinden, wer ein Blödmann ist und wer nicht.
Das machen eher die Chefs kleiner Unternehmen und die würden, egal was man online stellt, sowieso die falschen Schlüsse ziehen.

Es geht im Grunde auch nicht darum, das Extreme, das Besondere, die schrecklichen Geheimnisse der jungen Leute aufzudecken. Man muß nur anschauen, was die Leute in ganz öffentlich zugänglichen und für jedermann erreichbaren Foren so schreiben.

Da offenbart sich zumeist so viel Schwachsinn, daß sich die Leute alleine dadurch schon disqualifizieren. Das ist insgesamt viel informativer als ein Fratzbuch-Profil.
Jedenfalls gehen viele Jugendliche mit ihren Daten vollkommen unbekümmert um, selbst wenn sie die Ratschläge nutzloser Pädagogen aufmerksam befolgen. In Windeseile kann man aus den meisten Fratzbuch und w-k-w-Profilen so viele Informationen herausziehen, die es einem dann ermöglichen mit etwas Sachverstand alles Mögliche über diesen Menschen im Web zu finden.

Warum schreibe ich darüber? Ich schreibe darüber, weil hier die eigentliche Gefahr liegt!
Diese Menschen haben kein Verständnis mehr dafür, daß man mit seinen Daten vorsichtig umgehen sollte und sie sehen auch gar keine große Gefahr in dem, was da mit der Vorratsdatenspeicherung auf uns zukommt.
Viele haben sich so alberne Stasi 2.0 Bildchen auf ihre Homepage gemacht, weil es cool war, mit dem Strom zu schwimmen und gegen das zu sein, gegen das alle anderen auch sind.
Aber verstanden hat das alles kaum jemand. Und genau das ist die Gefahr von der ich spreche.

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!


peter wilhelm autorenlesung
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